Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Bekommt Deutschland ein Wahrheitsministerium?
  2. Psycho-Tests für Schweizer Priester
  3. Werden Sie Schutzengerl für kath.net für 2025 und 2026!
  4. Breite Rezeption für eine vermeintlich gescheiterte Theologie
  5. 2024 mehr Austritte bei den landeskirchlichen Protestanten als bei den Katholiken
  6. Teufelsanrufung in der 2. Bundesliga?
  7. Lambrecht fordert: Lebensschutz in der neuen Koalition verbessern, trotz anderslautender SPD-Wünsche
  8. Theologieprofessor Bortkiewicz: „Der Arzt beschloss, den Fötus – also mich – in Stücke zu schneiden“
  9. 'Egal was kommt, wir haben Handlungsoptionen!'
  10. „Du musst tun, was Priester tun. Du musst die Messe feiern, Beichten hören und Anbetung halten“
  11. Die Vernunft des Glaubens – Zum 20. Todestag des heiligen Johannes Paul II.
  12. Parolin: „Segne uns, Heiliger Vater Johannes Paul II.! Segne diese Kirche des Herrn auf ihrem Weg“
  13. Hilfe! Mein Kind tut sich so schwer mit dem Lernen!
  14. ‚Mitarbeiter der Wahrheit‘ – ein neuer Film über Johannes Paul II. und Benedikt XVI.
  15. Lourdes verhüllt Mosaike des mutmaßlichen Missbrauchstäters Pater Marko Rupnik

Heute fehlt es den Jugendlichen vor allem an liturgischer Bildung

12. Juli 2010 in Interview, 4 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Drei Jahre nach der Veröffentlichung des Motu proprio "Summorum Pontificum" zieht der Präfekt der römischen Gottesdienstkongregation Bilanz Von Regina Einig / Die Tagespost


Rom (kath.net)
Eminenz, der Heilige Vater sprach im Schreiben an den Weltepiskopat mit Blick auf die Vorgespräche zum Motu proprio „Summorum Pontificum“ von Reaktionen der freudigen Aufnahme bis zu harter Opposition. Hat sich das Klima seitdem verändert?

Kardinal Antonio Cañizares: Das Klima ist im Wesentlichen gleich geblieben. Ich glaube aber, dass eine Bewegung in Gang gekommen ist. Es wird nun viel besser verstanden, worum es bei dem Motu proprio geht. Das Verständnis für die Liturgie in der Tradition der Kirche ist gewachsen. Das Gleiche gilt für die Hermeneutik der Kontinuität. Das alles kommt nicht nur der Akzeptanz und der Umsetzung des Motu proprio zugute, sondern bereichert auch die liturgische Erneuerung und bringt sie voran – in dem Sinne, dass der Geist der Liturgie wieder neu belebt wird.

In Frankreich bilden zwei Diözesanseminare ihre Seminaristen in beiden Formen des römischen Ritus aus. Wie sehen Sie dieses Modell?

Kardinal Antonio Cañizares: Es gibt nur eine einzige Liturgie. Folglich passen beide Formen der Zelebration des römischen Ritus mühelos in dieselbe Ausbildung – eben weil es sich um ein und dieselbe Liturgie handelt. Darüber hinaus ist zu beachten, dass die Kirche aufgrund der Hermeneutik der Kontinuität das Missale Johannes XXIII. nicht einfriert, aber auch nicht damit gebrochen hat. Die Tradition der Kirche wird in der Entwicklung des Zweiten Vatikanischen Konzils weiter integriert.

Darum muss die liturgische Ausbildung für alle immer an Sacrosanctum Concilium ausgerichtet sein. Angesichts des Reichtums des römischen Ritus in seiner gesamten Überlieferung – und dazu gehören auch das Missale Johannes XXIII. und die nachkonziliare Liturgiereform – lassen sich beide nicht gegeneinander ausspielen. Sie sind Ausdruck desselben liturgischen Reichtums.


Teilen Sie die Auffassung des Bischofs von Toulon, der es als ideal betrachtet, seine Seminaristen in beiden Formen auszubilden?

Kardinal Antonio Cañizares: Der Bischof von Toulon, ein hervorragender Mann, möchte die gesamte kirchliche Tradition in diesem Licht der Hermeneutik der Kontinuität sehen. Und weil Sacrosanctum Concilium unverändert gültig ist, führt er diese in dieser Form einzigartige Ausbildung durch, in der die Zelebration in beiden Formen des römischen Ritus gelehrt wird. Die guten Früchte in Toulon sind offensichtlich.

Welche Elemente der außerordentlichen Form könnte man auch in die ordentliche Form des Ritus integrieren?

