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Wechseln über 400.000 Anglikaner zu 'Rom'?

4. November 2009 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Traditionelle Anglikaner, die sich von der anglikanischen Weltgemeinschaft abgespalten haben, könnten nun katholisch werden, berichtet die London Times. Vatikan: Zölibat bleibt.


London (kath.net/idea/RV) Mehr als 400.000 theologisch konservative Anglikaner könnten von der Möglichkeit Gebrauch machen, zur römisch-katholischen Kirche überzutreten. Das berichtet die Londoner Zeitung Times unter Berufung auf den Primas der Traditionellen Anglikanischen Gemeinschaft (TAC), den australischen Erzbischof John Hepworth.

Seine Gruppe hatte sich nach der Einführung der Frauenordination von der anglikanischen Kirche gelöst. Hepworth hat nach Darstellung der Times mit der Vatikanischen Glaubenskongregation über eine Aufnahme der theologisch konservativen Anglikaner verhandelt.

Am 20. Oktober war in London und im Vatikan eine Apostolische Konstitution angekündigt worden. Damit wird der Vatikan anglikanischen Gegnern der Frauenordination sowie der Weihe homosexueller Geistlicher und Bischöfe den Weg ebnen, in Form einer Personalprälatur (einer Art "Sonderdiözese") der katholischen Kirche anzugehören und Teile ihrer Liturgie und Tradition zu bewahren. Auch verheiratete Priester wären willkommen; allerdings könnten nur ledige Geistliche katholische Bischöfe werden.


Andere traditionsorientierte Anglikaner wie etwa 500 Mitglieder der Gruppe „Forward in Faith“ (Vorwärts im Glauben) könnten ebenfalls diesen Weg gehen, so die Times.

Nachdem die Generalsynode der anglikanischen „Kirche von England“ 1992 für die Einführung der Frauenordination gestimmt hatte, hatten über 440 Priester der Kirche den Rücken gekehrt und sich meist der römisch-katholischen Kirche angeschlossen. Von ihnen kehrten später etwa 30 in die Kirche von England zurück.

Der evangelikale frühere Bischof von Rochester, Michael Nazir-Ali, begrüßte den „großmütigen Geist“ des Vatikans, doch müssten vor möglichen Übertritten noch viele Fragen geklärt werden.

Auch Erzbischof Robert Duncan von der konservativen Anglikanischen Kirche Nordamerikas, die sich wegen der Weihe eines homosexuellen Bischofs von der Episkopalkirche getrennt hat, begrüßte die Vatikaninitiative. Sie sei ein weiterer Schritt zur anglo-katholischen Zusammenarbeit.

Treten heiratswillige Priester dem anglikanischen Ritus bei?

Unterdessen sieht man der Times zufolge an der führenden katholischen Universität der USA, Notre Dame im Bundesstaat Indiana (die Präsident Barack Obama einen Ehrendoktortitel verliehen hat), einen Wechsel heiratswilliger katholischer Priester in den anglikanischen Ritus innerhalb der römisch-katholischen Kirche voraus. Laut Professor Lawrence Cunningham würden sie sich fragen: Wenn die Anglikaner heiraten dürfen, warum dann nicht die Priester Roms?

Vatikan: Zölibat bleibt

Der Zölibat wird auch für die künftigen Seminaristen der anglikanischen Gemeinschaften verpflichtend sein, die zur katholischen Kirche übertreten. Das erklärte Vatikansprecher Pater Federico Lombardi an diesem Samstag in einer Note, wie RV berichtet. Für Priesteramtskandidaten der anglikanischen Gemeinschaften, die aber bereits verheiratet sind, soll jeder Fall einzeln überprüft werden. Prinzipiell soll die Zölibatspflicht auch für sie gelten.

Damit wies Lombardi Spekulationen über eine Lockerung des Zölibats für römisch-katholische Geistliche zurück. Die Verzögerungen bei der Errichtung einer neuen Kirchenstruktur für übertrittswillige Anglikaner hätten rein technische Gründe; sie hingen nicht mit vatikaninternen Meinungsverschiedenheiten über das priesterliche Keuschheitsgebot zusammen, betonte Lombardi in dem Schreiben.

In der Lateinischen Kirche ist der Zölibat vor der Weihe zum Diakon durch den Canon 277 des kirchlichen Gesetzbuchs Codex Iuris Canonici vorgeschrieben. Das gilt auch für Bischöfe und Priester. Einzig in den orientalischen Teilkirchen der katholischen Kirche gilt der Zölibat nur für Bischöfe, die meist dem Mönchsstand entstammen.

Der Text der Apostolischen Konstitution, der die Errichtung von Personal-Ordinariaten für frühere Anglikaner vorsieht, soll in der ersten Novemberwoche erscheinen, teilte Lombardi mit.


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