15 Oktober 2019, 13:00
Die Notwendigkeit der Selbstanklage vor Gott
 
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Franziskus in Santa Marta: die Heuchelei der weiß getünchten Gräber ist die Sprache des Teufels, sie ist die Sprache des Bösen, das in unser Herz eindringt und vom Teufel gesät wird. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Die Heuchelei stand im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Papst Franziskus in seiner Predigt bei der heiligen Messe in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“ am Dienstag der achtundzwanzigsten Woche im Jahreskreis, Gedenktag der heiligen Theresia von Avila. Der Papst konzentrierte sich auf das Tagesevangelium:

„Nach dieser Rede lud ein Pharisäer Jesus ein, bei ihm zu essen. Jesus ging zu ihm und begab sich zu Tisch. Als der Pharisäer sah, dass er sich vor dem Essen nicht die Hände wusch, war er verwundert. Da sagte der Herr zu ihm: O ihr Pharisäer! Ihr haltet zwar Becher und Teller außen sauber, innen aber seid ihr voll Raffsucht und Bosheit. Ihr Unverständigen! Hat nicht der, der das Äußere schuf, auch das Innere geschaffen? Gebt lieber als Almosen, was ihr habt; und siehe, alles ist für euch rein“ (Lk 11,37-41).

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Der Papst kommentierte: „Es gibt eine Haltung, die der Herr nicht toleriert: die Heuchelei. Dies geschieht heute im Evangelium. Sie laden Jesus zum Essen ein, aber um über ihn zu richten, nicht um Freundschaft zu schließen“. Die Heuchelei „besteht gerade darin, auf die eine Weise in Erscheinung zu treten und auf eine andere zu sein“. Es sei so, als denke man im Verborgenen anders als es dann aussehe.

Jesus ertrage die Heuchelei nicht. So nenne er die Pharisäer oft Heuchler, weiß getünchte Gräber. Das sei seitens Jesus keine Beleidigung, es sei die Wahrheit. „Von außen bist du perfekt, ja sogar gestärkt“, so der Papst, „gestärkt mit der Korrektheit, aber von Innen bist du etwas anderes“. Die heuchlerische Haltung „kommt vom großen Lügner, vom Teufel“. Er sei der „große Heuchler“ und die Heuchler seien seine „Erben“:

„Die Heuchelei ist die Sprache des Teufels, sie ist die Sprache des Bösen, das in unser Herz eindringt und vom Teufel gesät wird. Man kann nicht mit heuchlerischen Menschen zusammenleben, aber es gibt einige. Jesus gefällt es, die Heuchelei zu entlarven. Er weiß, dass es genau diese heuchlerische Haltung sein wird, die ihn zum Tode führen wird, denn der Heuchler denkt nicht, ob er rechtmäßige Mittel einsetzt oder nicht, er macht weiter: die Verleumdung? ‚Jetzt wollen wir verleumden’. Der falsche Zeuge? ‚Suchen wir einen falschen Zeugen’“.

Der Papst fuhr fort und sagte, jemand könne einwenden, „dass es keine solche Heuchelei bei uns gibt“. Aber dies zu denken ist ein Fehler:

„Die heuchlerische Sprache, ich werde nicht sagen, dass das normal ist, aber es ist üblich, es ist eine Sache aller Tage. Das Erscheinen auf die eine und das Sein auf die andere Weise. Im Kampf um die Macht zum Beispiel lassen Neid und Eifersucht dich auf die eine Art erscheinen, und von Innen her ist da das Gift, um zu töten, denn die Heuchelei tötet immer, immer, früher oder später tötet sie“.

Es sei also notwendig, von dieser Haltung zu genesen. Doch „was ist die Medizin?“, fragte sich Franziskus. Die Antwort laute: „die Wahrheit vor Gott sagen. Die Antwort ist, sich selbst anzuklagen“:

„Wir müssen lernen, uns selbst anzuklagen: ‚Ich habe das getan, ich denke so, schlecht... Ich bin neidisch, ich würde das gerne zerstören...’, was in uns ist, und es uns sagen vor Gott. Das ist eine geistliche Übung, die nicht üblich ist, sie ist nichts Gewohnheitsmäßiges, doch versuchen wir, sie zu tun: uns selbst anklagen, uns in der Sünde sehen, in den Heucheleien, in der Bosheit, die in unserem Herzen ist. Denn der Teufel sät Bosheit, und dem Herrn sagen: ‚Aber schau, Herr, wie ich bin!’, und es mit Demut sagen“.

„Lernen wir es, uns selbst anzuklagen“, wiederholte der Papst und fügte hinzu: „Vielleicht ist das etwas zu Starkes, aber so ist es: ein Christ, der sich nicht selbst anzuklagen weiß, ist kein guter Christ“ und laufe Gefahr, in Heuchelei zu geraten. Und er rief das Gebet des Petrus in Erinnerung, als dieser zum Herrn sage: „Geh weg von mir; denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr “. „Dass wir es lernen, uns selbst zu beschuldigen“, schloss der Papst ab, „uns, uns selbst“.

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