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Das Muttersein neu entdecken

12. Juni 2017 in Kommentar, 9 Lesermeinungen
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Die Rolle der Mutter wird auf öffentlicher Ebene nur mehr von dem Blickwinkel „Mutter-Beruf-Kinder“ heraus betrachtet und dadurch ungemein entwertet. Die Tiefe und die Schätze der Mütterlichkeit sind verschüttet. Gastbeitrag von Manuela Fletschberger


Adnet (kath.net) Wissen Sie, was ein ansteigendes Fußbad ist? Es ist zehn Uhr vormittags und in unserem Badezimmer steht eine kleine Wanne, in der vier Kinderfüße im lauwarmen, knöcheltiefen Wasser baumeln. Und ich gieße über einen Zeitraum von fünfzehn Minuten langsam heißes Wasser zu, sodass die Wassertemperatur gemächlich auf 41° steigt. Warum wir das machen? Meine Kinder haben eine ordentliche Erkältung mit allem Drum und Dran und in solchen Fällen verlangen sie selbst schon danach: „Mama, das ist so angenehm!“ Während meine zwei Burschen nebenbei ihre Nase in ein Buch stecken, sinniere ich ein bisschen über das Muttersein. Bei der Pflege kranker Kinder erlebe ich als Mutter immer wieder, dass das Band zwischen mir und dem kranken Kind verstärkt und neu verknüpft wird. Als vierfache Mutter habe ich mit meinen Kindern schon viele Krankheiten durchgestandenen und ich weiß, dass diese Phasen für mich mal mehr, mal weniger Grenzerfahrungen waren: Sorgen, Stress, Schlafmangel und ein dünnes Nervenkorsett waren die eine Seite der Medaille, die andere jedoch war, dass der enge Kontakt mir und dem Kind guttat: das Kuscheln, das Zeitnehmen, das Kümmern und das Umsorgen. Kommt dann noch ein „Danke, Mama, dass du das alles für mich tust!“ aus dem Kindermund, dann berührt das mein Mutterherz und ich weiß mit einem Mal ganz genau, zu welcher Aufgabe ich in diesem Moment berufen bin. Ich spende Liebe und Zuneigung, hege und pflege, tröste, umsorge und opfere mich mit Hingabe für das Wohl des Kindes auf, damit es bald wieder gesund wird. Die eigenen Bedürfnisse stelle ich hinten an und trage so das kranke Kind durch diese Zeit hindurch (oft sogar im wahrsten Sinne des Wortes). In solch intensiven Phasen bin ich voll und ganz mütterlich.

Wenn ich mir dann die Berichterstattung diverser Zeitungen bzw. Medien zum Muttertag vergegenwärtige, dann werfen diese Berichte ein ärmliches, und ich würde sogar sagen, extrem eindimensionales Licht auf das Mutterbild, das heute mit größter Anstrengung durch die öffentliche Hand gezeichnet wird. All diesen Berichten entspringt nämlich nur ein dominanter Grundton: Wie kann die Mutter Beruf und Kinder bestmöglich unter einen Hut bekommen. Um ehrlich zu sein, stimmt mich das sehr nachdenklich. Es werden Handlungsweisen und Lebenshaltungen hochstilisiert, die uns nicht nur das wahre Muttersein immer mehr aus den Augen verlieren lassen, sondern das Muttersein auf diese eine Frage reduzieren. Scheinbar beschäftigt eine Mutter nur dieses Problem. Ich kann nur mit größter Überzeugung sagen: Hier läuft etwas ganz gehörig schief! Hier hat die Welt eindeutig den Blick auf das Wesentliche verloren und ist, wie es scheint, gar nicht mehr interessiert in der Berufung „Mutter“ den großen Reichtum zu sehen, der darin liegt.

Was ist eine Mutter? Was ist ihre Berufung? Was ist wahre Mütterlichkeit?

Wir Mütter selbst wissen die Antworten auf diese Fragen nicht mehr, denn, ich nenne es mal Mainstream, und der hat hier ganze Arbeit geleistet. Er hat es geschafft, dass wir Mütter unseren Blick, der eigentlich auf unsere Kinder und auf unsere Familie gerichtet war, in die Welt hinausschweifen und wirklich zu glauben begannen, dass wir nur dort draußen zur Erfüllung all unserer Sehnsüchte und Wünsche kommen würden. Und dadurch begannen wir unsere eigene Rolle als Mutter zu unterschätzen. Unser Blick und unser Gespür wurden verwirrt.

Die Rolle der Mutter wird auf öffentlicher Ebene nur mehr von dem einen Blickwinkel „Mutter-Beruf-Kinder“ heraus betrachtet und dadurch ungemein entwertet. Die Tiefe und die Schätze der Mütterlichkeit sind verschüttet. Durch das permanente Drängen in diese eine Richtung ist jedoch noch etwas Anderes geschehen: Es mangelt uns an guten Vorbildern - an Müttern, die in ihrer Berufung voll und ganz aufgehen, die Lichter für diese Welt sind.

Deshalb ist die öffentliche Diskussion über Mütter für mich so leer und hohl, denn über das Zentrum des Mutterseins wird nicht gesprochen. Ich habe den Eindruck es ist höchste Zeit, dass in dieser Hinsicht etwas aufbricht. Dass die Schätze, die nur eine Mutter der Welt schenken kann, neu gehoben und hinausgetragen werden müssen. Ich denke, dass Mütter wieder neu hören und erfahren müssen, welche hohe Würde sie durch ihre Mutterschaft teilhaftig wurden.

Das Muttersein hat so viele Dimensionen, so viele Facetten, kennt einen ungeheuren Reichtum und kann sich auf so vielen verschiedenen Ebenen entfalten, dass man damit ganze Bücher füllen kann. Im Zentrum allen Mutterseins steht zu aller erst die bedingungslose Liebe der Mutter zu ihrem Kind. Denn niemand liebt sein Kind so wie sie, niemand kennt sein Kind so wie sie, niemand weiß besser, was das Beste ist für sein Kind…

Die Mutter ist seit jeher das Sinnbild des Nährens, Tröstens, Aufrichtens, der Zuflucht und der Geborgenheit, der Selbsthingabe und der Selbstaufopferung. Unser Schöpfer hat in sie eine so große Würde hineingelegt, dass er ihr das Leben anvertraut. „Durch ein wunderbares Vorrecht ist sie auserwählt und in so inniger Weise dem Gott des Himmels verbündet, dass sie ein Kind in ihrem Schoß trägt, es nährt und erhält.“ (Joseph Haag)

Gott hat das Leben unserer Kinder mit dem unseren auf innigste Weise verwoben, sodass wir Dinge in unseren Kindern erkennen und entdecken, die der restlichen Welt verborgen sind. Und durch diese Gabe können wir ihnen am besten helfen, ihre Stärken zu entdecken und ihre Berufung zu finden. Wir kennen den inneren Kompass unserer Kinder. Dadurch ist uns eine große und wunderbare Aufgabe anvertraut: Unsere Kinder in die Welt hinauszubegleiten. Das, was eine Mutter leistet und an ihren Kindern wirkt, der Samen, den sie in die Herzen ihrer Kinder sät, lebt fort bis in ferne Zeiten.

Von alledem hört, liest, sieht man heutzutage in der öffentlichen Berichterstattung nichts mehr. So wird das Mutteramt in seiner Würde und Wichtigkeit immer mehr beschnitten. Die Frage, die ich mir nun immer wieder gestellt habe, ist: Wie könnte man das Ruder herumreißen? Wie könnte man in Bezug auf das Muttersein neue Wege einschlagen bzw. der Welt neu die Schätze der Mütterlichkeit vergegenwärtigen?

Meine Antwort auf diese Frage lautet: Beginnen müssen wir Mütter selbst! Die Kehrtwende muss bei uns anfangen! Wir Mütter müssen in unserem Herzen erfassen, wie wichtig, wertvoll und unentbehrlich wir für unsere Familie, für die Menschen und für die Gesellschaft sind. Wir Mütter sind gerufen unseren Wert nicht unter den Teppich kehren zu lassen und mit Kraft und Überzeugung für das einzutreten, was in unserem mütterlichen Herzen Grund gelegt ist. „Mama, du bist unersetzbar!“, diese Wahrheit bleibt felsenfest bestehen, auch wenn die Welt noch so fest daran rüttelt. Es gibt Dinge, die kriegen nur Mütter auf die Reihe. Dinge, die nur eine Mutter ihrem Kind schenken kann. Dinge, die nur eine Mutter für ihr Kind tun kann. Dinge, die eine Mutter nur deswegen tun kann, weil sie die Mutter ihres Kindes ist.

Eine Freundin sagte vor einiger Zeit zu mir: „Im Leben geht es um den Wert, den wir in die Dinge hineinlegen!“ Diese Erkenntnis ist für mich der Schlüssel zu vielen verschlossenen Türen. Unter anderem zur Tür der Mütterlichkeit. Denn ist es nicht so, dass etwas nur wertvoll ist, wenn wir es als wertvoll erachten? So kann ich zum Beispiel die eigenen vier Wände aufräumen und um der Ordnung willen sauber machen, oder aber, ich kann dasselbe tun mit der Intention, für meine Familie ein schönes Zuhause zu schaffen. Je nachdem, welchen Wert ich in diese Arbeit hineinlege, wird meine Familie sie auch wertschätzen. Dasselbe ist es mit dem Muttersein. Wenn wir Mütter beginnen, unseren Wert und unsere Würde, die uns von Gott her gegeben wurde, neu zu entdecken und zu schätzen, dann tragen wir diese Haltung in unser Umfeld hinaus. Und so wird auch unser Umfeld Schritt für Schritt einen neuen Blick auf die Rolle der Mutter gewinnen können.

Mittlerweile liegen meine zwei Patienten mit warmen Füßen in eine Decke gekuschelt auf unserer Couch. Da höre ich meinen ältesten Sohn sagen: „Mama, danke, dass du dich so um uns kümmerst!“

Manuela Fletschberger – Redakteurin des wertorientieren Müttermagazins SONNE IM HAUS

Das neue wertorientierte Müttermagazin SONNE IM HAUS will Müttern Rückenwind geben. Mit seinen Texten will es vermitteln, wie wertvoll und wichtig Mütter für ihre Familien sind. Durch SONNE IM HAUS soll Müttern ein neuer Blick auf das große Ganze der Mütterlichkeit eröffnet werden. Die Mutter ist das Herz der Familie und deshalb ist ihre Berufung wunderschön und großartig.

Das Magazin für Mütter erscheint viermal im Jahr. Für genauere Informationen und zur Bestellung eines Abonnements besuchen Sie folgende Website: www.sonneimhaus.at


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Lesermeinungen

 Anne Rosalia 14. Juni 2017 
 

Dieser Text tut so gut!

Tausend Dank Frau Fletschberger für Ihre Gedanken und Ihr Engagement! Ich kann Ihnen nur voll zustimmen: Muttersein ist viel mehr als die Welt erkennt. Und ja, wir Mütter müssen selbst beginnen unseren Wert zu erkennen und mit Überzeugung für die Mütterlichkeit eintreten!

Gottes Segen für Ihr Magazin!


2
 
 ART 13. Juni 2017 

@Ad Verbum Tuum

Vielen Dank für den Hinweis, da werd ich mich gleich informieren.


1
 
 TraudiH 13. Juni 2017 
 

Die Mutter ist der einzige Mensch auf der Welt, der dich schon liebt, bevor er dich kennt.


1
 
 tatjana mum 13. Juni 2017 
 

"Am Mutterwesen ist die Welt genesen"

Ich bin von ganzem Herzen gerne Mutter. Ich habe in den Aufgaben meiner Berufung als Mutter eine große Erfüllung gefunden. Ich tue es sehr gerne und ich kann es auch gut! Danke an alle Mütter, dass sie sich für diese große Aufgabe einsetzen!!


2
 
 Ad Verbum Tuum 12. Juni 2017 

@ART

diese Theologie der Frau gibt es schon. Von Papst JPII.
Die Enzyklika "Mulieris dignitatem", wo auf die ganz besondere Berufung der Frau eingegangen wird.
Eine Zumutung für die heutige Zeit, in der doch Gleichberechtigung nur dann als erreicht gilt, wenn Frau und Mann gleich geworden, nicht weiter unterscheidbar, sind.


2
 
 Chris2 12. Juni 2017 
 

Nur wer selbst Kinder hat,

kann nachempfinden, wie wundervoll es ist, diese kleinen Wesen wachsen zu sehen und sie dabei begleiten zu dürfen (und in der Pubertät vielleicht auch mal begleiten zu müssen). Sage ich als Vater. Um wie viel mehr muss das eine Mutter empfinden, sofern sie noch nicht ideologisch, durch die Sünde oder schlimme Erlebnisse verdreht wurde...


3
 
 Loreen80 12. Juni 2017 
 

Hm....

Also ich bin auch Mutter und Hausfrau. Auch berufstätige Mütter pflegen ihre Kinder liebevoll und räumen auf. Während es auch Hausfrauen gibt, die es nicht nötig haben aufzuräumen weil sie sich eine Reinigungskraft leisten können. Sie gehen am Vormittag lieber zum Sport oder zur Massage.

Ich bin Hausfrau weil ich zum einen nicht möchte, dass meine Kinder eine Ganztagsbetreuung in Anspruch nehmen müssen. Aber auch weil ich mich nicht vor einem Chef rechtfertigen möchte für Vormittage die ich meinen Kindern widme oder für Vormittage die ich schlichtweg für mich brauche (shoppen, Sport, Kaffee trinken mit Freundinnen). Es steckt auch etwas Egoismus hinter meinem Motiv Hausfrau zu sein.


2
 
 ART 12. Juni 2017 

Übrigens

Eine Theologie der Frau, die sich auf die biblischen Wurzeln bezieht würde mir besser gefallen als eine Frauenquote


4
 
 ART 12. Juni 2017 

Wertvoller Beitrag

Vielen Dank für dieses wichtige Engagement für Familien. Eine Besinnung auf den Wert der Mutterschaft könnte wirklich die Welt verändern. Papst Franziskus sprach schon öfter von einer Theologie der Frau, diese könnte helfen, die Weiblichkeit wieder neu zu entdecken und so jenseits von Gender-Mainstreaming und Gleichmacherei zur vollen Entfaltung zu führen.


7
 

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