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Sie hat die Wahrheit gefunden: Jesus Christus

9. August 2011 in Spirituelles, keine Lesermeinung
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Edith Stein – Die Patronin Europas als Praeceptrix veritatis et humanitatis - Von Marcus Knaup


Freiburg (kath.net)
Am heutigen 09. August feiert die Kirche den Gedenktag von Edith Stein (1891-1942), oder wie ihr Ordensname lautet, Sr. Teresia Benedicta a Cruce. Ich selbst habe das erste Mal von Edith Stein im Philosophieunterricht der Oberstufe gehört. Dass eine Philosophin heilig gesprochen werden sollte, war Grund für unseren Lehrer, uns auf diese Frau aufmerksam zu machen. Ich muss gestehen: Wirklich begeistert waren wir Schüler damals nicht.

Schon wieder eine Heilige mehr? Und dann noch eine Ordensfrau aus einem strengen Orden wie dem der Karmeliten? Konnte es nicht sein, dass die Philosophin Edith Stein diesen Weg vielleicht nur eingeschlagen hatte, da sie angesichts ihrer jüdischen Wurzeln und dem immer mächtiger werdenden Naziwahn um Leib und Leben fürchtete? Diese Fragen aus dem Klassenzimmer ließen mich nicht los. Ich las die erste Biographie, dann erste Texte aus der Feder von Edith Stein. Schnell waren alle Vorurteile in Luft aufgelöst und die Begeisterung für Edith Stein hielt bis heute an. Ja, diese Heilige begleitete mich während meines eigenen Studiums in Freiburg, wo sie ebenfalls zur Studentenschaft gehört hat und 1916 bei dem Philosophen Edmund Husserl promoviert wurde.

Geboren wurde sie am 12. Okt. 1891 in Breslau. Sie gehört zu den herausragenden Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts: Erzogen im jüdischen Glauben, später Agnostikerin, dann Christin und Ordenfrau. In Edith Stein begegnet uns ein außergewöhnlich begabtes wie tief gedemütigtes Leben, das sein Ende wahrscheinlich am 09. August 1942 in der Gaskammer von Auschwitz fand. Der inzwischen selbst zur Schar der Seligen zählende Papst Johannes Paul II. hat sie 1998 heilig gesprochen und 1999 zur Mit-Patronin Europas erhoben.

Im Rückblick auf ihre eigene Kindheit beschreibt sich Edith Stein selbst als ein quirliges, naseweises und manchmal auch zu Zornesausbrüchen neigendes Kind. Die Gebete, die Edith von ihrer Mutter und in der Synagoge gelernt hatte, verrichtet sie bis zum fünfzehnten Lebensjahr.

Die schwierige Zeit des Erwachsenwerdens ist für Edith Stein eine Krisenzeit. Sie will fortan ohne Gott durchs Leben gehen. Und zunächst hat sie den Eindruck, dass sie so auch nichts vermissen müsste. Nach glänzendem Abitur nimmt sie das Studium in Breslau auf. Später wechselt sie nach Göttingen, da dort der bekannte Philosoph Edmund Husserl lehrt. „Alle Mädels träumen von einem Busserl, Edith aber träumt nur von Husserl“, wie ihre Freundinnen scherzen. Schließlich wechselt sie mit ihm nach Freiburg und zieht in den Stadtteil Wiehre - direkt mal in die Nähe des „Meisters“, wie sie zu sagen pflegt. Nach Abschluss der Promotion wird sie Husserls Assistentin und bereitet u. a. seine Manuskripte für den Druck vor. Es ist ein Ringen um Klarheit, ein Erkennen der Grenzen der eigenen Vernunft.


Im November 1917 fällt ein befreundeter Philosoph im ersten Weltkrieg: Adolf Reinach. Edith Stein ist tief erschüttert über diese Nachricht. Reinachs Witwe bittet Edith Stein, ihr beim Ordnen der Texte ihres Mannes zu helfen. Viele Fragen schwirren in ihrem Kopf: Was kann man in solch einer Situation sagen? Wie kann man Trost spenden? Was sind die richtigen Worte? Edith Stein weiß es nicht, ist aber tief beeindruckt von der Person Anne Reinachs, die Zuversicht aus ihrem christlichen Glauben schöpft.

Ihr tritt keine gebrochene Frau entgegen, sondern eine, die aus der Kraft der Auferstehung lebt und sogar ihr noch Trost spenden kann. Edith Stein berichtet später, dass dies der entscheidende Anlass zur Konversion gewesen sei. Aber bis dahin ist es für sie noch ein längerer Weg.

1921 ist Edith Stein in Bad Bergzabern bei ihrer Freundin Hedwig Conrad-Martius. Hier liest sie das „Leben der Teresa von Avila“, das für Edith Stein sehr wichtig werden sollte und wohl ausschlaggebend für die Wahl der Konfession war. Als sie das Buch beendet, weiß sie: „Das ist die Wahrheit!“ In diesem Ferienaufenthalt in Bergzabern ist der Auferstandene in das Leben von Edith Stein getreten. Vielleicht gibt es für uns ähnliche Erfahrungen wie für Edith Stein. Fragen wir uns einmal: Wo können wir Gott ganz nah sein, die Erfahrung seiner Liebe und Zuwendung machen? Wo geht uns das Herz auf und fällt es uns wie Schuppen von den Augen? Welche Bedeutung hat die Botschaft von Tod und Auferstehung für uns heute am 09. Aug. 2011?

Edith Stein hat die Wahrheit gefunden, nach der sie so leidenschaftlich gesucht hat. Und diese trägt ein persönliches Antlitz: Jesus Christus. In der Taufe hat sie Christus als Gewand (Gal 3,27) angelegt. Immer wieder hat sie auf Jesus, den Logos, geblickt und erfahren, dass Jesus uns anschauend liebt. Es ist sein Blick, der uns hält, damit wir loslassen können, der uns befreien kann von Ängsten und Hindernissen, ihm nachzufolgen. Ein Blick, in dem alles aufgefangen ist. Schauen wir auf uns selbst: Welche Bedeutung hat die Taufe für unser Leben? Sind wir stolz, katholisch zu sein oder verschweigen wir dies lieber und schämen uns sogar manchmal dafür? Ist Christus die Wahrheit unseres Lebens?

Elf Jahre nach ihrer Taufe, 1933, tritt sie in den Karmel ein. Im Orden der Karmeliten hat sie in allen Facetten des Alltäglichen Gott gesucht und ihm die Welt hingehalten. Ihr Stehen vor Gott, ihre Freundschaft mit Jesus, können uns ein Wegweiser auf unserem Pilgerweg des Lebens sein, unser Leben immer mehr auf den Herrn auszurichten. Nicht immer ging alles glatt in ihrem Leben. Es gab Brüche, Risse, Enttäuschungen, Verletzungen und Verfolgung. Edith Stein sagt das so: „Gegen das Licht, das vom Himmel herabgekommen ist, sticht die Nacht der Sünde umso schwärzer und unheimlicher ab“ (Edith Stein: Das Weihnachtsgeheimnis. Freiburg/ Basel/ Wien 1988. S. 47).

Teresia Benedicta a Cruce folgte dem Herrn in der Bedrohung der Finsternis und der Verblendung und legte Zeugnis für ihn ab mit ihrem Blut. Sie hat sich der Macht des Bösen nicht gebeugt. Sie hat dem Herrn Raum gegeben in ihrem Leben, ist mit Christus verwachsen, hat ihr Leben von Seinem umformen lassen. „An der Hand des Herrn“ wollte sie gehen – egal wohin.

Um der Liebe willen hat sie alles aufgegeben und ist so wahrhaft frei geworden. Das „Fiat voluntas tua“ aus dem Vaterunser war ihr Kompass. Viele ihrer Lebenspläne wurden durch-kreuzt. Im Schweigen, im Dulden, im Jasagen zur Verfolgung hat sie sich auf den Gekreuzigten ausgerichtet, der in seiner durchbohrten Hand jedes Leid und jeden Leidenden hält. In diesem Sinne ist die Patronin Europas eine Praeceptrix veritatis et humanitatis: eine Lehrerin der Wahrheit, bei der wir heute sehr viel über den Menschen und die Menschlichkeit lernen können.

Schwester Teresia Benedicta a Cruce hat das Kreuz Christi in der Zeit des Hakenkreuzes bereitwillig angenommen, es getragen. An ihrem Lebensbeispiel können wir ablesen, was es heißt: In obsequio Jesu Christo vivere, in der Gefolgschaft des Herrn zu leben – und wenn es nötig ist, zu leiden. Intellektuell in ihrem letzten Werk, der Kreuzeswissenschaft, und existentiell, im Grauen der Nacht von Auschwitz, ist sie dem Herrn auf dem Kreuzweg gefolgt, hat in ihrem Herzen ihr Lebensopfer mit dem Kreuzesopfer verbunden.

Im Gott Jesu Christi hat sie den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs erkannt. Der Gott des Neuen Bundes ist der Gott Israels, die Kirche das neue Israel. Im leidenden Gottesknecht hat sie den Erlöser der Welt entdeckt. Das Leid des jüdischen Volkes, ihres Volkes, brachte Edith Stein in Verbindung mit dem Leidensweg Jesu. Und auch jetzt dürfen wir uns noch einmal selbst kritisch befragen: Sind wir bereit, an der Hand des Herrn zu gehen? Unsere Lasten und Sorgen wie auch unsere Freude mit ihm zu teilen? Welchen Raum geben wir Christus Tag für Tag?

Einfach ist dies freilich nicht immer. Edith Stein gibt uns folgenden Rat: „Christus hat uns nicht als Waisenkinder zurückgelassen. Er hat Seinen Geist gesandt, der uns alle Wahrheit lehrt; er hat Seine Kirche begründet, die von Seinem Geist geleitet wird, und hat in ihr Seine Stellvertreter eingesetzt, durch deren Mund Sein Geist in Menschenworten zu uns spricht. Er hat in ihr die Gläubigen zur Gemeinschaft verbunden und will, dass einer für den anderen einsteht. So sind wir nicht allein, und wo das Vertrauen auf die eigene Einsicht und selbst auf das eigene Gebet versagt, da hilft die Kraft des Gehorsams und die Kraft der Fürbitte“ (Edith Stein: Das Weihnachtsgeheimnis. Freiburg/ Basel/ Wien 1988. S. 60 f.).

Als Heilige dürfen wir Edith Stein anrufen und sie um ihre Fürsprache bitten: Sr. Teresia Benedicta a Cruce wir bitten dich: Sei uns eine Stütze, Gott zu suchen und ihn mit ganzem Herzen zu lieben. Lass uns im Gekreuzigten wie du den Heiland immer tiefer erkennen, treu zu ihm in der Schule des Kreuzes stehen, ihn mit unserem Leben bezeugen und so wahrhaft glückselig werden. Amen.

Marcus Knaup (geb. 1979) hat katholische Theologie und Philosophie in Paderborn und Freiburg i. Br. studiert und eine Doktorarbeit im Fach Philosophie über das Leib-Seele-Problem verfasst. Er ist Mitherausgeber des Sammelbandes Post-Physikalismus. Freiburg München (Alber) 2011 und wird im September ins Postulat der Dominikaner eintreten.

kathTube: Vortrag über Edith Stein




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