Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. „Wir können nicht sagen, dass das, was 1.600 Jahre lang getan wurde, jetzt nicht mehr gültig sei“
  2. Denn sie wissen nicht, was sie fordern
  3. Kissler-Kritik an Papst Leo XIV.: „Fatale Botschaft“ bei Lampedusa-Besuch
  4. Die US-Bischöfe fördern die natürliche Familienplanung
  5. "Menschenhandel bleibt Menschenhandel"
  6. INSA-Umfrage: Relative Mehrheit der Deutschen lehnt Leihmutterschaft ab
  7. Vatikan: Neues Café auf Kuppel des Petersdoms öffnet im Herbst
  8. Gänswein wird 70: Kirchenkarriere wohl noch nicht am Ende
  9. 'Weihnachten im Juli': Der Gedenktag der Heiligen Drei Könige
  10. Neues Video bringt Sea-Watch unter schweren Verdacht: Zusammenarbeit mit bewaffneten Schleusern?
  11. Vatikan dementiert Berichte über Ende des Rupnik-Verfahrens
  12. Deutsches Auswärtiges Amt verzichtet auf Genderschreibweise
  13. Papst ruft zu christlichem Lebensstil im Urlaub auf
  14. Auf der Intensivstation zum ständigen Diakon geweiht: Pino Cannavò
  15. Papst bleibt in Bewegung: Dritter Ausflug von Castel Gandolfo aus

Der Vatikan und die Souveränität des Malteserordens?

27. Jänner 2022 in Weltkirche, 1 Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Der Päpstliche Delegierte für den Malteserorden streitet eine Aushöhlung der Souveränität des Malteserordens im Zuge des laufenden Reformprozesses ab.


Rom/London (kath.net/jg)

Kardinal Silvano Tomasi, der Päpstliche Delegierte für den Malteserorden, hat in einem Brief an den Orden dessen Souveränität bestätigt. Dies berichtet die britische Zeitschrift The Tablet. Es sei niemals die Absicht der Kommission oder des Papstes gewesen, die Souveränität des Ordens zu untergraben, „die vollständig erhalten bleiben wird“, zitiert das Magazin aus dem Brief von Kardinal Tomasi. Papst Franziskus hat jedoch tatsächlich erst im vergangenen Jahr in einem Schreiben seinem Delegierten weitreichende Vollmachten zum Eingriff in die Führung des Ordens gegeben, die bereits eine Aushöhlung der Souveränität darstellen.

Laut The Tablet antwortete Kardinal Tomasi mit seinem Brief auf Kritik die Albrecht von Boeselager, der Großkanzler des Malteserordens, geäußert hatte. Tomasi spricht in seinem Brief allerdings den Präsidenten der deutschen Assoziation des Ordens an und wirft ihm vor, entgegen der Abmachung bereits einen Rohentwurf des Reformvorschlags im Orden zirkuliert zu haben. Dieser Vorschlag weist tatsächlich in die Richtung einer Beschränkung der Souveränität des Ordens durch den Hl. Stuhl, ist aber natürlich noch nicht verbindlich.


Von Boeselager hatte Tomasis Reformvorschläge als „Gefahr für die seit langem bestehende Souveränität des Ordens“ bezeichnet. Er könne die vorgesehenen Änderungen nicht akzeptieren und werde sich daher aus dem laufenden Reformprozess zurückziehen. Er wies darauf hin, dass er offensichtlich im Vatikan nicht mehr auf Gehör stoßen würde und seine Position durch andere Personen kompromittiert wurde, da man ihn als Säkularisierer des Ordens und jemanden bezeichnet hätte, der den Orden eigentlich in eine säkulare NGO umbauen wolle. Für den 25. und 26. Januar seien Gespräche vorgesehen. Dabei sollten Vertreter des Malteserordens und des Vatikans die vorliegenden Reformentwürfe überarbeiten, berichtet The Tablet.

Der aktuelle Reformprozess im Orden geht auf eine von Boeselager und Kreisen des Ordens konstruierte Verfassungskrise zurück, die unter Leitung des verstorbenen Fra' Matthew Festing, des ehemaligen Großmeisters des Ordens, stattfand. Festing trat im Januar 2017, nach einer Bitte von Papst Franziskus, der Reformen anordnete, von seinem Amt zurück. In der Zwischenzeit verstorben, wurde Festing mit allen staatlichen Ehren, als erster Großmeister seit über 200 Jahren wieder in der Großmeistergruft auf Malta beigesetzt. Der Papst stand, vertreten durch Tomasi, dem Requiem vor. Die maltesische Staats- und Regierungsspitze war ebenfalls anwesend, sowie Vertreter der Ordensregierung. Ausgelöst wurde der Konflikt aber durch die Aufforderung Festings an Boeselager, den damaligen Großkanzler des Ordens, von seinem Amt zurückzutreten, was dieser verweigerte. Festing setzte ihn danach ab und Boeselager intervenierte im Vatikan und erreichte die Resignation Festings und seine eigene Wiedereinsetzung. Allerdings war der Preis für den Orden enorm - die konstruierte Verfassungskrise führte zur Intervention des Papstes und löste die nunmehrige Gefährdung der Souveränität des eigenständigen Völkerrechtssubjekts Malteserorden aus, der bei mehr als 120 Staaten mit Botschaftern vertreten ist und Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen hat.

Der Reformprozess wurde durch den Tod von Festings Nachfolger, Fra' Giacomo Dalla Torre, die Corona-Pandemie sowie die Absetzung des ehemaligen Delegierten des Ordens, Kardinal Angelo Becciu, verzögert. Im vergangenen Oktober übertrug Franziskus die Kontrolle über die Leitung des Ordens de facto seinem neuen Delegaten, Kardinal Silvano Tomasi. Dieser erhielt die Befugnis, „alle internen Konflikte zu lösen“ und die Wahl eines neuen Großmeisters einzuberufen. Etliche Ordensritter werteten die Erteilung derart weitreichender Kompetenzen als bisher beispiellosen Eingriff.

Der Malteserorden wurde im 11. Jahrhundert während der Kreuzzüge gegründet. Heute ist er sowohl ein geistlicher Ritterorden als auch ein souveränes, nichtstaatliches Völkerrechtssubjekt. Seine Souveränität geht auf den Wiener Kongress und die Neuordnung Europas nach den napoleonischen Kriegen zurück. Damals hatte der Orden sein Staatsgebiet, die Insel Malta, verloren aber der Wiener Kongress sprach ihm die Souveränität weiterhin zu. Der Vatikan selber erlangte seine eigene Souveränität erst über 100 Jahre später, begründet durch die Lateranverträge. Dem Malteserorden gehören weltweit etwa 13.500 Ritter und Damen an. Das Großpriorat Österreich hat ungefähr 420 Mitglieder.

 


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Vatikan

  1. Der Petersdom feiert das 400-jährige Weihejubiläum: „Die Pfarrkirche der Welt“
  2. Kardinal Fernández: Es laufen keine dezidierten päpstlichen Großaufträge am Glaubensdikasterium
  3. Australischer Bischof wird als oberster Kirchenrechtsexperte in den Vatikan berufen
  4. Vatikan fordert umfassenden Zugang zu Recht für Frauen
  5. Immobilienprozess im Vatikan muss teils neu aufgerollt werden
  6. Nach Randalen und Pinkelattacken: Petersdom installiert Schutz für Hauptaltar
  7. US-Botschafter am Heiligen Stuhl, Burch: „Die moralische Autorität der Kirche ist unübertroffen“

Malteser

  1. Malteser-Großmeister Dalla Torre gestorben
  2. Papstbeauftragter warnt Malteserorden vor Standesdünkel
  3. Verbot der Alten Messe: Schwere Vorwürfe gegen Boeselager
  4. Malteser-Orden lässt 'Alte Messe' verbieten
  5. Österreicher als Großkomtur des Malteserordens abgelöst
  6. WIKILEAKS veröffentlicht brisanten Papst-Brief an Kardinal Burke
  7. Autor von „Dictator Pope“ wird gegen Ausschluss Widerspruch einlegen






Top-15

meist-gelesen

  1. Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns jetzt JETZT!
  2. „Wir können nicht sagen, dass das, was 1.600 Jahre lang getan wurde, jetzt nicht mehr gültig sei“
  3. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  4. Kissler-Kritik an Papst Leo XIV.: „Fatale Botschaft“ bei Lampedusa-Besuch
  5. Denn sie wissen nicht, was sie fordern
  6. "Menschenhandel bleibt Menschenhandel"
  7. DANKE JUSTIN! - Kanadischer Sänger bringt Stadion während WM-Finale mit „Halleluja“ zum Schweigen!
  8. Gänswein wird 70: Kirchenkarriere wohl noch nicht am Ende
  9. Vatikan: Neues Café auf Kuppel des Petersdoms öffnet im Herbst
  10. Nach dem WM-Krimi um 3. Platz - England- und Frankreich-Stars vereint im Gebet
  11. Auf der Intensivstation zum ständigen Diakon geweiht: Pino Cannavò
  12. Kardinal Burke: ‚Die Synodalität muss gestoppt werden‘
  13. Krebs und Paradies – Das Leben des 17-jährigen David Buggi
  14. INSA-Umfrage: Relative Mehrheit der Deutschen lehnt Leihmutterschaft ab
  15. Erzdiözese Wien bestätigt Pensionierung von Dompfarrer Faber

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz