Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Antwerpens Bischof Bonny droht jetzt dem Papst
  2. Vatikan genehmigte 2025 in 34 Diözesen die Feier der Alten Messe in Pfarrkirchen
  3. Ist der Islam ‚eine alternative Form des byzantinischen Christentums‘?
  4. Zehn Jahre ‚Amoris laetitia‘ – Die Kunst, eine Lehre zu ändern, ohne sie zu ändern
  5. Tschechischer Bischof Holub meint: Neuer Ritus ist 'wesentlich' für Synodalität
  6. Papst verkündet neuen Friedensappell der Weltreligionen in Assisi
  7. 25 Jahre KATH.NET: Kardinal Müller wird Schirmherr, Peter Seewald journalistischer Berater!
  8. ‚Der Segen für Marie-Garance war auch ein Segen für ihre biologischen Eltern‘
  9. Bischöfe beauftragen Familien als Missionare
  10. US-Diözese führt Rosenkranzwochenende ein
  11. Papst versetzt umstrittenen Kurienkardinal Gambetti vom Petersdom in die Provinz
  12. „Meine Lieben! Darum soll der Rosenkranz nicht vergessen auf dem Boden einer Schublade liegen“
  13. Zehn Jahre Amoris laetitia: die Schule des Zuhörens
  14. Vatikan bestätigt Sexualverbrechen des toten Ordensgründers Buela
  15. Das Houellebecq-Szenario: Wenn die politische „Mitte“ die Ränder großfüttert

«Medien müssen über Missstände berichten»

28. März 2014 in Interview, 9 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Medienbischof Fürst plädiert für Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Von Michael Jacquemain (KNA)


Stuttgart (kath.net/KNA) Am 2. April 1964, also am Mittwoch vor 50 Jahren, veröffentlichte Papst Paul VI. ein Schreiben, mit dem er die «Päpstliche Kommission für die Instrumente der soziale Kommunikation» in neuer Form ins Leben rief. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Freitag in Stuttgart äußert sich der Medienbischof der Deutschen Bischofskonferenz, Gebhard Fürst (Foto), zu der Entstehung des Papiers und zum heutigen Verhältnis zwischen Kirche und Medien.

KNA: Herr Bischof Fürst, was war aus ihrer Sicht der Impuls des Papstes, vor 50 Jahren das Motu proprio «In fructibus» zu veröffentlichen?

Fürst: Für Papst Paul VI. war das Thema Medien offenkundig sehr wichtig. Ein paar Monate vorher, im Dezember 1963, gehörte das Medien-Dekret zu den beiden ersten Erklärungen, die das Zweite Vatikanische Konzil verabschiedet hatte. Zwar gab es seit 1948 eine römische Filmkommission, doch mit dem Konzil und dem Programm des Aggiornamento galt es, sich intensiver mit den Medien und dem Dialog zwischen Kirche und Welt zu beschäftigen: mit Zeitungen, Radio, Fernsehen. Entsprechend wurde die Arbeit der Kommission erweitert und aufgewertet.

KNA: «In fructibus» bezeichnet es als eine Hauptaufgabe, den Bischöfen beim Umgang mit den Medien zu helfen. Ist an diesem Punkt tatsächlich genug geschehen? Wer Bischof wird, steht plötzlich auch im medialen Rampenlicht - ist darauf oft aber nur schlecht vorbereitet.

Fürst: Es ging nicht darum, Bischöfe im medialen Rampenlicht zu unterstützen, sondern um Hilfen für die kirchliche Medienarbeit. Als Grundlagenpapier dafür entstand dann 1971 die Instruktion «Communio et progressio»: Angesprochen wird dabei nicht nur die Verantwortung von Bischöfen und Priestern, sondern auch die Verantwortung der Medienschaffenden und die der Konsumenten, also der Leser, der Hörer und der Zuschauer. Dies entspricht dem Geist des Konzils.


Was die Frage angeht, wie Bischöfe heute mit Medien umgehen, so gibt es schon lange entsprechende Angebote. Beispielsweise bietet die Katholische Fernseharbeit seit Jahren ein TV-Training für Bischöfe und andere leitende Personen im kirchlichen Umfeld an.

KNA: Wirklich entspannt ist das Verhältnis zwischen Kirche und Medien bis heute nicht. Kann dies mit einer falschen Vorstellung zu tun haben, Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen als Mittel der Glaubensverkündigung fehlzuinterpretieren?

Fürst: Ich kenne niemand in der Bischofskonferenz, der dem Missverständnis erliegt, säkulare Medien seien Mittel der Glaubensverkündigung. Aber sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Wertevermittlung. Das Anliegen der Kirche heißt grundsätzlich gelungene Kommunikation. Die zentralen Fragen sind: Wie menschendienlich sind die Medien? Ermöglichen sie authentische Kommunikation, bringen sie die Menschen einander tatsächlich näher? Das gilt für die Gemeinschaft der Christen untereinander ebenso wie für alle Menschen guten Willens.

KNA: Wer die Debatte um die Limburger Vorgänge sieht, hört ab und an, dass die Schuld bei den Medien liege. Zeigt nicht gerade dieses Beispiel, wie katastrophal sich fehlende, mangelhafte und falsche Kommunikation auswirkt?

