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Anglikaner vor der Kirchenspaltung

24. Juni 2008 in Chronik, keine Lesermeinung
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Rund 1.000 Kirchenleiter, die etwa 75 Prozent der weltweit rund 70 Millionen Anglikaner repräsentieren, versammeln sich derzeit in Jerusalem und stellen klar: Eine Kirchenspaltung ist nur durch Rückkehr zur biblischen Lehre vermeidbar


London (kath.net/idea)
Nur durch Rückkehr zur biblischen Lehre ist nach Ansicht theologisch konservativer Anglikaner eine Kirchenspaltung zu vermeiden. Rund 1.000 Kirchenleiter vornehmlich aus der Dritten Welt, die etwa 75 Prozent der weltweit rund 70 Millionen Anglikaner repräsentieren, versammeln sich vom 22. bis 29. Juni in Jerusalem zur Globalen Anglikanischen Zukunftskonferenz (GAFCON). Knapp drei Wochen später, am 16. Juli, beginnt im südenglischen Canterbury die alle zehn Jahre stattfindende Weltbischofskonferenz, die sogenannte Lambeth-Konferenz. Geistliches Oberhaupt aller Anglikaner ist der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams (London). Er steht vor der Aufgabe, eine Kirchenspaltung abzuwenden. Tiefe Konflikte zwischen theologisch und ethisch liberalen Kirchen im Westen und konservativen wachsenden Kirchen auf der Südhalbkugel sind vor allem am Umgang mit Homosexualität entbrannt. Die letzte Weltbischofskonferenz 1998 hatte festgestellt, dass praktizierte Homosexualität unvereinbar mit der Bibel und der Kirchenlehre sei. Die Episkopalkirche in den USA hielt sich nicht an den Beschluss. Im Jahr 2003 weihte sie den in einer schwulen Partnerschaft lebenden Geistlichen Gene Robinson zum Bischof und löste damit schwere Konflikte aus.


Während der GAFCON-Konferenz wird ein Buch unter dem Titel „Der Weg, die Wahrheit und das Leben“ veröffentlicht, in dem ein Ausweg aus der Kirchenkrise angesprochen wird. Die Wurzel liege nicht im Streit um Homosexualität, sondern im Ungehorsam gegenüber der Bibel. Zu ihr müsse man zurückkehren. Der nigerianische Erzbischof Peter Akinola, der als Sprecher der konservativen Anglikaner gilt, drängt auf klare Verhältnisse. Seit 1997 bemühe man sich, die Krise abzuwenden: „Jetzt ist der Moment der Entscheidung gekommen.“ Sonst riskiere man, „Millionen Menschen vom Glauben, wie er in der Heiligen Schrift offenbart ist, wegzuleiten“. Auf die Frage, ob er an der Weltbischofskonferenz in England teilnehmen werde, erwiderte der ugandische Erzbischof Henry Orombi: „Nach Lambeth fahren?
Die Frage ist: Wozu?“

Öl ins Feuer der Auseinandersetzungen um Homosexualität hat eine trauungsähnliche Zeremonie zweier schwuler Priester gegossen. Der Pfarrer an der Londoner Westminster Abbey, Peter Cowell, und sein neuseeländischer Partner, Pfarrer David Lord, gaben sich, wie jetzt in der britischen Presse bekannt wurde, im Mai in der Londoner Kirche St. Bartholomäus das Ja-Wort. Die Feier wurde nach der Trauungsordnung der Kirche von England gestaltet. Sie verbietet aber eine solche Zeremonie wie auch praktizierte Homosexualität von Geistlichen. Der Bischof von London, Richard Chartres, ordnete eine Untersuchung an und sprach dem Pfarrer der Bartholomäus-Kirche eine Verwarnung aus. Die Bewegung schwuler und lesbischer Christen in Großbritannien erklärte, die „Homo-Trauung“ sei nicht die erste gewesen. Man habe in den vergangenen Jahren fast 2.000 Informationspakete an Interessenten versandt.

Foto: (c) Anglican Church, The Archbishop of Canterbury, Rowan und seine Frau Jane Williams


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