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Eine traurige Liste

4. Jänner 2012 in Weltkirche, 7 Lesermeinungen
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100 Millionen verfolgte Christen laut neuem Weltverfolgungsindex - In der Politik sind es vor allem Volker Kauder, Hermann Gröhe und Erika Steinbach, die auf die Situation der Christen hinweisen - Von Christoph Arens (KNA)


Bonn (kath.net/KNA) 200 Tote bei Anschlägen auf Kirchen in Nigeria an Weihnachten. Eskalation der Gewalt in Ägypten Mitte Oktober: Bei einer Demonstration von koptischen Christen in Kairo gibt es mehr als 30 Tote.

Von Irak bis Indien und von Saudi-Arabien bis zu den Malediven: In vielen Ländern sind Katholiken, Protestanten sowie andere christliche Gruppierungen auch im vergangenen Jahr Opfer von Gewalt und Ausgrenzung geworden.

Auf mehr als rund 100 Millionen schätzt die überkonfessionelle Hilfsorganisation «open doors» die Zahl der Christen, die weltweit aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden. Christen seien damit die größte Gruppe aller aus religiösen Gründen Verfolgten, heißt es in dem am Mittwoch in Kelkheim veröffentlichten «Weltverfolgungsindex 2012».

An der Spitze der traurigen Rangliste hält sich wie schon in den vergangenen neun Jahren Nordkorea. 70.000 Christen seien in Arbeitslagern eingesperrt, heißt es. Auch nach dem Tod des Diktators Kim Jong Il geht das Hilfswerk nicht davon aus, dass sich für die rund 400.000 Christen im abgeschotteten Land schnell etwas ändern wird.


Die übrigen neun Staaten unter den Top Ten sind muslimisch geprägt - von den 50 Ländern der Rangliste gilt das für 38. «Ob in Asien, der arabischen Welt oder in Afrika: Die Situation für Christen hat sich zunehmend dort verschlechtert, wo auch der islamische Extremismus zugenommen hat», so der Bericht.

Afghanistan löste im neuen Index den Iran auf dem zweiten Platz ab. Saudi Arabien rückte vor Somalia auf den dritten Platz vor. Den «arabischen Frühling» in Nordafrika sieht die Organisation ebenso skeptisch wie kürzlich das katholische Hilfswerk «Kirche in Not». Christen drohten wegen der Wahlsiege islamischer Gruppierungen zu Verlierern der Revolutionen zu werden.

Über Jahre war die Situation von Christen weltweit kein Thema für die Öffentlichkeit. Christen als Opfer? Das vertrug sich nicht mit dem vorherrschenden Bild, nach dem das Christentum historisch im Bund mit der Macht war und Mitverantwortung für Inquisition, Diskriminierung der Juden oder den Kolonialismus trägt.

Das hat sich - spätestens seit dem 11. September 2001, dem Irak-Krieg und den Spannungen zwischen der islamischen und der westlichen Welt - gründlich geändert: Auch im säkularisierten Westen wuchs das Bewusstsein für die gesellschaftliche Bedeutung von Religion. Die Globalisierung trägt ebenfalls zum Umdenken bei: Es geht um Identität, also um die Frage, wie Menschen in einer immer pluraleren Welt religiös und geistig ihren Platz finden.

Kein Wunder, dass die deutsche Öffentlichkeit die Situation von Christen weltweit sensibler zur Kenntnis nimmt. In der Politik sind es vor allem die CDU-Abgeordneten Volker Kauder, Hermann Gröhe und Erika Steinbach, die immer wieder auf die Verschlechterung der Situation der Christen in der islamischen Welt hinweisen.

Auch die Kirchen reagierten: 2002 führte die katholische Bischofskonferenz unter dem Motto «Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen» am 26. Dezember, dem Gedenktag des ersten christlichen Märtyrers Stephanus, einen jährlichen Gedenktag für verfolgte Christen ein. Am 28. Februar 2010 beging die Evangelische Kirche erstmals einen solchen Gebetstag.

Kritiker warnen gleichwohl vor einem neuen Lagerdenken im Sinn von Samuel Huntington: In seinem 1993 veröffentlichten Buch vom «Kampf der Kulturen» zeichnete er einen neuen Großkonflikt nach dem Ende des Kalten Krieges. An die Stelle des Gegensatzes von kommunistischer und kapitalistischer Welt tritt darin die Konkurrenz verschiedener Kulturkreise - und eine der schärfsten Bruchlinien liegt zwischen islamischer und westlich-christlicher Kultur.

Gegen ein solches Bild gibt es Einwände: In vielen Ländern sind es nur kleine radikale Gruppen, die die Christen bedrohen. Vielfach stecken hinter den religiös aufgeladenen Auseinandersetzungen in Wirklichkeit soziale Konflikte. Und in Ländern wie Irak und Afghanistan sind mehr Muslime durch den Terror von Muslimen gestorben als Christen.

Open Doors

(C) 2012 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.



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