Kardinal Antonio Cañizares: Den Sinn für das Mysterium und des Heiligen und vor allem den Sinn dafür, was Gottesherrschaft bedeutet. Es geht um die Größe Gottes und das Geheimnis Gottes. Der Mensch ist eigentlich immer unwürdig, an dieser Gottesgabe Liturgie teilzuhaben. Wir müssen Gottes Recht , das „ius divinum“ wieder anerkennen – je eher, desto besser.

Heute erscheint Liturgie oft als etwas, auf das der Mensch ein Recht habe und in dem er handelt. Darin spiegelt sich die Säkularisierung unserer Gesellschaft, während andere Aspekte dahinter verblassen. Das hat dazu geführt, dass die Reform des Zweiten Vaticanum ihren Reichtum und ihre Größe nicht wie erhofft entfaltet hat.

Was empfehlen Sie den Priestern? Wo sollen sie anfangen?

Kardinal Antonio Cañizares: Die Priester sollen sich wieder so auf die heilige Messe vorbereiten, wie es in der außerordentlichen Form vorgesehen ist. Das gilt auch für den Bußritus und das Bewusstsein dafür, dass wir im Grunde der Zelebration nicht würdig sind, aber unser Vertrauen auf die Barmherzigkeit und die Vergebung Gottes setzen und uns so der Gegenwart Gottes in der Zelebration nähern.

Ein Schatz, den wir nicht vergessen dürfen, ist die Opferung wie sie in den Gebetstexten beschrieben ist. Darin kommt eine tiefe Haltung zum Ausdruck. Wir sollten sie verinnerlichen.

In seinem Schreiben an die Bischöfe hat der Heilige Vater unterstrichen, dass es ihm beim Motu proprio um die innere Versöhnung der Kirche geht.

Wie beurteilen Sie die Debatte um die unerlaubten Priesterweihen der Pius-Bruderschaft?

Kardinal Antonio Cañizares: Die Priesterweihen sind ein einschneidendes Moment in einer entscheidungsschweren Zeit. Es wäre sehr zu wünschen gewesen, mit den Weihen zu warten, denn wenn sich eines Tages eine konkrete Gelegenheit zu einer Öffnung und eine Möglichkeit zur Verständigung ergibt, kann die Chance durch das Faktum der Weihen erschwert werden.

Stichwort: Weltjugendtag in Madrid 2011: Was empfehlen Sie den Jugendlichen, die neugierig auf die alte Messe sind?

Kardinal Antonio Cañizares: Die Jugendlichen müssen im Geist der Liturgie erzogen werden. Es wäre ein Fehler, sie auf die eine oder die andere Form in einer polemischen Weise festzulegen. Sie müssen an die Anbetung herangeführt werden und an den Geist des Mysteriums. Ihnen soll der Lobpreis und die Danksagung vermittelt werden – und das Ganze, was die liturgische Feier der Kirche durch die Zeiten ausgemacht hat.

Heute fehlt es den Jugendlichen vor allem an liturgischer Bildung – unabhängig von der Form, die sie besonders verteidigen. Das ist die große Herausforderung für die nahe Zukunft, auch für die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenlehre. Wir brauchen heute eine neue liturgische Bewegung, so wie es sie im 19. und 20. Jahrhundert gab. Dabei geht es nicht um die eine oder um die andere Form, sondern um die Liturgie als solche.

Und wie kann diese neue liturgische Bewegung Wirklichkeit werden?

Kardinal Antonio Cañizares: Wir brauchen eine neue Einführung in das Christentum. Auch für Kinder und für Jugendliche. Eine Einführung in die Liturgie besteht nicht nur darin, etwas über die Zelebration zu wissen, obwohl das natürlich unerlässlich im theologischen und doktrinellen Sinne ist. Jugendliche und Kinder sollen an sehr würdig gefeierten Liturgien teilnehmen, die ganz durchdrungen sind vom Mysterium Gottes und sich der Einzelne mit einbezogen weiß. Aktive Teilnahme bedeutet nicht, etwas zu machen, sondern in den Lobpreis und in die Stille einzutreten, in das Hören und auch in das Bittgebet und in all das, was Liturgie wirklich ausmacht. Solange das nicht geschieht, wird es keine liturgische Erneuerung geben. Wir müssen uns um hundertachtzig Grad drehen. Jugendpastoral soll ein Ort sein, an dem Begegnung mit dem lebendigen Christus in der Kirche stattfindet. Wo Jesus Christus als jemand von gestern erscheint, ist weder liturgische Bildung noch aktive Teilnahme möglich. Solange das Bewusstsein für den lebendigen Christus nicht wieder erwacht, wird nichts aus der so dringend notwendigen Erneuerung.

Die Tagespost - Lesen Sie, was Kirche und Welt bewegt. Fordern Sie jetzt Ihre kostenlose Leseprobe für 2 Wochen (6 Ausgaben) an - völlig unverbindlich für Sie!

Foto: (c) Archiv


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 supernussbi 12. Juli 2010 

Priester und Messe inmitten des Volkes

Das muss es wieder sein. Es gelingt meiner Erfahrung nach nur, wenn nicht nur wöchentlich Religionsunterricht erteilt, sondern - viel wichtiger - wenn auch wöchentlich der Glaube in der Eucharistie gefeiert und in der göttliche Freund in der Anbetung dankbar verehrt wird! Dazu gehört, dass der Priester am Ort wieder den Hauptteil der Katechese übernimmt und so inmitten der Begegnungen anwesend und mitgehend erfahren wird. Dann kommt ein Teil der Familien automatisch auch sonntags wieder zur Kirche. Weniger Worte und Kommentare, dafür mehr Lieder, aber auch kurze stille Momente der Anbetung sind erforderlich.


1
 
 Yohanan 12. Juli 2010 

@Willigis

Deshalb müssen die Jugendlichen erst mal die Erfahrung machen, dass es jemanden gibt, der die Wunden heilt, der eine neue Chance gewährt, der die Sonne scheinen läßt und uns dadurch den Tisch bereitet.
Das lernt man entweder durch eigenes Scheitern oder durch Empathie, Mitfühlen mit den Nächsten, der eine Hilfe braucht, die Gott ins Herz gibt, eben Mut und Hoffnung auf Besserung.

Diese Erfahrung liegt auch unseren Jugendlichen nicht fern, es sei denn sie haben ein hartes Herz.


1
 
 Willigis 12. Juli 2010 
 

Den meisten Jugendlichen...

...fehlt es an der Erkenntnis, warum sie überhaupt an einer Liturgie teilnehmen sollten. Ein Blick ins Kirchenschiff sagt mehr als tausend Worte.


2
 
 Yohanan 12. Juli 2010 

Ja, liturgische Bildung und Erfahrung.

Diese Erfahrung setzt bereits im Kleinen an, beim Danksagen zu den Mahlzeiten. Denn auch dort betet jeder selbst zum Herrn, auch wenn einer vorbetet. Das ist Liturgie in der Nußschale oder die Kirchenschule im Haus der Gläubigen.

Wer dieses versteht, wird auch in der Messliturgie sich richtig verhalten.

Wenn für mich Christus lebendig ist, dann ist er eben auch der Geber aller Gaben, besonders bei den Mahlzeiten. Aus dieser Zelle wächst das große Gebäude des Gotteslobes der heiligen Kirche empor.


3
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Liturgie

  1. Messe im Alten Ritus zum Abschluss der Wallfahrt Paris – Chartres wurde bestätigt
  2. Kardinal Roche: Feier der Alten Messe ist akzeptiert, aber nicht die Norm
  3. Mutter Teresa erhält weltweiten Gedenktag
  4. Wird die Feier der Alten Messe bei der Pfingstwallfahrt Paris – Chartres eingeschränkt?
  5. Das Schweigen der Synode zum Alten Ritus
  6. Frankreich: Priester schlägt Personalordinariat für den Alten Ritus vor
  7. Kardinal Sandoval bittet Papst Franziskus um Erhalt der Messe im Alten Ritus
  8. Wachsendes Interesse unter jungen Katholiken an der Alten Messe
  9. Vatikan verbietet Messe im Alten Ritus für spanische Wallfahrer
  10. Ein Ordinariat für den Alten Ritus?






Top-15

meist-gelesen

  1. Werden Sie Schutzengerl für kath.net für 2025 und 2026!
  2. EINMALIGE CHANCE! Große Baltikum-Reise mit kath.net - Mit Erzbischof Gänswein!
  3. Eine wichtige BITTE an Ihre Großzügigkeit! - FASTENSPENDE für kath.net!
  4. Teufelsanrufung in der 2. Bundesliga?
  5. Theologieprofessor Bortkiewicz: „Der Arzt beschloss, den Fötus – also mich – in Stücke zu schneiden“
  6. Breite Rezeption für eine vermeintlich gescheiterte Theologie
  7. Ist es ein Wunder durch Kardinal Pell? Kleinkind atmete 52 Minuten lang nicht mehr, überlebte!
  8. ‚Mitarbeiter der Wahrheit‘ – ein neuer Film über Johannes Paul II. und Benedikt XVI.
  9. „Du musst tun, was Priester tun. Du musst die Messe feiern, Beichten hören und Anbetung halten“
  10. Bekommt Deutschland ein Wahrheitsministerium?
  11. Psycho-Tests für Schweizer Priester
  12. Das Wunder des Karol Wojtyła
  13. „Habt keine Angst!“ – Christus macht wirklich frei!
  14. 'Egal was kommt, wir haben Handlungsoptionen!'
  15. 2024 mehr Austritte bei den landeskirchlichen Protestanten als bei den Katholiken

© 2025 kath.net | Impressum | Datenschutz