Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. So nicht, Mr. Präsident!
  2. Vorstoß im Bundestag: AfD fordert Ende der Staatsleistungen für Kirchen
  3. Wenn der Funktionär den Bischof ersetzt
  4. Wer dir beim letzten Atemzug beisteht
  5. BILD spricht von Kurswechsel in Berlin: Papst Leo XIV. schickt „Dompteur“ für deutsche Bischöfe
  6. "Man hätte also Hitler gewähren lassen sollen?" - Trump-Leo-Streit eskaliert
  7. US-Vizepräsident JD Vance legt Papst Leo XIV. nahe, sich aus der US-Politik herauszuhalten
  8. Kard. Müller: „Niemand hat das Recht den Papst zu kritisieren, wenn er treu seinem Auftrag folgt“
  9. Phil Lawler: Die Kontroverse zwischen Trump und Papst Leo ging von Washington aus
  10. Italien: Seligsprechungsverfahren für Teenager eröffnet
  11. Burke: Ein anhaltender Clash zwischen Papst Leo und Trump? „Das ist übertrieben“
  12. Schwedischer Kirchenhistoriker: Viele junge Menschen wollen katholisch werden, besonders Männer
  13. Setzt euer Vertrauen nicht in Prinzen!
  14. Trump gegen Papst Leo: Wenn Weltpolitik auf das „Heilige“ trifft
  15. Marsch für das Leben München – Unterstützung von Bischof Barron, Schweigen von Marx und Wilmer

«Wir haben fraglos in unserer Kommunikation Nachholbedarf»

30. Oktober 2014 in Interview, 12 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Deutschlands jüngster Bischof Stefan Oster zieht erste Bilanz – „Ich sehe noch keine Lehrentwicklung in die Richtung, wie sie wohl die meisten Medien gern hätten.“ Von Christoph Renzikowski (KNA)


Passau (kath.net/KNA) Vor fünf Monaten wurde Stefan Oster (49) in Passau zum jüngsten deutschen Diözesanbischof geweiht. Im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) zieht der Bischof eine erste Bilanz und erläutert, warum er in Kürze eine WG gründen will.

KNA: Herr Bischof, fühlen Sie sich noch als Lehrling?

Oster: Ja, natürlich (lacht). Ich lerne die Diözese und meine Aufgaben immer noch kennen. Aber ich spüre zugleich, dass ich langsam reinwachse und sich immer öfter das Gefühl einstellt: Ich bin angekommen.

KNA: Was war die schwierigste Lektion in den letzten Wochen?

Oster: Das Hineinwachsen in einen Apparat. Als Ordensmann und Jugendseelsorger haben mich solche Organisationsstrukturen ehrlich gesagt wenig interessiert. Jetzt habe ich 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bistum und muss ein Ordinariat mit 300 Beschäftigten führen. Das ist gar nicht so einfach, etwa bei Personalentscheidungen, die nur ich treffen kann und muss.

KNA: Sie haben gesagt, auch als Bischof wollen Sie nicht allein leben. Haben Sie schon eine Wohngemeinschaft gegründet?

Oster: Ich bin dabei. Ich werde noch vor Weihnachten aus meinem Provisorium im Priesterseminar umziehen, wenn die Wohnung fertig ist. Drei Menschen habe ich im Auge, die auch schon weitgehend zugesagt haben. Jeder wird seinen eigenen Bereich haben mit eigener Nasszelle und so. Daneben gibt es Räume, die wir gemeinsam nutzen wollen, zum Essen, Reden und Beten.


KNA: Also weniger Studenten-WG als vita communis?

Oster: Einige sagen, der Bischof habe eine geistliche Gemeinschaft gegründet. Das ist zu hoch gegriffen. Zwei Personen suchen in einer Übergangsphase ihres Lebens Orientierung. Die kommen jetzt vielleicht ein Jahr zu mir. Das hat keinen so strengen, verbindlichen Charakter. Aber wir wollen Teile unseres Lebens miteinander verbringen, gerade auch geistlich. Es freut mich, dass Menschen Interesse haben, meinen Dienst betend zu begleiten.

KNA: Sind das alles alte Bekannte von Ihrem früheren Wirkungsort?

Oster: Wahrscheinlich kommt eine Ordensschwester neu dazu. Die anderen beiden stammen aus meinem früheren Umfeld. Es ist gut, dass sie mich aus einer Zeit kennen, bevor ich Bischof wurde. Für das Bistum ist das ja nicht ganz ohne, mit wem sich der Bischof umgibt. Insofern bin ich ganz froh, dass es Leute von außen sind.

KNA: Sie führen intensive theologische Debatten auf Facebook. (Oster lacht) Welche Resonanz erfahren Sie?

Oster: Ganz unterschiedlich. Je nach Dichte, Qualität und Thema. Eines Abends kam ich heim, da lag vor meiner Tür ein lokales Anzeigenblatt mit der Überschrift: Bischof diskutiert über Porno, Sex und Aids. Sowas greifen die Medien natürlich auf, manches gar nicht. So genau kriege ich gar nicht immer mit, wer das alles liest und wie sich das verbreitet. Auf einige Texte wurde schon zehntausend Mal zugegriffen. Dafür muss ich schon oft predigen, bis ich so viele Leute erreiche.

