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'Für uns sind Kirche und Papst eine glaubwürdige Autorität'

28. März 2013 in Interview, 1 Lesermeinung
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„Das gilt auch mit dem neuen Papst, der nicht nur in der Nachfolge Benedikts, sondern auch der Vorgänger und der Kirche insgesamt steht“, erläutert die 23-jährige Studentin Mareike Bues für die „Generation Benedikt“. Von Petra Lorleberg


München (kath.net/pl) „Welche gute Ernte“ aus dem Pontifikat Benedikts XVI. „entstehen wird, das kann heute noch keiner genau wissen. Die ganze Tragweite dieses Pontifikats wird sich wohl erst in den kommenden Jahrzehnten, vielleicht auch erst in Jahrhunderten zeigen.“ Das sagt Mareike Bues (Foto) von der Jugendinitiative „Generation Benedikt“ im Rückblick auf die Zeit mit Papst Benedikt XVI. Im kath.net-Interview bemerkt die 23-jährige Münchner Studentin aber auch: „Wir hätten uns gewünscht, dass man Benedikt in seiner Heimat mit der Offenheit begegnet, die man bei jedem seiner Besuche von ihm selbst eingefordert hat.“

kath.net: Wie steht die "Generation Benedikt" zum neuen Papst?

Mareike Bues: Wir begreifen uns nicht als Außenstehende, die den neuen Papst oder seinen „Auftritt“ bewerten und kommentieren. Wir sind ein Teil der Kirche – jeder Einzelne und das Netzwerk insgesamt.

Für uns sind die Kirche und der Papst generell eine glaubwürdige Autorität.

Das gilt auch mit dem neuen Papst, der nicht nur in der Nachfolge Benedikts, sondern auch der Vorgänger und der Kirche insgesamt steht. Er ist der Fels, auf den Christus seit 2000 Jahren seine Kirche baut.

Wir werden den neuen Papst genauso begleiten und unterstützen wie seinen Vorgänger.

kath.net: Was denken Sie über seine Impulse zu Armut und persönlicher Bescheidenheit? Sehen Sie Chancen in diesem lateinamerikanischen Pontifikat, für die Weltkirche, aber auch für den deutschsprachigen Raum?

Bues: Die persönliche Bescheidenheit im Papstamt ist nicht so neu, wie viele Medien sie bisher darstellen.

Auch Benedikt war auf seine Art und Weise bescheiden, trat hinter das Amt zurück, wie es nicht zuletzt der freiwillige Amtsverzicht noch einmal gezeigt hat. Man sollte da nicht künstlich Gegensätze konstruieren, wo keine sind.

Beide Päpste folgen auf ihre Weise dem Beispiel Christi.

Mit jeder Perspektive aus der Weltkirche sind neue Chancen verbunden. Das gilt auch und besonders für die ermunternde Frömmigkeit vieler Lateinamerikaner.


Für uns deutschsprachige Katholiken liegt eine Chance nicht zuletzt darin, dass wir uns nicht mehr so sehr als Nabel der Welt fühlen können, wo wir noch nicht einmal drei Prozent der Weltkirche repräsentieren.

kath.net: In welchem Verhältnis steht Ihre Unterstützung des neuen Papstes zu Ihrer Treue zum bisherigen Papst, dem Sie sich ja explizit verbunden gefühlt hatten?

Bues: Es ist ja nicht so, dass Katholiken sich wie bei der Wahl zum amerikanischen Präsidenten für einen Kandidaten entscheiden müssten. Auch die Nationalität des Papstes spielt eine geringere Rolle als viele Medien gemeinhin annehmen. Ein Konklave ist keine Olympiade.

Natürlich verdanken wir Benedikt XVI. unseren Gründungsimpuls. Wir sind aber weder ein Papst-Fanclub noch eine Benedetto-Fankurve. Das hätte Benedikt XVI. selbst am wenigsten gewollt.

Joseph Ratzinger fasziniert nicht nur durch seine Person, sondern auch und vor allem durch seinen tiefgehenden Glauben, seine sprachliche Klarheit und intellektuelle Brillianz. Er wurde zu Recht von Kardinal Meisner als „Mozart der Theologie“ bezeichnet. Jede seiner Schriften und Reden war eine Hilfe, um den Glauben tiefer zu verstehen. Daraus können wir auch über sein Pontifikat hinaus schöpfen.

Papst Franziskus wird seine eigenen Schwerpunkte setzen, für Überraschungen sorgen und auf seine Weise die Schönheit und Kraft des katholischen Glaubens zeigen. Ihm geht es auch darum, die Menschen zu einer persönlichen Begegnung mit Jesus Christus zu ermutigen.

kath.net: Überlegen Sie, Ihren Namen zu ändern?

