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Friedrich: Papst und Kirche sind großes Zeichen der Hoffnung

18. September 2011 in Interview, 6 Lesermeinungen
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Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), ein Protestant, ist fasziniert vom Papst aus Bayern. Ein Interview von Christoph Scholz (KNA)


Berlin (kath.net/KNA) Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) versteht die Rede von Papst Benedikt XVI. im Bundestag als «Signal», sich mit «Fragen nach den ethischen Fundamenten von Staat und Gesellschaft oder dem zugrunde liegenden Menschenbild» zu befassen.

Mit Blick auf die Kritik an der Rede hob der für die Beziehung zu den Kirchen zuständige Minister im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Freitag in Berlin die «religionsfreundliche Neutralität» der Verfassung hervor.

Friedrich beobachtet auch, dass „der Hunger der Menschen nach geistlicher Nahrung sehr groß ist. Ich glaube, das trifft auch für Deutschland zu. Deshalb stellen der Papst und die Kirche ein großes Zeichen der Hoffnung dar. Wenn das in Deutschland so greifbar nah wird, ist das großartig.“

KNA: Herr Minister Friedrich, Sie haben mehrfach Sympathie für Benedikt XVI. bekundet. Was schätzt ein überzeugter Protestant am Oberhaupt der katholischen Kirche?

Friedrich: Die Weltkirche mit ihrer globalen Sicht ist losgelöst von der regionalen tagespolitischen Diskussion. Das hat mich schon immer beeindruckt.

KNA: Und was beeindruckt Sie an Benedikt XVI.?

Friedrich: Ich würde lügen, wenn ich sagte: Es spielt keine Rolle, dass er ein Deutscher ist. Natürlich spielt das eine große Rolle - und dass er Bayer ist noch mehr (lacht). Vor allem faszinieren mich seine klare Gedankenführung und seine fundierten Auffassungen.

KNA: Woher kennen Sie sein Denken?

Friedrich: Als Abgeordneter habe ich immer wieder Aufsätze oder Stellungnahmen des Theologen und damaligen Kardinals Joseph Ratzinger gelesen, in denen es um soziale und politische Fragen ging. Außerdem beeindruckt mich die Sozialenzyklika «Caritas in Veritate».

KNA: Bei welcher Gelegenheit werden Sie ihn treffen?


Friedrich: Ich werde ihn sicherlich in Berlin sehen, aber ich will ihn auch nach Erfurt begleiteten und in Freiburg verabschieden.

KNA: Was kann der Papst den Deutschen mitteilen?

Friedrich: Zunächst zeigt sich bei allen Besuchen des Papstes in der Welt - wie zuletzt auch in Madrid -, dass der Hunger der Menschen nach geistlicher Nahrung sehr groß ist. Ich glaube, das trifft auch für Deutschland zu. Deshalb stellen der Papst und die Kirche ein großes Zeichen der Hoffnung dar. Wenn das in Deutschland so greifbar nah wird, ist das großartig.

KNA: Und wie bewerten Sie die politische Bedeutung des Besuchs?

Friedrich: Wenn das Oberhaupt der katholischen Kirche im Bundestag spricht, ist das etwas Besonderes. Ich verstehe es als Signal, dass sich die Politiker über den Tellerrand der Tagespolitik hinaus mit grundsätzlichen Fragen etwa nach den ethischen Fundamenten von Staat und Gesellschaft oder dem zugrunde liegenden Menschenbild befassen. Der Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht hervorbringen kann.

KNA: Kritiker sehen durch die Rede die religiöse Neutralität des Parlaments gefährdet.

Friedrich: Wir haben in Deutschland zu Recht eine weltanschauliche und religiöse Neutralität des Staates. Aber schon die Präambel des Grundgesetzes verweist auf die Wurzeln unseres Denkens und den Geist der Verfassung. Deshalb spricht das Bundesverfassungsgericht auch von einer «fördernden Neutralität», ich würde von einer religionsfreundlichen Neutralität sprechen. Außerdem hält der Papst keinen Gottesdienst im Bundestag. Er kommt als Staatsoberhaupt, denn der Heilige Stuhl ist ein eigenes Völkerrechtssubjekt.

