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Erster Kirchen-Neubau in Türkei seit 100 Jahren vor Eröffnung

15. Jänner 2023 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Syrisch-orthodoxe St.-Ephrem-Kirche in Istanbul soll in den kommenden Wochen fertiggestellt werden.


Istanbul (kath.net/ KAP)

In der Türkei steht der erste Neubau einer christlichen Kirche seit Gründung der Republik 1923 kurz vor der Eröffnung. Wie die Zeitung "Hürriyet" am Montag berichtete, soll die syrisch-orthodoxe St.-Ephrem-Kirche im Istanbuler Stadtteil Bakirköy in den kommenden zwei Monaten fertiggestellt werden. In den vergangenen Jahrzehnten hatte die christliche Minderheit in der Türkei ihre Kirchen zwar renovieren dürfen; ein Neubau war staatlicherseits aber lange Zeit nicht genehmigt worden.

Die Kirche soll künftig Platz für rund 700 Personen bieten. Neben dem eigentlichen Kirchenraum gibt es zwei Obergeschoße mit Versammlungsräumen, die etwa nach Messen, Taufen oder Hochzeiten genutzt werden können, und eine Tiefgarage mit Parkplätzen. Den Grundstein für den Neubau legte Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan 2019 selbst. Es zähle zu den Aufgaben des Staates, dafür zu sorgen, dass die Christen genügend Kirchen für ihre Gottesdienste hätten, sagte Erdogan damals.


Die Angaben über die Zahl der syrisch-orthodoxen Christen in Istanbul schwanken zwischen 12.000 und 17.000. Die Syrisch-orthodoxe Kirche besitzt in Istanbul im Stadtteil Tarlabasi in Beyoglu eine im 19. Jahrhundert gebaute Kirche mit angeschlossenem Gemeindezentrum, wo auch Metropolit Mor Filuksinos Yusuf Cetin Cetin residiert. Diese Kirche ist aber längst zu klein.

2009 begann die Istanbuler Stadtverwaltung, auf Anordnung des damaligen Premierministers Erdogan, mit der Suche nach einem Grundstück für einen syrisch-orthodoxen Kirchenbau. 2015 verkündete Ministerpräsident Ahmet Davutoglu den Plan für den Neubau, der sich danach aber noch mehrere Jahre verzögerte.

Das Grundstück, auf dem die neue Kirche seit 2019 errichtet wurde, war der Katholischen Kirche im Jahr 1868 von einem Gemeindemitglied vermacht und teilweise als Friedhof genutzt worden. Auf dem Gelände befindet sich auch noch eine kleine katholische Friedhofskapelle. Im Jahr 1950 wurde das Areal vom türkischen Staat eingezogen und in städtischen Besitz überführt, der Friedhof wurde geschlossen.

Im vergangenen Oktober hatte der Salzburger Erzbischof Franz Lackner zusammen mit dem Wiener griechisch-orthodoxen Metropoliten Arsenios (Kardamakis) die Baustelle des neuen Gotteshauses in Istanbul besucht. Metropolit Cetin kündigte damals gegenüber der Delegation aus Österreich an, dass man sich nach der Fertigstellung der Kirche auch um die Renovierung des Friedhofs und der katholischen Kapelle annehmen werde. "Die neue Kirche ist eine Kirche nicht nur für die Syrisch-orthodoxen, sondern für alle Christen", sagte der Metropolit.

In jüngster Zeit wichen die syrisch-orthodoxen Gläubigen in Istanbul zur Feier ihrer Gottesdienste auch auf Kirchen anderer christlicher Gemeinschaften aus. Diese seien für die Rituale und Bedürfnisse der syrischen Gläubigen jedoch nicht wirklich geeignet, erklärte Sait Susin, Präsident der Istanbul Assyrian Ancient Foundation, laut "Hürriyet". Die Kirche sei architektonisch nach den historischen Vorbildern der Kirchen in der Provinz Mardin geplant worden, aber angepasst an heutige Bedingungen. Gegenüber der Zeitung "Daily Sabah" betonte Susin auch noch einmal, dass die neue Kirche nicht auf den Gräbern des früheren katholischen Friedhofs, sondern auf einem freien Raum auf dem Areal errichtet sei. Dies sei vor Baubeginn durch Bodenuntersuchungen abgesichert worden.

Zwar ist die türkische Verfassung seit der Staatsgründung durch Kemal Atatürk offiziell laizistisch. Religiöse Minderheiten außerhalb des sunnitischen Islam haben aber immer wieder unter Diskriminierungen zu leiden. Der türkische Staat erkennt offiziell nur die griechisch-orthodoxe Kirche, die Armenier und das Judentum als religiöse Minderheiten an, denen er - allerdings auch nur beschränkt - Rechte wie eigene Schulen einräumt. Die syrisch-orthodoxe Kirche wie auch die katholische und andere Kirchen werden aufgrund einer umstrittenen Auslegung des Friedensvertrags von Lausanne von 1923 nicht als Minderheiten anerkannt.

 

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