Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Foto mit AfD-Politiker - Pfarrer entpflichtet Oberministranten im Bistum Passau
  2. Bekommt Deutschland ein Wahrheitsministerium?
  3. Breite Rezeption für eine vermeintlich gescheiterte Theologie
  4. Teufelsanrufung in der 2. Bundesliga?
  5. Lambrecht fordert: Lebensschutz in der neuen Koalition verbessern, trotz anderslautender SPD-Wünsche
  6. Parolin: „Segne uns, Heiliger Vater Johannes Paul II.! Segne diese Kirche des Herrn auf ihrem Weg“
  7. Alexander Kissler: Kirchen sorgen für ‚Entchristianisierung‘ Deutschlands
  8. Immer mehr Hass-Übergriffe auf Priester in Polen
  9. Hilfe! Mein Kind tut sich so schwer mit dem Lernen!
  10. „Du musst tun, was Priester tun. Du musst die Messe feiern, Beichten hören und Anbetung halten“
  11. Lourdes verhüllt Mosaike des mutmaßlichen Missbrauchstäters Pater Marko Rupnik
  12. Die Vernunft des Glaubens – Zum 20. Todestag des heiligen Johannes Paul II.
  13. Orthodoxe Kirche von Zypern übt heftige Kritik am Westen
  14. EINMALIGE CHANCE! Große Baltikum-Reise mit kath.net - Mit Erzbischof Gänswein!
  15. 200 Quadratmeter für den Papst

Als die Katholiken sich noch wehrten

4. April 2006 in Schweiz, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Es ist noch gar nicht lang her, da gingen Schweizer Intellektuelle, Medienleute und Politiker für den Glauben auf die Straße. Ein Kommentar von Martin Meier-Schnüriger.


Basel (www.kath.net) Die Empörung, die in den moslemischen Ländern auf Grund der dänischen Mohammed-Karikaturen um sich griff und zahlreiche gewalttätige Reaktionen hervorbrachte, stellt uns gläubige Christen vor ein Dilemma. Einerseits verurteilen wir zu Recht die Akte der Gewalt, die fanatische Moslems an Unschuldigen verübten, namentlich an Christen.

Andererseits können wir wohl auch ein wenig mit ihrer Empörung mitfühlen, ist unser Glaube doch in letzter Zeit auch immer wieder Ziel von gemeinen Attacken aus dem Medien- und Kunstbereich geworden. Im Gegensatz zu den Moslems blieb es aber im christlichen Bereich bei kleineren Protesten, die weit gehend ungehört verhallten.

Aktiv gegen Beleidigungen

Blickt man jedoch in die jüngere Geschichte unseres Landes, stellt man erstaunt fest, dass die Zeit, wo sich Katholiken aktiv gegen die Beleidigungen ihres Glaubens zur Wehr setzten, noch gar nicht so lange vergangen ist. Ein Artikel im Tages-Anzeiger vom 14. März gibt darüber Aufschluss.

Zwar muss man diesen Artikel ziemlich „gegen den Strich bürsten“, denn seinem Verfasser, Josef Lang, Nationalrat der „Alternative Kanton Zug“ und Historiker mit besonderem Interesse für die Geschichte des Katholizismus und des Antisemitismus, geht es in erster Linie darum, die kirchentreuen Katholiken der 60-er Jahre des letzten Jahrhunderts auf die gleiche Stufe zu stellen wie die fanatischen Islamisten von heute. Dadurch soll auch die CVP für ihr aktuelles Muslimpapier gerügt werden.

Hochhuths „Der Stellvertreter“

Im Jahr 1963 wurde das berühmt-berüchtigte Theaterstück „Der Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth in Berlin uraufgeführt. Es wird darin das angebliche Schweigen Papst Pius’ XII. zu den Judenverfolgungen unter den Nazis thematisiert, bzw. der Papst wird mit verantwortlich für den Holocaust gemacht (die neusten Forschungen haben zwar eindeutig bewiesen, dass durch das grosse Engagement Pius’ XII. viele Juden gerettet werden konnten). Nun kündigte das Basler Stadttheater im April 1963 an, es werde das Stück im Herbst in sein Programm aufnehmen.

Die Reaktionen, die diese Ankündigung auslöste, sind heute unvorstellbar. Eine Gruppe von Luzerner (!) Akademikern (!) verlangte im April vom Bundesrat, das Machwerk für die ganze Schweiz zu verbieten. Im Mai lehnte der Kanton Zug ein Gesuch Hochhuths um eine Aufenthaltsbewilligung ab, weil dieser die religiösen Gefühle verletzt habe.

Kirchgemeinde organisierte Fackelzug

In Basel verhandelte die römisch-katholische Kirchgemeinde (!), also das staatskirchliche Gremium (!), mit dem Stadttheater über eine Absetzung des Stücks. Als diese Verhandlungen zu nichts führten, organisierte sie am 24. September einen Fackelzug mit 6000 Personen gegen die durch eine Polizeikette geschützte Aufführung.

Im Kanton Solothurn wandte sich die katholische Zeitung „Der neue Morgen“ gegen den „Stellvertreter“, in Olten belagerten am 29. Oktober tausend Personen das Gastspiel des Basler Stadttheaters. Mitglieder der katholischen Jungmannschaften (Jungwacht und Blauring (!)) versuchten, mit Stinkbomben und Feuerwerkskörper den Materialwagen zu erstürmen. In Bern beteiligte sich gar der damalige Bundesrat Ludwig von Moos (OW) an einer Demonstration gegen Hochhuths Theaterstück.

Katholiken solidarisch mit ihrer Kirche

Der aktive Kampf gegen die Aufführung des „Stellvertreter“ zeigt, dass offenbar in den 1960-er Jahren die Solidarität der Katholiken mit ihrer Kirche, das „sentire cum ecclesia“, noch intakt war. Nicht nur ein paar vereinzelte „Fundamentalisten“, sondern Intellektuelle, Medienschaffende und sogar ranghohe Politiker wehrten sich für ihren Glauben und scheuten sich nicht, dies öffentlich zu bezeugen.

Man kann sich natürlich fragen, wie christlich es ist, mit Stinkbomben zu operieren, doch nur schon die Tatsache, dass sich Leute von Jungwacht und Blauring gegen Hochhuths Stück wendeten, kommt aus heutiger Sicht einer Sensation gleich. Auch die Beteiligung eines Bundesrates an einer Protestkundgebung gegen eine Theateraufführung wäre heute undenkbar.

Proteste gegen die eigene Kirche

So bleibt die Frage, warum sich innerhalb von nur gut vierzig Jahren die Situation so Grund legend verändert hat. Staatskirchliche Gremien operieren und protestieren heute eher gegen ihre eigene Kirche als gegen Kirchenverleumder. Vorgeblich „katholische“ Politiker fühlen sich dem verpflichtet, was als „Basis“ daherkommt und meist ganz andere Interessen vertritt als die offizielle römisch-katholische Kirche. Die Kirchlichkeit der kirchlichen Jugendorganisationen beschränkt sich in der Regel darauf, Geld und Infrastruktur der Kirche zu benutzen. Wie konnte dieser Wandel geschehen?

Auf diese Frage gibt es wohl keine eindeutige und klare Antwort. Das gesellschaftliche Beben der 68-er Protestbewegung, die Lockerung der Sitten durch die so genannte „sexuelle Revolution“, die Vermedialisierung der Gesellschaft durch Fernsehen, Handy und Internet sind mögliche, aber nicht alle Ursachen.

Die Gegenbewegung

Glücklicherweise zeichnet sich am Horizont bereits eine Gegenbewegung ab. Die Weltjugendtage, zu denen auch eine stattliche Zahl von Schweizer Jugendlichen strömen, zeigen, dass „sentire cum ecclesia“ keineswegs out ist. Sie sind eine subtilere und freundlichere Art, die Freude am Glauben zu bezeugen, als es die Stinkbomben von 1963 waren.

Der Beitrag erschien in der Schweizerischen Katholischen Wochenzeitung. Publikation mit freundlicher Genehmigung des Autors.



Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Glaube

  1. The mystery of our faith: Why the birth of Jesus is the foundation of Christianity
  2. „Das Geheimnis unseres Glaubens – offenbart im Fleisch“ (1 Tim 3,16)
  3. Stellen wir uns den Goliaths!
  4. Bischof Strickland warnt vor ‚Crescendo der Apostasie’ in der Kirche
  5. Ablehnung von Fiducia supplicans: Afrikas Bischöfe haben ‚für die ganze Kirche’ gesprochen
  6. Kardinal Gregory: Joe Biden ist ein ‚Cafeteria-Katholik’
  7. Bischof Strickland: Wir müssen dem Beispiel der Heiligen und Märtyrer folgen
  8. Mexikanischer ‚Dubia’-Kardinal: Synode hat keine lehramtliche Autorität
  9. Gibt es Außerirdische?
  10. Erzbischof Cordileone: Katholiken kennen ihren Glauben zu wenig






Top-15

meist-gelesen

  1. EINMALIGE CHANCE! Große Baltikum-Reise mit kath.net - Mit Erzbischof Gänswein!
  2. Eine wichtige BITTE an Ihre Großzügigkeit! - FASTENSPENDE für kath.net!
  3. Teufelsanrufung in der 2. Bundesliga?
  4. Foto mit AfD-Politiker - Pfarrer entpflichtet Oberministranten im Bistum Passau
  5. Breite Rezeption für eine vermeintlich gescheiterte Theologie
  6. „Du musst tun, was Priester tun. Du musst die Messe feiern, Beichten hören und Anbetung halten“
  7. Bekommt Deutschland ein Wahrheitsministerium?
  8. Das Wunder des Karol Wojtyła
  9. „Habt keine Angst!“ – Christus macht wirklich frei!
  10. Alexander Kissler: Kirchen sorgen für ‚Entchristianisierung‘ Deutschlands
  11. Hexenfestival: Streit zwischen Exorzisten und Bürgermeister
  12. Orthodoxe Kirche von Zypern übt heftige Kritik am Westen
  13. 200 Quadratmeter für den Papst
  14. Nach ‚schwarzer Messe‘ in Kansas: Organisator von der Polizei verhaftet
  15. Hilfe! Mein Kind tut sich so schwer mit dem Lernen!

© 2025 kath.net | Impressum | Datenschutz