29 Mai 2019, 16:00
MARIA überantwortet sich in ihrem Fiat Gott ganz
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Was also lässt Maria das Land der Heiligen überschatten? - Die Jugendkolumne von kath.net - Von Magdalena Preineder

Wien (kath.net) Die Natur beginnt wieder zu blühen, sie ist mit der Sonne, die uns zunehmend ihr Lächeln schenkt, in einen Tanz des Neuanfangs eingetreten. Wie sich die Pflanzenwelt dem Sonnenlicht entgegenstreckt, lässt erahnen, was es bedeutet, das, was hinter einem liegt, zu vergessen, und sich auszustrecken, nach dem, was vor einem liegt. Mit der Schönheit der wachen Natur verglich John Henry Newman einst Maria: „Sie gleicht einem schönen Baum, der mit fruchtbeladenen Zweigen und duftendem Laub das Land der Heiligen überschattet.“

Wir befinden uns im Marienmonat Mai, für viele von uns gehört Maria ganz selbstverständlich zum „Mobiliar“ der katholischen Kirche, manchen mutet sie fremd an, und andere beherbergen sie mit einer innigen Liebe in ihrem Herzen. Mir selbst erschien es lange Zeit so, als könnten die Menschen um mich herum etwas in Maria sehen, das mir noch verborgen war. Natürlich ist sie die Mutter Jesu, weshalb ihr Verehrung gebührt, doch dass das nicht der einzige Grund ist, um sie zu ehren, konnte erst meinen Verstand und mein Herz durchdringen, als ich vor wenigen Monaten ein Zitat Joseph Ratzingers las: „[Maria] übersetzt die Ereignisse in Worte und dringt in die Worte ein, indem sie sie in das ‚Herz‘ hineinnimmt – in jenen inneren Raum des Verstehens, in dem Sinn und Geist, Verstand und Gefühl, äußeres und inneres Anschauen ineinander treten … .“

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Als ich daraufhin meine Diplomarbeit auf Maria ausrichtete, durfte ich lernen, dass sie wahrhaft die erste Jüngerin Jesu war. Was also lässt Maria das Land der Heiligen überschatten?

Die Mutter Jesu gilt gemeinhin als die Frau des Hörens. Bei der Verkündigung der Geburt Jesu lässt sie sich vom Wort Gottes ansprechen. So sehr, dass sie in ihrem Überlegen bezüglich der sie ereilenden Anrede innerlich in einen Dialog mit dem Wort tritt. Der griechische Begriff für das Überlegen stammt dem entsprechend sogar von der Wurzel für Dialog. Maria nimmt die Worte in sich auf. So wie sie es etwas expliziter dargestellt auch in Lk 2,19 bei der Begegnung mit den Hirten und in Lk 2,51 nach dem Wiederfinden des jungen Jesus im Tempel, tat. Maria ist durchlässig für das Geschehene und Gesprochene. Die Worte Gottes finden in ihr eine Stätte, um zu verweilen. In ihr kann und darf es sich vollkomme entfalten, so sehr, dass sich sagen lässt: „Ganz zum Hören geworden, empfängt sie das Wort so ganz, dass es Fleisch wird in ihr.“ (Joseph Ratzinger) Sie bewahrt das Wort Gottes und trägt es so in sich, dass es in ihr heranreift.

Im biblischen Kontext zieht rechtes Hören, Glauben und Gehorsam nach sich. Gerade von Maria ist ein Glaube in etwas gefordert, das nur Gott möglich ist, da es durch natürliche Voraussetzungen nicht stattfinden soll. Maria überantwortet sich in ihrem Fiat Gott ganz, sein Wort der Verheißung ist ihr Fundament, sie glaubt und bekundet ihre hörwillige und gehorsamswillige Dienstbereitschaft: Sie ist die Magd des Herrn.

So schreibt Romano Guardini: „In der Stunde der Verkündigung entschließt sie sich, ganz aus dem Glauben heraus zu existieren. Außer dem Glauben ist sie fortan nichts mehr, und alles, was sie ist, ist Glaubensvollzug.“ Dabei zieht auch an ihr die Ungewissheit des Lebens und das „Hell-Dunkel des Glaubens“ (Leo Scheffczyk) nicht vorbei, so wie ihr Glaube unter dem Kreuz seine größte Bewährungsprobe erfährt. Doch in allem bleibt sie fest in der Gottestreue stehen.

Wenn wir auf Marias Lobpreisung blicken, sehen wir wie sie sich der geschöpflichen Niedrigkeit ihrer selbst und der Größe Gottes bewusst ist. Erneut gibt sie im Magnifikat Gott Raum, indem sie ihr Selbst zurücknimmt und ihn lobpreist. Ein nicht minder bedeutsamer Aspekt, der uns viel über Maria erzählt, ist, dass ihr eigenes Wort dabei vom Wort des Alten Testamentes durchwoben ist. So finden sich beispielsweise Parallen zum Lied der Anna in 1 Sam 2,1-10, oder zum Gebet der Hanna in 1 Sam 1,11. Aber auch zu Texten des Deuteronomiums, Genesis, Jesaja, Micha und der Psalmen finden sich Parallelstellen. Wiederum hält Ratzinger dazu treffend fest: „Sie hat so tief im Wort des Alten Bundes gelebt, daß es ganz von selbst ihr eigenes Wort wurde.

Die Bibel war so sehr von ihr durchbetet und durchlebt, so sehr in ihrem Herzen «zusammengehalten», daß sie in ihrem Wort ihr Leben und das Leben der Welt sah. Gottes Wort war ihr eigenes Wort geworden, und ihr eigenes Wort war hineingegeben in Gottes Wort: Die Grenzen waren aufgehoben, weil ihre Existenz im Hineinleben in das Wort Leben im Raum des Heiligen Geistes war.“ Das Wort Gottes war also ihr Lebensraum.

Wir dürfen bei Maria in eine Lebensschule für die Nachfolge Christi eintreten. Sie lehrt uns, was es bedeutet, offen und durchlässig für Gottes Wort und sein Handeln zu sein. Sie zeigt uns, was Gottestreue angesichts herausfordernder und vielleicht unverständlicher Situationen bedeutet. Sie zeugt davon, was es besagt aus und im Wort Gottes zu leben, was es heißt sich davon ergreifen zu lassen, es zu durchbeten und zu durchleben. In diesem Sinne sollten wir nicht zögern von ihren „fruchtbeladenen Zweigen“ zu nehmen, um an der Hand der Mutter dem Sohn entgegenzugehen. Sie ist die dienstbereite Magd, sie möchte Gott dienen: Ehren wir sie, indem sie auch in unserem je eigenen Leben ihre Berufung leben und uns an der Hand nehmen darf, um auch uns Mutter zu sein und die Zahl der fruchttragenden Bäume in dieser Welt zu vergrößern.

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