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Schmerzlich, schmerzlich, schmerzlich

30. April 2020 in Kommentar, 9 Lesermeinungen
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„Immerhin haben wir schon eine neue Heimat für das schmückende Füllwort ‚schmerzlich‘, das wie eine Tau-Perle von den Lippen unserer Oberhirten träufelte, sobald sie das Wort ‚Gottesdienstverbot‘ in den Mund nahmen.“ Gastkommentar von Ernst Bertoldo


Bonn (kath.net) Das Gottesdienstverbot wird fallen. Immerhin haben wir schon eine neue Heimat für das Epitheton ornans (schmückendes Füllwort) „schmerzlich“, das wie eine Tau-Perle von den Lippen unserer Oberhirten träufelte, sobald sie das Wort „Gottesdienstverbot“ in den Mund nahmen. So prägten sie das unausweichlich „schmerzliche Gottesdienstverbot“. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, hatte die rettende Idee und formulierte am 28. April 2020: „Der Ständige Rat (der Deutschen Bischofskonferenz) hat sich auch mit der Frage des zu erwartenden Rückgangs der Kirchensteuer befasst. Dieser wird – das zeigt die wirtschaftliche Situation in der Pandemie – kommen. Seriöse Zahlen lassen sich heute noch nicht nennen, aber es wird ein schmerzlicher Prozess werden.“

Das wird zugleich ein erster Probelauf der von Finanzminister Scholz verkündeten „neuen Normalität“!

Hierzu bietet sich als Sofortmaßnahme an, dass die Bischöfe eine zunächst bis zum 31. Mai 2020 befristete kirchliche Ausgabensperre verhängen. Wir müssen den Refinanzierungsfaktor auf 1,0 oder besser bringen, das heißt, die getätigten Ausgaben müssen gleich den Einnahmen oder niedriger sein.


Bischof Bätzing kündigte entsprechend an: „Die Corona-Pandemie zwingt uns, in einen Prozess einzutreten, bei dem wir abwägen müssen, was wir als Kirche finanziell künftig noch leisten können und wovon wir uns verabschieden müssen.“ Wer hätte gedacht, dass die Corona-Krise auch Gutes mit sich bringt.

Man ist geneigt, mit dem Magdeburger Bischof Feige zu fragen: „Sind gegenüber den Nöten und Leiden derer, (...) die kaum noch eine wirtschaftliche Perspektive für sich sehen“ die Steuerausfälle der Kirche „nicht fast Luxusprobleme?“

Unter den Vorzeichen der Corona-Pandemie wurden alle öffentlichen Gottesdienste absagt. So wurde das, was ursprünglich für Kranke und Gebrechliche entwickelt wurde, nämlich die Mitfeier eines Gottesdienstes, der über die Medien übertragen wird, auch „zu einer Chance für alle“, wie uns zum Beispiel das Erzbistum Köln wissen ließ: Wer einen live gefeierten Gottesdienst über die Medien mitverfolgt, habe nämlich die Gelegenheit, das nicht nur äußerlich zu tun, sondern die Feier vor Ort auch innerlich mitzuvollziehen. Obwohl man nicht in der Feiergemeinde stehe, könne man doch der Intention nach an diesem Gottesdienst teilnehmen. Das Erzbistum schlägt vor: „Machen Sie für sich selbst erlebbar, dass Sie nicht einfach Fernsehen oder ein Stream im Internet schauen, sondern an einem Gottesdienst teilnehmen wollen. … Eine Idee ist, eine Kerze anzuzünden. Und nutzen Sie nach Möglichkeit Ihr Gotteslob, wenn Lieder angezeigt werden. Auch entsprechende Körperhaltungen, die man einnimmt, können helfen. Setzen Sie sich nicht zu gemütlich, sondern nehmen Sie eine Position ein, die die innere Aufmerksamkeit steigert. Wenn es Ihnen bei den gottesdienstlichen Vollzügen hilft, nehmen Sie die Körperhaltung ein, die sie von der gemeinsamen Feier der Messe kennen.“ Diese Vorschläge lassen sich ausweiten: So haben viele Katholiken vor den Bildschirmen sogar den leeren Brotkorb vom soeben beendeten Frühstück auf dem Tisch stehen lassen, um ihn während des Fernsehgottesdienstes als Kollektenkorb zu nutzen, etwas Bargeld hineinzugeben und sinnbildlich ihre Gaben vor den Altar auf dem Bildschirm zu stellen.

Daran kann man sich gewöhnen, titelte doch am 28. April 2020 katholisch.de unter Bezugnahme auf den argentinischen Erzbischof „Papstvertrauter Fernández: Sonntagspflicht könnte abgeschafft werden“.

Wer Schwierigkeiten empfindet, das zu Hause „kollektierte“ Geld nach dem Fernsehgottesdienst wieder einzustecken, setzt kurzerhand die interkonfessionelle Zusammenarbeit der Kirche und der anderen Religionsgemeinschaften fort, wie sie zu Zeiten des allseitigen Gottesdienstverbotes funktioniert hat. Er macht es wie der Rabbi in dem bekannten Witz: Er wirft das Geld hoch. Was Gott behält, ist seines, was er wieder runterwirft, darf der Rabbi behalten.

So kann jeder auf seine Weise mithelfen, den aufgeblähten kirchlichen Apparat zu verschlanken.


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