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Afghanistan: Trauer um ermordete evangelische Entwicklungshelfer

8. September 2011 in Deutschland, 9 Lesermeinungen
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Christusträger: Bruder Siegbert wollte den Ärmsten dienen – Bischöfe entsetzt


Dresden/Hannover/Triefenstein (kath.net/idea) Mit Bestürzung und Trauer haben Bischöfe und andere Christen auf die Ermordung von zwei deutschen Entwicklungshelfern in Afghanistan reagiert. Die Leichen von Siegbert Stocker (69) aus Wilsdruff bei Dresden und Willi Ehret (59) aus Ditzingen-Heimerdingen bei Stuttgart waren am 5. September in der Provinz Parwan nördlich der Hauptstadt Kabul gefunden worden. Nach der Bergung und Obduktion der Toten stand fest, dass es sich um die beiden Deutschen, die am 19. August beim Wandern spurlos verschwunden waren. Sie wurden vermutlich Opfer eines Raubmords. Stocker war Mitglied der evangelischen Christusträger-Bruderschaft mit Hauptsitz im unterfränkischen Triefenstein bei Würzburg; in Wilsdruff betreibt sie ein Gästehaus. In Kabul, wo die Bruderschaft zwei ambulante Kliniken und Lehrwerkstatt unterhält, bildete Stocker Jugendliche zu Metallbauern aus.

Tief im Glauben verwurzelt

In ihrer Mitteilung über den Tod Stockers heben die Christusträger dessen „tiefe Verwurzelung im Glauben und sein Vertrauen auf Gott“ hervor. Er sei ein Mann gewesen, „der gerne zupackte und sich für andere einsetzte, wo er konnte“. Seit einem Besuch 2008 in Afghanistan sei es sein großer Wunsch gewesen, „von ganzem Herzen den Ärmsten in diesem geschundenen Land zu dienen“. Für seine Berufung als Christusträger sei ein Wort Jesu aus dem Markusevangelium wichtig gewesen: „Ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwester oder Mutter oder Vater verlässt um meinetwillen oder um des Evangeliums willen, der nicht hundertfach empfange: jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker mitten unter Verfolgungen – und in der zukünftigen Welt das ewige Leben“ (Markus 10,28). Im sächsischen Meißen versammelten sich trauernde Christen in der Sankt-Afra-Kirche zum Gebet und zündeten Kerzen an. In der Stadt hatte Stocker vor seinem Einsatz in Afghanistan acht Jahre lang den Haushalt der später nach Wilsdruff umgezogenen Christusträger-Station geführt sowie als Seelsorger vielen Menschen beigestanden.


Ehret: Erst Missionar, dann Entwicklungshelfer

Auch Ehret war christlich motiviert. Nach dem Besuch der Bibelschule Wiedenest (Bergneustadt bei Gummersbach) ging er als Missionar der Deutschen Missionsgemeinschaft (Sinsheim bei Heidelberg) nach Nigeria – in die islamisch geprägte Hauptstadt des Bundesstaats Plateau, Jos. Später wurde er Entwicklungshelfer im Auftrag der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im ostafrikanischen Malawi, einem der ärmsten Länder der Erde. Als er dann in Afghanistan gebraucht wurde, sagte er zu. Ditzingens Oberbürgermeister Michael Makurath würdigte die Arbeit Ehrets. Es sei tragisch, dass er als Entwicklungshelfer in einem Land umgekommen sei, das die Entwicklungshilfe nötig habe.

Immer wieder Entführungen

In den vergangenen Jahren ist es in Afghanistan immer wieder zu Entführungen gekommen, der nicht nur westliche Entwicklungshelfer und Geschäftsleute zum Opfer fallen, sondern oft auch vermeintlich wohlhabende Afghanen. In der Regel wurden die Betroffenen gegen die Zahlung eines Lösegeldes wieder auf freien Fuß gesetzt. Im Jahr 2007 sorgte die Entführung von zwei deutschen Bauingenieuren wochenlang für Aufsehen. Eine Geisel wurde erschossen, die andere kam im Oktober 2007 nach 85 Tagen frei. Wenig später wurde eine deutsche evangelikale Entwicklungshelferin verschleppt. Christina Meier, damals Büroleiterin der Hilfsorganisation „Ora International“ in Kabul, wurde nach rund 36 Stunden von afghanischen Sicherheitskräften aus den Händen ihrer Entführer befreit. Ein blutiges Ende fand vor gut einem Jahr ein Einsatz eines augenmedizinischen Teams des christlichen Hilfswerks International Assistance Mission (IAM). Zehn Mitarbeiter, darunter die sächsische Dolmetscherin Daniela Beyer, wurden bei der Rückkehr von einem Einsatz in der Provinz Badakstan erschossen. Die Täter sind bis heute nicht ermittelt.


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