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Als sich Bergoglio ins Haus von Diktator Videla schmuggelte

16. März 2013 in Kommentar, keine Lesermeinung
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Späterer Papst Franziskus setzte sich für Diktatur-Verfolgte ein - Von Ludwig Ring-Eifel (KNA)


Rom (kath.net/KNA) Während in deutschen Medien derzeit eine «schwarze Legende» gegen den neu gewählten Papst Franziskus gestrickt wird, finden sich in den Medien seiner Heimat neue Details über die wahre Rolle des damaligen Jesuitenprovinzials Jorge Mario Bergoglio in der argentinischen Militärdiktatur (1976-1983). So veröffentlichte die Zeitschrift «perfil» (Profil) unmittelbar nach der Papstwahl auf ihrer Internetseite ein aufschlussreiches Interview, das sie bereits 2010 mit dem damaligen Kardinal geführt hatte.

Darin schildert Bergoglio, wie er sich mit einem Trick Zugang zum Haushalt des damaligen Militärdiktators General Jorge Videla (87) verschaffte, um sich bei ihm für Geistliche einzusetzen, die von Militärs verschleppt und inhaftiert worden waren. Damals kontaktierte der Jesuitenprovinzial Bergoglio den Militärgeistlichen, der in der Residenz Vidals regelmäßig die Messe hielt.

Sie verabredeten, dass der Geistliche eine plötzliche Erkrankung vortäuschen und Bergoglio als Aushilfspfarrer für die Messe im Haus des Generals vorschlagen solle. Der Plan funktionierte, und der Jesuit feierte mit der gesamten Familie Vidal die Messe. Anschließend bat er den General um ein Vier-Augen-Gespräch, das er nutzte, um sich für verhaftete Geistliche einzusetzen.


Dieser und andere Kontakte zu Vidal sowie zu Admiral Emilio Massera wurden Bergoglio von Journalisten, die 30 Jahre später über die Ereignisse recherchierten, als eine zu große Nähe zu den Machthabern ausgelegt. Bergoglio hat sein Verhalten und seine Motive in der Zeit des Unrechtsregimes öffentlich dargestellt und begründet. Mindestens zweimal hat er bei Gerichtsprozessen als Zeuge in dieser Sache ausgesagt, und in dem «perfil»-Interview hat er weitere Details geschildert. Trotzdem wurde sein Ruf beschädigt - und 2005 trugen die damals noch nicht widerlegten Vorwürfe dazu bei, dass Bergoglio beim Konklave nicht Papst wurde.

Die Polemik gegen den Kardinal erhielt seinerzeit Nahrung durch die Behauptung des Journalisten Horacio Verbitsky, Bergoglio habe 1976 die beiden Jesuitenpatres Francisco Jalics und Orlando Yorio nicht vor der Verfolgung durch die Militärs geschützt. Bergoglio erwiderte, er habe die beiden gewarnt und sie gedrängt, sich im Provinzialat in Sicherheit zu bringen. Die beiden hätten aber nicht gehorcht und sich für den Weg offenen Widerstands entschieden - auf die Gefahr hin, verhaftet zu werden. Als dies geschah, setzte er sich dennoch für sie ein. Beide wurden nach einigen Monaten freigelassen. Einer der beiden verstarb zwischenzeitlich; mit dem anderen fand eine förmliche Aussöhnung statt.

Bergoglio verhielt sich in seiner Lage ähnlich wie einige Obere der evangelischen Kirche in der DDR, die den radikalen Weg einiger Pfarrer gegen das SED-Regime zwar für unklug hielten, ihnen dann aber zu helfen versuchten, als die Staatsmacht gegen sie vorging. Anders als bei der Aufarbeitung des DDR-Unrechts stehen jedoch in Argentinien zur Aufklärung von Vorwürfen keine historischen Archive zur Verfügung. So steht in vielen Fällen Aussage gegen Aussage.

Es ist eine Tatsache, dass viele katholische Bischöfe in Argentinien damals mit den Militärs sympathisierten und zu den Menschenrechtsverletzungen schwiegen. Nur wenige von ihnen setzten sich für Verfolgte ein. Der damalige Jesuitenobere Bergoglio bildete, wie auch der argentinische Friedensnobelpreisträger und Menschenrechtsaktivist Adolfo Perez Esquivel (81) in diesen Tagen betonte, eine rühmliche Ausnahme.

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Foto: Jorge Mario Bergoglio in jüngeren Jahren


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