Fürst: Entscheidende Vorgänge im Bistum Limburg haben ganz sicher nicht die Medien zu verantworten. Es ist eine andere Frage, wie manches kommuniziert wurde. Offenheit, Wahrheit und Wahrhaftigkeit sind bei Kirchen- und Medienvertretern notwendig. Es steht völlig außer Zweifel, dass Zeitungen, Radio und Fernsehen über Missstände und Krisen berichten müssen. Ich halte es aber für problematisch, wenn dabei eine Skandalisierungsstrategie betrieben wird. Dann geht es oft nicht mehr um die legitime Wahrheitsfindung, sondern um die Beschädigung von Personen und Institutionen.

Für schwierig halte ich auch die zunehmende Beschleunigung der Medienwelt - immer öfter sind schnelle Urteile gefragt. Abschließende Urteile können aber erst gefällt werden, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen. Und das kann auch schon mal dauern. Umso klarer ist dann das Ergebnis, wie der Abschlussbericht in Limburg zeigt.

KNA: Muss die Kirche ihr Verhältnis zu den Medien zu entspannen versuchen?

Fürst: Grundsätzlich ist das Verhältnis ja nicht von Spannungen geprägt. Im Fall Limburg und in Fragen der Kirchenfinanzierung steht die Kirche im Kreuzfeuer, und gleichzeitig wird Papst Franziskus bejubelt. Die Berichterstattung über kirchliche Großereignisse und Initiativen ist oft umfangreich und wohlwollend.

Aber wir müssen uns besser und grundsätzlich auf mögliche Krisensituationen vorbereiten. Zu oft werden wir von einer negativen Berichterstattung überrumpelt. Bei hektischen Abwehrreaktionen passieren dann Fehler. Wir müssen kritische Nachfragen als berechtigt ansehen, aber gleichzeitig deutlich machen, dass nicht immer und zu allem sofort eine verantwortbare Stellungnahme möglich ist.

KNA: So richtig klar ist öffentlich bis heute nicht, wie die katholische Kirche zu Facebook, Twitter und Co steht...

Fürst: ... obwohl sich gerade der Päpstliche Medienrat in den vergangenen Jahren intensiver denn je mit den neuen Social Media befasst. Rom sieht sie als Chance für eine menschenfreundliche und dialogische Kommunikation. Und Franziskus hat das Internet unlängst als «Geschenk Gottes» bezeichnet. Er sagt: «In dieser Welt können die Medien dazu verhelfen, dass wir uns einander näher fühlen, dass wir ein neues Gefühl für die Einheit der Menschenfamilie entwickeln, das uns zur Solidarität und zum ernsthaften Einsatz für ein würdigeres Leben drängt.» Das stimmt. Wir erleben aber auch als Folge der NSA-Affäre eine «Kränkung der Menschheit», wie es der Blogger Sascha Lobo formuliert. Was müssen wir also ändern, damit in geschützten Räumen eine humane Kommunikation möglich ist? Weil wir als Kirche der kritischen Zeitgenossenschaft verpflichtet sind, müssen wir umfassend die Medienkompetenz fördern und die Medienpädagogik stärken. Auch hier gilt: Der Glaube wird nicht durch Dekrete erzeugt, sondern durch die konkrete Tat.

(C) 2014 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


Foto (c) Diözese Rottenburg-Stuttgart


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Medien

  1. YouTube-Star "MrWissen2go" räumt Fehler bei Corona-Berichterstattung ein
  2. CSU-Generalsekretär Huber kritisiert den "Bayrischen Rundfunk" wegen Bericht über muslimische Mode
  3. Belgischer öffentlich-rechtlicher Sender lässt Moderatoren Marien- und Jesus-Statuen zertrümmern!
  4. Nach einseitig negativer Darstellung des Christentums – Programmbeschwerde an ZDF
  5. Welt: „Vorwurf der sexuellen Belästigung – ORF-Chef tritt mit sofortiger Wirkung zurück“
  6. Früherer Bundestagsvizepräsident Kubicki: „Der ZDF-Skandal muss politische Konsequenzen haben“
  7. Wenn das 'Drehbuch' schon vorher feststeht
  8. Gebetshaus Augsburg reagiert mit Stellungnahme auf ARD-Doku „Die hippen Missionare“
  9. Kardinal Müller: „Von Anfang an ist Radio Maryja zu einer Stimme in dieser modernen Wüste geworden“
  10. „Ich wünsche mir gebildete Laien!“ – Newman hätte Martin Lohmann als Beispiel genommen







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Papst versetzt umstrittenen Kurienkardinal Gambetti vom Petersdom in die Provinz
  3. US-Diözese führt Rosenkranzwochenende ein
  4. Das Houellebecq-Szenario: Wenn die politische „Mitte“ die Ränder großfüttert
  5. Vatikan bestätigt Sexualverbrechen des toten Ordensgründers Buela
  6. Vatikan genehmigte 2025 in 34 Diözesen die Feier der Alten Messe in Pfarrkirchen
  7. ‚Der Segen für Marie-Garance war auch ein Segen für ihre biologischen Eltern‘
  8. Warum der Todestag des Franz von Assisi nicht sein Gedenktag ist
  9. Wo der Mensch nicht berechenbar ist
  10. Wenn das Nein nicht mehr zählt
  11. USA: Frauen klagen Planned Parenthood wegen Druck in Richtung Abtreibung
  12. Ist der Islam ‚eine alternative Form des byzantinischen Christentums‘?
  13. Erschütterndes Historiendrama: Netflix-Serie „Fauda“ verarbeitet den Terror des 7. Oktober
  14. Muslimische Organisation: ‚In 45 Jahren wird Frankreich wieder katholisch‘
  15. Studium zwischen Verstand, Erinnerung und Glauben. Das Herz der Wahrheit

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz