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Christlicher Missionar aus Türkei ausgewiesen

16. Oktober 2021 in Chronik, 1 Lesermeinung
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Die bewegende Geschichte von David Byle sei kein Einzelfall, mahnt die christliche Menschenrechtsorganisation ADF International, die David bei der Durchsetzung der Religionsfreiheit unterstützt.


Istanbul (kath.net/ADF International/mk)

„Während die Menschen uns häufig aufforderten, mehr zu erzählen, wollten uns manche in der Regierung zum Schweigen bringen.“ Dieser Satz kommt von David Byle, einem amerikanisch-kanadischen christlichen Missionar in der Türkei. David lebte dort fast zwei Jahrzehnte gemeinsam mit seiner deutschen Frau und ihren fünf Kindern. Begonnen hat er seine Missionstätigkeit in der türkischen Großstadt Istanbul als Straßenprediger. Mit Puppenspiel, Pantomime und einfachen Illustrationen auf einer Tafel brachte er den Menschen Jesus und sein Evangelium näher. Die Reaktionen der Passanten waren meist positiver Natur: „Sie saugten die Geschichten über Jesus förmlich auf. Denn auf Istanbuls Straßen hört man sie nicht oft“, erzählt der Missionar.

Doch mit der Zeit sah sich David auch Repressalien der türkischen Behörden ausgesetzt: mit einer Reihe kurzfristiger Festnahmen samt Verhören und sogar versuchten Abschiebungen versuchte man ihn einzuschüchtern. Doch auch die Schubhaft konnte den Willen des Missionars zur Verkündigung, die er als seine Berufung ansieht, nicht brechen. Es brauche vor allem zwei Dinge, um das Evangelium zu verkünden, nämlich Mut und Kreativität, meint David. Diese stellte er auch in der Arrestzelle unter Beweis: „An keinem anderen Ort erreicht man so leicht Menschen, die uneingeschränkt Zeit haben zuzuhören.“


Als er 2016 den Bescheid erhielt, wonach er die Türkei unverzüglich verlassen müsse, legte David Rechtsmittel ein und hoffte jahrelang auf das türkische Verfassungsgericht. Von der Polizei wurde er jedoch ausgetrickst: man inhaftierte ihn 2018 erneut und teilte ihm mit, er habe 15 Tage Zeit, das Land zu verlassen. „Die Sachlage wurde so dargestellt, als könnte ich einfach jederzeit wieder zurückkommen“, erinnert sich David. Doch bei der Wiedereinreise in die Türkei, um seine Frau und Kinder zu sehen, wurde er am Flughafen von Istanbul mit einem „dauerhaften Einreiseverbot“ konfrontiert und nicht durchgelassen - ein großer Schock. Die Behörden sahen in ihm eine „Bedrohung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit“, und das Verfassungsgericht behandelte seinen Fall gar nicht mehr, weil David das Land freiwillig verlassen hatte.

Dr. Lidia Rieder, Juristin bei ADF International, sieht hier eine ungerechte Diskriminierung unter dem Deckmantel vager Einwanderungsgesetze. Die christliche Menschenrechtsorganisation hilft David dabei, beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Klage gegen die Türkei zu führen, um die Religionsfreiheit durchzusetzen. David ist kein Einzelfall: seit 2019 wurden mehr als 60 ausländische Staatsangehörige gezwungen, die Türkei unter ähnlichen Umständen zu verlassen. Es steht also für die Türkei und ganz Europa viel auf dem Spiel.

David lebt inzwischen mit seiner Familie in Deutschland und geht dort weiter seiner Missionsarbeit nach. Ihm fällt auf, dass die Menschen hier viel seltener auf der Straße stehen bleiben, um ihm zuzuhören. „Gläubige haben Angst, dass sie etwas Falsches sagen oder jemanden beleidigen. Religion sei Privatsache, höre ich hier oft. Meiner Meinung nach ist die größere Gefahr jedoch, dass wir keine Leidenschaft mehr zeigen, wenn wir über Jesus sprechen“, mahnt der Missionar.


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