Bues: Wir haben, gerade auch nach dem Amtsverzicht Benedikts, von jungen Menschen besonders viel Zuspruch erhalten, die Arbeit unseres Netzwerkes fortzusetzen.

Kirchlichkeit authentisch unter jungen Menschen leben, den Glauben für junge Menschen ohne Kirchenerfahrung erfahrbar machen, der Kirche in den Medien ein glaubwürdiges Gesicht geben – all das ist weiterhin wichtig und all das liegt uns weiterhin am Herzen!

Unter welchem Namen und in welcher konkreten Form wir das tun werden, darüber beraten wir derzeit im Netzwerk an den verschiedenen Standorten. Das machen wir in aller Ruhe und geben uns bis zum Sommer Zeit dafür. Ein Team aus erfahrenen und neuen Köpfen wird die Arbeit auf seine Weise neu prägen. So, wie sich das für ein Jugend-Netzwerk gehört.

kath.net: "Die deutsche Stunde in Rom ist vorbei", so formulierte neulich Paul Badde in der "Welt". Haben Ihrer Ansicht nach die deutschsprachigen Katholiken die Chancen erkannt und genutzt, die das Pontifikat von Benedikt XVI. mit sich brachte?

Bues: Wir möchten uns als junge Menschen nicht zum Richter darüber aufschwingen, ob die deutschsprachigen Katholiken das Pontifikat von Benedikt XVI. genutzt oder vertan haben.

Wir hätten uns gewünscht, dass man Benedikt in seiner Heimat mit der Offenheit begegnet, die man bei jedem seiner Besuche von ihm selbst eingefordert hat. Es hätte der Kirche in Deutschland gut getan.

Wir denken heute voller Dankbarkeit an die starken Glaubens-Impulse zurück, die Benedikt uns auf dem Weltjugendtag in Köln und auf seinen beiden Deutschland-Reisen gegeben hat. Was da in den Herzen von Hundertausenden von Menschen an Glaube, Hoffnung und Liebe geweckt wurde, lässt sich nicht in nachträgliche Analysen fassen.

Wer Ohren hat zu hören, um Jesus zu zitieren, der konnte für sich viele Antworten auf Lebensfragen und die Freude am Glauben entdecken. Diese Chance haben viele genutzt.

kath.net: Mit dem Ende des Pontifikats Benedikts XVI. ist es Zeit für eine erste Bilanz. Wie stellt sich für die mit der "Generation Benedikt" verbundenen Menschen das Pontifikat Benedikts im Rückblick dar? Wie für Sie persönlich, Frau Bues?

Bues: Gegenfrage: Wie hätte eine „erste Bilanz“ des Lebens Jesu ausgesehen? Nach nur drei Jahren Wirken als Wundertäter und Prediger am Kreuz als Verbrecher geendet. Wie hätte eine erste Bilanz des ersten Papstes Petrus ausgesehen? Nach etwa dreißig Jahren, viele davon im Gefängnis oder auf der Flucht, schließlich in Rom hingerichtet.

Wir Christen müssen uns davor hüten, vorschnelle Bilanzen nach rein menschlichen Maßstäben zu ziehen. Wir rechnen schließlich mit dem Wirken des lebendigen Gottes, der irdisches Wirken vollendet.

Wer hätte damals gedacht, dass Jesus aufersteht? Wer hätte damals gedacht, dass Petrus 265 Nachfolger haben würde? Dass das Papstamt durch alle Untiefen der Geschichte bis zur heutigen Weltgeltung gekommen ist, das ist tatsächlich ein Wunder!

Wir als Generation Benedikt wollen dieses Amt und seinen jeweiligen Inhaber auch weiter unterstützen – ganz in der Tradition des Denkens und Glaubens von Benedikts XVI. Er hat sich als „einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn“ bezeichnet.

Welche gute Ernte einmal aus diesem Pontifikat entstehen wird, das kann heute noch keiner genau wissen.

Die ganze Tragweite dieses Pontifikats wird sich wohl erst in den kommenden Jahrzehnten, vielleicht auch erst in Jahrhunderten zeigen. Es war in vielerlei Hinsicht ein Pontifikat von historischer Bedeutung – nicht nur für Deutschland.


kath.net-Video: Motivierende Selbstvorstellung der "Generation Benedikt" (2010)


Foto: (c) kath.net/Generation Benedikt


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Lesermeinungen

 Marienzweig 22. August 2013 

Liest man dieses Interview,

kommt es mir vor, als sei es erst gestern gewesen:
Die Eindrücke und Gefühle der ersten Zeit nach dem Rücktritt Papst Benedikts,
die Wahl von Kardinal Jorge Bergoglio zu Papst Franziskus.
Fast ein halbes Jahr ist es nun schon her und bereits zu einem Teil der Kirchengeschichte geworden.
Ein seltsames Gefühl!


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