Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Vatikan untersagt jährlicher Wallfahrt im Rahmen der überlieferten lateinischen Liturgie den Zutritt
  2. Wenn die Falschbehauptung einer evangelischen Sängerin zum Eklat bei einer Musiksendung führt
  3. AfD-Gemeinderat muss Katholische Landjugendbewegung verlassen
  4. Vatikan sieht Kirche vor Traditionsbruch
  5. „Menschen können die Kirche weder reformieren noch nach eigenem Gutdünken eine neue gründen“
  6. „Die trügerische Taktik der stillen Revolution“
  7. Papst vor jüdischer Delegation: Die Kirche duldet keinen Antisemitismus, sie bekämpft ihn
  8. „Als Bischof ist es meine Pflicht, den Glauben der Kirche zu verkünden“
  9. Papst Leo sagt die Assisi-Reise ab!
  10. Good news - Vatikan: Papst Leo ist krebsfrei und braucht keine weitere Therapie!
  11. Chick-fil-A-Chef stellt klar: Keine Öffnung an Sonntagen – das wird sich nicht ändern
  12. Nordische Bischöfe: Europa sucht bei der Migration „nach einem neuen Gleichgewicht“
  13. Wir machen da was mit Medien
  14. Eine katholische Fake-Priesterin möchte das Töten kleiner Kinder
  15. Blutiger Anschlag auf orthodoxe Kirche in Jordanien – Mindestens sechs Tote bei Trauerfeier

Papst Franziskus ringt um Ordnung im Vatikan-Finanzsystem

28. November 2019 in Weltkirche, 7 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Finanzaufsicht des Vatikan ist schwer angeschlagen - Behörde, die überwachen soll, steht im Fokus von Ermittlungen - Heiliger Stuhl fürchtet gegenüber Spendern um Glaubwürdigkeit - Hintergrundbericht von Kathpress-Korrespondent Burkhard Jürgens


Vatikanstadt (kath.net/KAP) Die Spenden sind sicher - diesen Eindruck wollte Papst Franziskus auf dem Rückflug von Japan vor mitreisenden Journalisten vermitteln. Ja, es habe einen "Skandal" gegeben, "Sachen, die anscheinend nicht sauber waren"; aber die Vatikanjustiz kläre auf, entschlossen, unabhängig und mit vollem Rückhalt von ihm, dem Papst. Er danke Gott, "dass das vatikanische Kontrollsystem gut funktioniert". So viel Versicherung tut not. Denn das zentrale Organ des Kontrollsystems, die vatikanische Finanzaufsicht, ist schwer angeschlagen.

Franziskus beteuerte, der sogenannte Peterspfennig von Gläubigen aus aller Welt werde nur temporär und zum Zweck des Werterhalts in Anlagen gesteckt, selbstverständlich ethisch einwandfrei und mit Risikostreuung. Die Spendenverwertung des Heiligen Stuhls geriet jüngst in schlechten Ruf, und mit ihr auch das Finanzkontrollsystem.

Es geht um eine missratene Immobilieninvestition des vatikanischen Staatssekretariats in dreistelliger Millionenhöhe aus dem Jahr 2014 und ein im Herbst 2018 erfolgter Rettungsversuch. Nachdem im Sommer die Vatikanbank IOR und die Antikorruptionsstelle den Verdacht auf Unregelmäßigkeiten meldeten, beschlagnahmte die vatikanische Staatsanwaltschaft am 1. Oktober Unterlagen und Datenträger in Büros der obersten Kurienleitung und der Finanzaufsicht und suspendierte fünf Mitarbeiter, darunter AIF-Direktor Tommaso Di Ruzza.


Im Schreiben von Staatsanwalt Gian Piero Milano an die AIF hieß es zu der Suspendierung, die Rolle der Behörde in der Immobilienaffäre sei unklar. Konkrete Vorwürfe nannte der Brief nicht. Die AIF-Leitung bestritt öffentlich jegliches Fehlverhalten Di Ruzzas - ohne Effekt. Am 18. November, einen Tag vor Ablauf des Fünfjahresmandats von AIF-Präsident Rene Brülhart, gab der Vatikan bekannt, der Papst habe einen neuen Präsidenten in pectore. Ob die Initiative zur Ablösung von Brülhart oder von Franziskus ausging, ist strittig.

Der Papst betonte während der Pressekonferenz im Flugzeug am Dienstag das Recht auf Unschuldsvermutung für Di Ruzza und die anderen Suspendierten. Aber er sprach auch von offensichtlicher Korruption. Doch wo sie stattgefunden haben soll - ob bei dem Londoner Immobilieninvestment oder bei der versuchten Schadensbegrenzung -, bleibt offen.

Mehr Fragen als Antworten
Es ist nicht die einzige Aussage, mit der Franziskus mehr Fragen weckt als Antworten gibt. So betonte er, es sei "das erste Mal", dass ein dubioser Deal vatikanintern und nicht erst durch Recherchen von außen aufgedeckt worden sei. Dagegen verzeichnen die Jahresberichte der AIF seit Beginn ihrer Tätigkeit 2011 bis 2018 insgesamt 1.313 verdächtige Transaktionen und 82 Fälle, die an die Staatsanwaltschaft gingen, darunter ein größerer Fall von Veruntreuung im Umfeld der päpstlichen Kinderklinik Bambino Gesu.