KNA: Sie fordern eine Selbstvergewisserung Deutschlands als Land mit jüdischen und christlichen Wurzeln, um «weltoffen» zu sein. Wie ist das zu verstehen?

Friedrich: Wer an einem aufrichtigen Dialog interessiert ist, muss zunächst für sich selbst eine gewisse Klarheit haben. Das hat sicher auch mit Erziehung und der Weitergabe von Werten zu tun. Aber nur so kann man mit denen, die eine andere Weltsicht und andere Wurzeln haben oder im Leben zu anderen Ergebnissen gekommen sind, wirklich ins Gespräch kommen. Das schließt eine selbstkritische Haltung nicht aus.

KNA: Gilt dies auch im Dialog mit dem Islam?

Friedrich: Der Integrationsbeauftragte der US-Regierung hat unlängst bei einem Gespräch bemerkenswerte Sätze gesagt: Wer sich integrieren will, muss wissen, wo hinein er sich integrieren kann. Dabei geht es um die Frage nach der Identität der Gesellschaft, die die Zuwanderer vorfinden.

KNA: Sie haben gesagt, Deutschland sei zwar historisch nicht vom Islam geprägt, die Muslime seien aber Teil unserer Gesellschaft. Wie sehr prägen sie inzwischen unsere Gesellschaft?

Friedrich: Unser Land wurde über die Jahrhunderte hinweg christlich geprägt. Das gilt auch für die Entstehung der Grundwerte. Zugleich weitete sich der Horizont durch die Globalisierung. Von daher ist es keine Frage, dass sich unsere Kultur ändert, wenn Menschen aus anderen Ländern zu uns kommen. Wie sehr sich das Gesicht und Lebensgefühl ändert, sieht man beispielsweise beim Blick auf Europa, wo die Mentalitäten sich weiter aufeinander zu bewegen.

KNA: Was kann der Staat für eine bessere Integration tun?

Friedrich: Der Staat kann nur Rahmenbedingungen schaffen und Angebote machen, wie etwa durch Integrationskurse. Es liegt dann an jedem Migranten selbst, dies im täglichen Leben zu nutzen. Zugleich gibt es unzählige ehrenamtliche Initiativen, die zu einer erfolgreichen Integration beitragen.

KNA: Wo sehen Sie den dringlichsten Integrationsbedarf?

Friedrich: Das Wichtigste ist, dass die Menschen, die zu uns kommen, zunächst Deutsch lernen. Wichtig ist darüber hinaus natürlich auch, dass sie sich in ihrer Freizeit integriert fühlen, zum Beispiel dadurch, dass sie in einem Sportverein sind oder sich ehrenamtlich betätigen. Was die Politik angeht, so sind wir durch die Deutsche Islam Konferenz und die Integrationsbemühungen der Länder beim deutschsprachigen Religionsunterricht auf einem guten Weg. Das ist auch ein Stück Normalisierung.

KNA: Allerdings weicht man dabei von den «normalen» Vorgaben des Staatskirchenrechts ab.

Friedrich: Weil Muslime sich auf Landesebene bislang nicht als Religionsgemeinschaft organisiert haben, wie es die Verfassung für den Religionsunterricht vorsieht. Deshalb sind die Länder mit Runden Tischen oder Beiräten zunächst zu Übergangsformen gekommen. Wir werden sehen, wie sich dies in der Praxis bewährt. Entscheidend ist, dass Muslime in unseren Schulen einen islamischen Religionsunterricht in deutscher Sprache unter staatlicher Aufsicht angeboten bekommen.

KNA: Die Muslimverbände beklagen, dass die Beziehung zum Islam spätestens seit dem 11. September von Sicherheitsfragen überlagert wird. Können Sie die Kritik nachvollziehen?

Friedrich: Natürlich ist es für sie schwierig, wenn sich Gewalttäter auf die Religion beziehen und sie in Misskredit bringen. Die deutsche Bevölkerung sieht aber den Islam meines Achtens nicht einseitig unter einem Sicherheitsvorbehalt. Die Beziehung zu den Muslimen in Deutschland steht auf einer viel breiteren Basis, als dies möglicherweise durch die Medien zum Ausdruck kommt.

(C) 2011 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

Foto: Mit einer Delegation der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag am 12.01.2011 im Vatikan, © www.hans-peter-friedrich.de



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