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Thema Nr. 1 ist Gott

4. Februar 2013 in Spirituelles, 2 Lesermeinungen
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„Nicht eine theologische Einzelfrage hat die Kirche zerrissen, sondern die Verschiebung der Gottes- und Nächstenliebe aus dem Zentrum des christlichen Lebens.“ Ein Klartext von Weihbischof Andreas Laun.


Salzburg (www.kath.net)
Franz von Sales war, man weiß es, ein großer und einflussreicher Heiliger. Seine geistliche Weisheit wurde von vielen Gemeinschaften übernommen. Auch er lebte, wie wir heute, in der Zeit einer Kirchenkrise, es waren die Jahre nach dem großen, schmerzhaften folgenreichen Bruch durch die sogenannte Reformation. Wie heute wurden auch damals Versöhnungs-Gespräche organisiert, die nicht selten in Streitgesprächen ausarteten und den Bruch eher vertieften statt ihn zu heilen.

Franz von Sales meinte dazu: Wenn schon, dann sollte man weniger gelehrte als vielmehr freundliche Männer entsenden, denn sonst komme es leicht zu neuen Verhärtungen statt dass daraus Frieden entstünde. Was trug er selbst bei in Richtung Einheit der Christen? Zu nennen ist ein Vorschlag, der im Wesentlichen dem ähnlich ist, was erst vor kurzem Papst Benedikt XVI. für jene Anglikaner tat, die katholisch werden wollten: Franz von Sales meinte nämlich, man sollte den Protestanten alles, was nicht wesentlich ist, auch die finanziellen Mitteln, lassen, wenn sie nur wieder den Glauben der Kirche annehmen wollten!


Aber wichtiger ist etwas Anderes: Franz von Sales schrieb neben vielen Briefen und kleineren Traktaten zwei Bücher: Das Eine war ein großes, auch wissenschaftlich gut belegtes Buch über die Gottesliebe, das Andere seine berühmte „Philothea“, die „Anleitung zum frommen Leben“, in dem er dem Leser erklärt, was Christsein im Leben jedes Menschen, welchen Standes und Berufes er auch sein mochte, bedeutet.

Man kann auch sagen: Es war eine Anlegung zur Gottes- und Nächstenliebe für den Alltag! Ein großes Werk zu einem der Reizthemen seiner Zeit hat er nicht hinterlassen. Wahr ist, dass seine Abhandlung über die Gottesliebe nicht ein Buch für jedermann ist, insofern es nicht leicht zu lesen ist. Aber es ist bemerkenswert und erstaunlich: Der viel beschäftige Bischof fand und nahm sich die Zeit, dieses Werk zu schreiben! Man darf dieses sein Verhalten wohl auch so deuten: Auf die Not seiner Zeit wollte er vor allem antworten mit der Verkündigung der Liebe Gottes zum Menschen und der Liebe des Menschen zu Gott!

Diese „Predigt“ war ihm die große Mühe des Schreibens wert, auch wenn die damit erreichte Zielgruppe keine große sein würde! Sein zweites Buch entstand aus Briefen und verdankt seinen großen Erfolg einerseits der Not jener, die Christen sein wollten, aber nicht mehr so recht wussten, wie das geht und was das konkret heißt. Andererseits: Seine Lebensnähe und Anschaulichkeit machten es gut lesbar und damit zugänglich für jeden Christen guten Willens. Man weiß, dass es auch in protestantischen Kreisen gelesen wurde.

Der Rede kurzer Sinn: Mit diesen seinen beiden Werken hat FvS den Finger auf die Wunden der Kirche in seiner Zeit gelegt: Nicht eine theologische Einzelfrage hat die Kirche zerrissen, sondern die Verschiebung der Gottes- und Nächstenliebe aus dem Zentrum des christlichen Lebens, vielleicht in die Randzone des: „Das ist ja klar, darüber brauchen wir nicht zu reden!“ So hat FvS die Spaltung zwar auch nur im kleinen Kreis überwinden können, aber er hat bleibend gültig für Kirchenkrisen die Richtung gezeigt, in die man „umkehren“ muss!

Natürlich, auch die bekannten „Reizthemen“ darf man weder verdrängen noch sie unbeantwortet lassen. Aber derjenige, der sein „Leiden an der Kirche“ vorschnell auf diese Fragen und die ihm fehlenden Antworten zurückführt, sollte sich zuerst fragen, wie es um seine Gottesliebe bestellt ist und seine christliche Lebenspraxis. Und umgekehrt sollten die Hirten der Kirche wissen: Unser „Thema Nr. 1“ ist Gott und die Beziehung der Menschen zu Gott, nicht irgendwelche Strukturfragen.

Den Gott Jesu Christi zu verkünden und den Menschen zu helfen, ihre Beziehung zu ihm zu erneuern, dazu gibt es die Kirche, dazu sind wir, Seine unwürdigen Diener da, darin besteht die Neuevangelisierung!


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