Kurios ist, dass nun die Vatikanbank mit ihrer nicht ganz unbelasteten Geschichte der Finanzaufsicht den Staatsanwalt ins Haus geschickt hat - oder anders gesagt: die zu überwachende Institution ihrem Aufseher. Dass der Papst ausgerechnet das als Beleg für einen funktionierenden Kontrollmechanismus anführt, offenbart den tragischen Zustand des Finanzsystems am Stuhl Petri.

Seit der Razzia bei der AIF hat die Egmont Group, eine Kooperation von Finanzaufsichtsbehörden weltweit, den Vatikan von ihrer internen Austauschplattform ausgesperrt. Das Netzwerk handelt naturgemäß mit sensiblen Daten; auch die vatikanischen Statuten stellen die Akten und Informationen der AIF unter besonderen Geheimhaltungsschutz. Nur ist anscheinend unbekannt, welche Akten bei der Haussuchung mitgenommen wurden und wer in sie Einblick erhält. Das "Wall Street Journal" zitiert den Präsidenten der Egmont Group, Mariano Federici, der Umgang des Vatikan mit vertraulichen Informationen stelle "ein offensichtliches Sicherheitsrisiko" für die Organisation dar.

Nun erklärte der Papst, Brülhart habe über die Egmont Group Druck gemacht, um eine Rückgabe der Dokumente zu erwirken. Der Schweizer war von 2010 bis 2012 Vizepräsident der Egmont Group. 2013, als Brülhart schon für den Vatikan arbeitete, wurde der Heilige Stuhl in den Club aufgenommen. Die Absicht des Papstes bei seiner Bemerkung war weniger, ein eingetrübtes Verhältnis zu Brülhart durchscheinen zu lassen, als vielmehr die Hoheit des Vatikan zu betonen.

Die eigene Justiz soll aufklären, was Franziskus eine "Korruptionsanschuldigung" nannte. Die AIF habe "scheinbar nicht die Vergehen anderer überwacht". Die Staatsanwaltschaft ist am Zug, die Datenschutzbedenken der Egmont Group sind dem Papst demgegenüber zweitrangig.

Brülharts Nachfolger wird der Süditaliener Carmelo Barbagallo, seit vielen Jahren bei der italienischen Zentralbank für Bankenaufsicht verantwortlich sowie zuständig für Beziehungen zur zentralen europäischen Bankenaufsicht. Die erste große Probe steht Ende April an, wenn das europäische Expertenkomitee für die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung, Moneyval, den Vatikan zu einer Kontrolle besucht. Die Abgabefrist für eine Vorab-Dokumentation lief am Mittwoch ab.

Copyright 2019 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Vatikan

  1. Der Petersdom feiert das 400-jährige Weihejubiläum: „Die Pfarrkirche der Welt“
  2. Kardinal Fernández: Es laufen keine dezidierten päpstlichen Großaufträge am Glaubensdikasterium
  3. Australischer Bischof wird als oberster Kirchenrechtsexperte in den Vatikan berufen
  4. Vatikan fordert umfassenden Zugang zu Recht für Frauen
  5. Immobilienprozess im Vatikan muss teils neu aufgerollt werden
  6. Nach Randalen und Pinkelattacken: Petersdom installiert Schutz für Hauptaltar
  7. US-Botschafter am Heiligen Stuhl, Burch: „Die moralische Autorität der Kirche ist unübertroffen“
  8. Norwegischer Bischof Varden: Der hl. Bernhard von Clairvaux „war und ist faszinierend“
  9. Vatikan dementiert Bericht über Abweisung Macrons durch den Papst
  10. Neuerlich ein Vandalenakt im Petersdom







Top-15

meist-gelesen

  1. Norwegen: Daniel (18) hielt Gott für einen Mythos – heute geht er jeden Sonntag in die Kirche
  2. Papst Leo lädt zum Weltjugendtag ein: „Ich freue mich darauf, euch in Seoul zu sehen!“
  3. USA: Kontenschließungen von Banken bei Lebensschutz- und konservativen Gruppen
  4. Krakauer Regens: Johannes Paul II. war Hotspot für Verbindung mit Gott
  5. US-Erzbischof Cordileone: „Die Familie: Das Abbild Gottes“
  6. Vatikan sieht Kirche vor Traditionsbruch
  7. „Die trügerische Taktik der stillen Revolution“
  8. MISSIO Österreich - Nationaldirektor Johannes Laichner legt Amt aus gesundheitlichen Gründen zurück
  9. „Neun interessante Fakten über den heiligen Johannes Paul II., die Sie wohl noch nicht kannten“
  10. Wallner: „Richten sich kirchliche Stellen bei uns nicht klammheimlich als Palliativstationen ein?“
  11. Wortwahl dieses Berichts ist entmenschlichend und aggressiv!
  12. "Non abbiate paura - Habt keine Angst!"
  13. Good news - Vatikan: Papst Leo ist krebsfrei und braucht keine weitere Therapie!
  14. „Kirchliche Persilscheine für Rot-Grün-Rot“
  15. ‚Mission ist kein Gegensatz zu nachhaltiger Hilfe‘

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz