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| ![]() "Wir haben Maria neue Hände gegeben"vor 4 Stunden in Kommentar, 2 Lesermeinungen Maria – oder was wir noch von Gottes Handeln glauben. Von Diakon Ulrich Franzke Essen (kath.net) Meine Großmutter hinterließ mir eine Marienfigur. Holz, schlicht, nichts Besonderes – und doch eigenartig. Mein Vater und sein Bruder hatten ihr als Kinder in den 1930ern beim Spielen die Hände abgebrochen. Mein Großvater hat das Problem pragmatisch gelöst: abgesägt, gebohrt, neue Hände von einer anderen Figur genommen. Seitdem hat Maria wieder Hände. Und man kann sie drehen. Bittend nach oben. Segnend nach unten. Es funktioniert erstaunlich gut. Man stellt die Figur ein. So, wie es gerade passt: bittend, wenn man Hilfe braucht; segnend, wenn man Bestätigung sucht. Die Haltung lässt sich wählen. Das bleibt nicht bei dieser Figur. Hier zeigt sich im Kleinen, was wir im Großen längst tun: Wir stellen auch den Glauben ein. Wir passen Haltungen an. Selbst das, was uns gegeben ist, wird beweglich – passend, funktional, anschlussfähig. Und es betrifft Maria. Was aber an ihr fest ist, ist nicht ihre äußere Haltung, sondern ein einziger Satz. Ein Satz, der sich nicht drehen lässt: „Fiat! Mir geschehe nach deinem Wort.“ Dieser Satz entscheidet. Gott wird Mensch. Nicht symbolisch. Nicht innerlich, nur in meinem Denken oder meiner Vorstellung. Wirklich. Und dieses Geschehen tritt nicht einfach in die Welt ein wie ein Naturereignis, das niemanden erfragt. Es geschieht im Ja eines Menschen. Das ist die eigentliche Zumutung. Gott handelt. Aber er übergeht den Menschen nicht. Er will nicht ohne ihn erlösen. Wir vermeiden genau das: dass Gottes Heilswirken den Menschen nicht ausklammert, sondern ihn einbezieht. Nicht als Zuschauer. Nicht als passiven Empfänger. Sondern als der, der antwortet. Und genau hier beginnt das Ausweichen. Denn wenn dieses Ja ernst ist, dann ist es kein Beiwerk. Dann ist es nicht austauschbar. Dann ist es wirklich und absolut ernst gemeint. Und wenn es wirklich gemeint ist, dann setzt es Freiheit voraus. Ein Ja, das auch Nein sagen könnte, ist kein Ja; denn wie schon der HERR sagte: Euer Ja sei ein Ja! Maria ist deshalb nicht nur Vorbild. Nicht nur erste Glaubende. Sie ist die Stelle, an der sichtbar wird: Gott nimmt die Freiheit des Menschen ernst. So ernst, dass ER sein eigenes Handeln daran bindet. Nicht aus Ohnmacht. Sondern weil ER es so will. Und unser Problem: Genau das denken wir heute nicht mehr. Stattdessen wird entschärft. Leise. Unauffällig. Kaum jemand widerspricht offen. Aber die Sprache verändert sich. Titel, die über Jahrhunderte selbstverständlich waren, werden plötzlich problematisch: „Miterlöserin“. „Mittlerin aller Gnaden“. Zu groß. Zu ungenau. Zu gefährlich. Man könnte ja etwas missverstehen. Also reduziert man. Klärt. Sichert sich ab. Maria bleibt – aber in abgeschwächter Form. Als Vorbild. Als Hörende. Als erste Glaubende. Das stimmt. Aber es reicht nicht. Dabei zeigt ein Blick in die Tradition eine ganz andere Selbstverständlichkeit: Die Lauretanische Litanei etwa reiht Titel an Titel: Mutter des Erlösers. Mutter der göttlichen Gnade. Tempel des Heiligen Geistes. Arche des Bundes. Pforte des Himmels. Keine Übertreibung. Nur Konsequenz. Die Konsequenz daraus, dass man ernst genommen hat, was man bekennt: dass Gott handelt. Dass er in diese Welt eintritt. Dass er nicht nur spricht, sondern wirkt. Und dass dieses Wirken nicht am Menschen vorbeigeht, sondern ihn einbezieht. Die Titel sind keine Dekoration. Sie sind Verdichtung. Sie versuchen, eine Wirklichkeit festzuhalten, die sich nicht glatt erklären lässt: dass der Mensch in Gottes Handeln hineingenommen wird – nicht neben Christus, nicht an seiner Stelle, sondern in radikaler Abhängigkeit von ihm und gerade deshalb beteiligt. Und genau das wird heute unscharf. Denn wenn Maria nur noch als Vorbild erscheint – bewunderbar, aber folgenlos, austauschbar, ohne Anspruch und vom Geschehen gelöst –, dann bleibt Zustimmung ohne Antwort. Aus Mitwirkung wird Illustration. Aus einem realen Geschehen wird eine fromme Erzählung. Das klingt harmlos. Ist es aber nicht. Denn damit verschiebt sich etwas Grundsätzliches: das Verständnis vom Menschen. Wenn der Mensch im Heilswerk nur noch Empfänger ist, dann wird Freiheit zur Randnotiz. Dann bleibt ein Gott, der handelt – und ein Mensch, dem etwas geschieht. Klar, sauber, missverständnisfrei. Gerade deshalb falsch. Die Spannung von Gnade und Freiheit wird aufgelöst. Übrig bleibt ein reduziertes Modell: Gott wirkt, der Mensch nimmt hin. Das ist bequem. Aber es ist nicht mehr katholisch. Denn das katholische Denken hält aus, was wir vermeiden: dass Gott alles wirkt – und der Mensch wirklich antwortet. Dass Gnade vorausgeht – und Freiheit nicht verschwindet. Dass Erlösung Geschenk ist – und dennoch angenommen werden muss. Maria steht genau an diesem Punkt. Und damit verändert sich der Ernst. Denn wenn das Ja real ist, dann ist auch das Nein real. Und wenn beides real ist, dann ist die Beziehung zu Gott keine Kulisse, sondern Entscheidung. Nicht als Drohung. Das wäre zu billig. Und doch bleibt es ernst. Es ist Konsequenz. Gott zwingt nicht. ER ruft. ER übergeht nicht. ER wartet auf Antwort. Und genau darin liegt die Würde des Menschen – und seine Möglichkeit, endgültig fehlzugehen. Hier liegt der eigentliche Bruch unserer Zeit. Nicht darin, dass Maria zu groß gedacht wurde. Sondern darin, dass wir verlernt haben, den Menschen groß genug zu denken, um zu begreifen, dass Gott seine Freiheit ernst nimmt. Wir geben Maria neue Hände. Beweglich. Einstellbar. Harmlos. Aber vielleicht zeigt gerade diese kleine Holzfigur, was wir dabei verlieren: nicht nur eine Gestalt der Frömmigkeit – sondern den Punkt, an dem Gott den Menschen meint – und Antwort erwartet. Und vielleicht wäre es klüger, wir ließen bei Maria alle Titel und Bekundungen stehen, so wie es die vielen Marienlieder auch tun. Nicht, weil sie schön klingen. Sondern weil in ihnen etwas bewahrt ist, das wir gerade verlieren: Dass Gott handelt. Und den Menschen nicht übergeht. Auch Maria nicht. Foto dieser Marienfigur (c) Ulrich Franzke
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