KNA: Melden sich da nur Fans oder gibt es auch Kontroversen?

Oster: Ich habe am Anfang die Debatte gesucht. Jetzt stelle ich mal einen Text ins Netz, ohne dass ich mich an weiteren Auseinandersetzungen beteiligen kann. Dafür fehlt mir leider die Zeit. Kommentare lasse ich aber alle zu, auch die kritischen, so lange sie nicht unter der Gürtellinie sind.

KNA: Sie sind gelernter Journalist. Hat die katholische Kirche derzeit die Presse, die ihr gebührt?

Oster: Einerseits ja. Wir haben fraglos in unserer Kommunikation Nachholbedarf. Wir machen es aber andererseits auch nicht nur schlecht, das darf man sich nicht einreden lassen. Und wundern tu ich mich bisweilen über die mediale Schwerpunktsetzung. Bisweilen hat man den Eindruck, etwa der Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene oder auch der priesterliche Zölibat seien Dinge, die mindestens die Hälfte der Kirchenbesucher unmittelbar beträfen. Das scheint mir dann schon ein Missverhältnis in der Berichterstattung zu sein, womit ich freilich nicht sagen will, dass man die Dinge nicht diskutieren soll.

KNA: Vor der Bischofssynode in Rom haben Sie sich relativ stark festgelegt mit Aussagen wie: Es werde keine Revolution geben. Nun scheint es in manchen Fragen doch Bewegung zu geben. Sehen Sie sich inzwischen in einer Minderheitenposition?

Oster: Ich bin nicht überrascht vom Verlauf der Synode. Man muss offen sein für Wege, die der Heilige Geist der Kirche zeigt. Hätten Sie mich vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil gefragt, weiß ich nicht, ob ich etwa beim Thema Religionsfreiheit so weit gegangen wäre wie es das Konzil nachher tat. Allerdings denke ich immer noch, dass sich in den strittigen Punkten der Synode, etwa über den Umgang mit Menschen mit homosexuellen Neigungen oder über die Frage einer generellen Zulassung Wiederverheirateter zur Kommunion, keine wesentlichen Änderungen ergeben werden. Der offene Dialog ist erfreulich, aber ich sehe noch keine Lehrentwicklung in die Richtung, wie sie wohl die meisten Medien gern hätten.

Passauer Bischof Stefan Oster: Predigt bei der Einweihung des neuen Noviziates der Legionäre Christi in Neuötting-Alzgern


Bischof Oster/Willibaldswoche: Lebe ich gerne in der Kirche, weil ich glaube, sie ist ein Ort, indem ich Christus begegnen kann?


(C) 2014 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
Foto (c) kath.net/Michael Schäfer



Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Oster

  1. Wenn das 'Drehbuch' schon vorher feststeht
  2. Bischof Oster verteidigt Benedikt XVI.
  3. ZDF: „Am Feiertag #Fronleichnam gedenken viele ihrer Toten“
  4. Bischof Oster skeptisch zu synodalen Veränderungswünschen
  5. Bischof Oster: Zölibat lässt sich nur aus dem Glauben heraus verstehen
  6. Teilnahme an Klimademo: Kritik aus der CSU an Bischof Oster
  7. Passauer Bischof warnt vor Kirchenspaltung
  8. Bischof Oster: „Gefahr einer Spaltung würde größer werden“
  9. Bischof Oster: Lehramtliche Fragen trotzdem noch mit Rom besprechen
  10. Bischof Oster unterstützt Papst Franziskus







Top-15

meist-gelesen

  1. Wer dir beim letzten Atemzug beisteht
  2. So nicht, Mr. Präsident!
  3. Kard. Müller: „Niemand hat das Recht den Papst zu kritisieren, wenn er treu seinem Auftrag folgt“
  4. BILD spricht von Kurswechsel in Berlin: Papst Leo XIV. schickt „Dompteur“ für deutsche Bischöfe
  5. "Man hätte also Hitler gewähren lassen sollen?" - Trump-Leo-Streit eskaliert
  6. Wenn der Funktionär den Bischof ersetzt
  7. US-Vizepräsident JD Vance legt Papst Leo XIV. nahe, sich aus der US-Politik herauszuhalten
  8. Bischof: „Bin durch diese Äußerungen von Staatsanwälten und Richtern verletzt. Das ist Hassrede“
  9. Sängerin Nina Hagen bereut ihre Abtreibungen
  10. "Derselbe Polarstern"
  11. Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen christlichen YouTuber
  12. Der unerklärte Formatwechsel beim Konsistorium der Kardinäle im Januar
  13. Phil Lawler: Die Kontroverse zwischen Trump und Papst Leo ging von Washington aus
  14. Vorstoß im Bundestag: AfD fordert Ende der Staatsleistungen für Kirchen
  15. Papst Leo gegen Präsident Trump – Was steckt dahinter?

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz