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Völkermord an assyrischen Christen: Vergessen doch weiter andauernd

6. Mai 2015 in Chronik, 2 Lesermeinungen
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Warum schaut der Westen diesem Treiben im Grunde immer noch tatenlos zu? Ist es die immer mehr auch bei uns sich ausbreitende, schleichende Feindschaft gegen das Christentum? Von Michael Schneider-Flagmeyer


Saarlouis (kath.net/Blog Forum Deutscher Katholiken) Wir gedenken in unseren Tagen ausführlich des Völkermordes an den Armeniern und endlich rafft man sich auch in Europa auf, Tatsachen anzuerkennen und zu benennen. Vergessen hat man dabei einen zweiten Völkermord, nämlich den an den Assyrern, der zur gleichen Zeit geschah.

Was ist der Grund dafür? Die Assyrer sind ein relativ kleines Volk, deren ursprüngliche Heimat im Herzen Mesopotamiens lag und die auf das Neuassyrische Reich 1000-614 vor Chr. zurückgehen.

Im Laufe der Geschichte mussten sie viele Verfolgungen und Vertreibungen erdulden. Die Ausbreitung des Islam im 7./8. Jahrhundert sowie der Mongolensturm im 13 . Jahrhundert vertrieben die Assyrer endgültig aus ihrer angestammten Heimat. In den letzten Jahrhunderten lebten sie vor allem in Syrien, dem Irak, im Iran, in der Türkei und in anderen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens. Die Assyrer wurden noch zur Zeit der Apostel Christen, aber ihre Kirche zersplitterte sich durch das Auseinanderreißen des Volkes in vier Kirchen, von denen die bedeutendste die „Assyrische Kirche des Ostens“ ist, deren Patriarchat in der Nähe von Chicago liegt, denn die ca. 2,8 Millionen heute noch lebenden Assyrer sind über die ganze Welt verstreut.

Zur Zeit des Völkermordes an den Armeniern wurden ca. 60 Prozent der assyrischen Christen ebenfalls ermordet. Das ist heute nahezu vergessen und muss dringend ins Gedächtnis der vor allem westlichen Völker gelangen, die heute ziemlich tatenlos dem schrecklichen Morden durch den IS und andere Islamisten zuschauen und dabei immer noch nicht die Gefahr erkennen, die sich daraus auch für Europa ergibt. Erst gerade hat Leonardo Kardinal Sandri, der Präfekt der Kongregation für die orientalischen Christen der internationale Gemeinschaft Verrat an den orientalischen Christen vorgeworfen. kath.net hat berichtet.


Am Fluss Khabour im Nordosten Syrien gründeten in den 30er Jahren eine große Schar von ca. 50.000 Assyrer 35 blühende Dörfer, mussten aber immer wieder Schikanen und Verfolgung durch die islamischen Behörden hinnehmen. So wurde der Khabour umgeleitet, um die Assyrer von der unmittelbaren Wasserversorgung aus ihm abzuschneiden bzw. zumindest sehr zu erschweren. Bis vor einigen Monaten lebten noch ca. 1000 Menschen in diesen Dörfern, bis die Mörderbanden des IS auch dort ankamen und schrecklich unter den assyrischen Christen wüteten.

Die neuesten Meldungen berichten, dass der finanziell inzwischen unter Bedrängnis geratene IS dem Bischof von Hassake, einer der zwei Großstädte im Nordosten Syriens, wohin sich viele der Khabour-Christen geflüchtet hatten, zu erpressen versucht, für jeden dort noch lebenden Assyrer 100.000 Euro zu bezahlen. Das wären ca. 23 Millionen.

Warum schaut der Westen diesem Treiben im Grunde immer noch tatenlos zu? Ist es die immer mehr auch bei uns sich ausbreitende, schleichende Feindschaft gegen das Christentum?

Das Leid der Assyrer schreit laut zum Himmel! Aber um auch einem Teil der Politik Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, muss man gerade aus dem Saarland Positives berichten.

Ein großer Teil der Assyrer lebt heute in Deutschland. Da diese Menschen seit 3000 Jahren vertrieben und verfolgt sind, sind sie gewöhnt, sich ganz und gar selbst zu versorgen. Sie sind die orientalischen Migranten, die am wenigsten unser Sozialsystem belasten wollen, sondern so schnell wie möglich sich integrieren wollen und ihr Brot ganz selbst zu verdienen. Da sie immer alleine standen, verfügen die meisten unter ihnen über enorme Fertigkeiten, die sie schon als Jugendliche in die Lage versetzten, einen erheblichen Beitrag zur Existenz ihres Volkes zu leisten. Sie sind bienenfleißig aber arm wie die Kirchenmäuse. Wir sollten sie nach allen nur möglichen Kräften unterstützen und sie besonders bei uns willkommen heißen. Leider werden sie auch bei uns wie andere orientalische Christen in den Aufnahmelagern von kleinen Cliquen muslimischer Migranten drangsaliert und angegriffen.

Das geistliche Zentrum der assyrischen Christen ist in Wiesbaden. Ein weiteres Zentrum eines assyrischen Kulturvereines liegt in Saarlouis im Saarland, das von Charli Kanoun geleitet wird und das die 400 im Saarland lebenden Assyrer betreut. Herr Kanoun ist unermüdlich für die Sache seiner Landsleute unterwegs und zwar durchaus mit Erfolg. Er war bei der Bundeskanzlerin hat die Zustimmung zur Unterstützung seiner Anliegen des Bischofs von Trier und des evangelischen Superintendenten in Saarbrücken erreicht und hat mit der saarländischen Landesregierung verhandelt und war Gast im Innenausschuss des saarländischen Landtags, wo ihm alle Fraktionen Unterstützung zugesagt haben. Die Landesregierung hat beschlossen, alle 23 schwer traumatisierten Assyrer, die in der Gewalt von IS waren und Schreckliches erlebt haben, im Saarland aufzunehmen, wofür ihr die Assyrer unendlich dankbar sind.

Vor allem der Generalsekretär der saarländischen CDU, Roland Theiss, ist dieser Sache wegen extra nach Berlin gefahren, um im Kanzleramt die Anliegen der assyrischen Christen vorzutragen.

Was sind nun ihre Anliegen und Ziele?

Sie wollen sich so schnell wie möglich integrieren und sich ganz in den deutschen Staat einbringen ohne aber ihre Sprache, Kultur und ihre Identität zu verlieren. Ihre Messen halten sie in der aramäischen Sprache, in der Sprache, in der Jesus gesprochen hat. Es ist sehr bewegend, eine heilige Messe in der Sprache Jesu mitzuerleben. In Saarlouis hat die Petrus-Bruderschaft ihre Kirche St. Canisius dafür zur Verfügung gestellt.

Der Kulturverein will die Begegnung zwischen den assyrischen Christen ermöglichen und ihre Tradition bewahren.

Er fördert den Kontakt zu den deutschen Mitbürgern. Er leistet gegenseitige Hilfe bei Fragen und Problemen (Hilfe bei Übersetzungen, Schulbesuchen und zum Verständnis der deutschen Kultur usw.).

Aber er hilft auch bei der Einreise von gefährdeten Familienangehörigen. Dabei ist „Charli‘s Liste“ im Saarland ein fester Begriff.
Es gibt noch viele Probleme zu bewältigen.

Bitte helfen Sie unseren assyrischen Schwestern und Brüdern. Jeder von ihnen weint um dahingemordete oder vermisste oder noch dem Terror ausgesetzte Angehörige.

Dr. phil. Michael Schneider-Flagmeyer (Foto) ist Gründungsmitglied des Forums Deutschen Katholiken. Weitere Informationen siehe Eintrag auf kathpedia.

Foto Michael Schneider-Flagmeyer (c) Michael Schneider-Flagmeyer


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