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Irak: Kardinal Sako plädiert für säkularen Staat

19. August 2020 in Weltkirche, 3 Lesermeinungen
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Chaldäischer Patriarch fordert Verbesserung des politischen Systems im Irak und mehr Schutz für Christen - Weihbischof Yaldo: "Stimme der Demonstranten hören"


Bagdad (kath.net/KAP) Der chaldäische Patriarch Kardinal Louis Raphael I. Sako hat Hoffnung auf die Rückkehr von Christen in den Irak sowie auf mehr politische Stabilität und Sicherheit in dem von politischen Unruhen geprägten Land. Bei einem jüngsten Treffen mit dem neuen Premierminister Mustafa Al-Kadhimi forderte Sako u.a. eine Verbesserung des politischen Systems im Irak, etwa durch eine Trennung zwischen Staat und Religionen, wobei Minderheiten, wie die Christen, besonderen Schutz benötigten, wie der Pressedienst "AsiaNews" (Dienstag) berichtete. Erforderlich sei auch die Einbürgerung von irakischen Christen, die in den Libanon ausgewandert und nun von der schweren Explosionskatastrophe vom 4. August betroffen sind, so der Patriarch.

Der Irak gehöre allen, auch den Christen, betonte Premier Al-Kadhimi bei der Begegnung in der vergangenen Woche. Die Christen bezeichnete der Regierungschef im Zuge des Gesprächs laut "Vatican News" als "Kinder des Landes". "Iraker aller Konfessionen wünschen sich ein neues Irak, das an den Frieden glaubt und Gewalt ablehnt", zeigte sich der seit Mai amtierende Premier überzeugt. Ziel sei eine Rückkehr der geflohenen Christen zu ermöglichen, so Al-Kadhimi.
Patriarch Sako seinerseits bekräftigte bei dem Treffen, dass die irakische Kirche die Bemühungen der neuen Regierung zur Wiederherstellung von Stabilität unterstütze. Der chaldäische Patriarch erinnerte daran, dass "Christen stolz auf ihre irakische Identität sind" und betonte, dass sie sich durch den Ansatz der gegenwärtigen Regierung beruhigt fühlen und viele "in den Irak zurückkehren wollen".


Rückkehr der Ninive-Christen

Im August 2015 wurden 120.000 Menschen von der Terrorgruppe "Islamischer Staat" aus ihren Häusern vertrieben. Nach Angaben des Patriarchen sind inzwischen rund 40 Prozent der vertriebenen Christen in ihre Heimatstädte zurückgekehrt. Seit der Befreiung der Städte Mosul und Qaraqosh seien viele Christen wieder zurückgekehrt. Jedoch sei ihre Rückkehr durch ein "Klima der Unsicherheit, Diskriminierung, Einschüchterung und Belästigung beeinträchtigt", mahnte Sako.

"Stimme der Demonstranten hören"

Al-Kadhimi hatte Anfang Mai die Regierungsgeschäfte übernommen, nachdem die Vorgängerregierung unter Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi nach monatelangen, teils gewaltsamen Protesten, die sich vor allem gegen die Regierung und die Korruption in der politischen Klasse des Landes richteten, zurückgetreten war. Sicherheitskräfte hatten zuvor versucht die Proteste gewaltsam zu unterdrücken, nach verschiedenen Angaben wurden mehr als 550 Menschen getötet und Zehntausende verletzt. Neo-Premier Al-Kadhimi kündigte zuletzt für Juni 2021 eine vorgezogene Parlamentswahl an

"Wir haben dem Ministerpräsidenten und seinen Mitarbeitern gesagt, dass die Stimme der Demonstranten gehört werden muss", berichtete Weihbischof Basil Yaldo vom Gespräch zwischen Sako und Al-Kadhimi. Patriarch Sako plädiert seit Beginn der Proteste für Frieden und Stabilität im Land.


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