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Die erhabensten Worte des Johannesevangeliums

3. Mai 2021 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: das Paradox der Menschwerdung. Das wahre Antlitz Gottes im Antlitz Jesu schauen: in seinem Antlitz sehen wir wirklich, wer Gott ist und wie Gott ist. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) 3. Mai: Gedenktag der Apostel Philippus und Jakobus des Jüngeren. In der Katechese bei der Generalaudienz vom 6. September 2006 widmete Papst Benedikt XVI. seine Aufmerksamkeit dem Apostel Philippus, der wie Petrus und Andreas aus Betsaida in Galiläa stammte und wie sie zu den ersten Jüngern Jesu gehörte.

Im Johannesevangelium sei zu hören, wie er der Einladung Jesu entschlossen Folge leiste und wenig später selbst zum Apostel werde. Offen und frei erzähle er Natanaël von seiner Begegnung mit Jesus, „dass er den gefunden hat, auf den Israel wartet“. Doch er sehe zugleich, dass nur die persönliche Erfahrung Natanaël überzeugen könne, dass dies der Erwartete ist und darum fordert er Natanaël, den Zweifelnden, Skeptischen einfach auf: „Komm und sieh!“ (Joh 1,46).

Noch einen besonderen Aspekt betonte Benedikt XVI.:

„Dann gibt es noch eine andere ganz besondere Gelegenheit, bei der Philippus in den Vordergrund tritt. Während des Letzten Abendmahls, nachdem Jesus gesagt hatte, daß ihn zu erkennen bedeutet, auch den Vater zu erkennen (vgl. Joh 14,7), fragte ihn Philippus beinahe naiv: »Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns« (Joh 14,8).

Jesus antwortete ihm mit liebevoll tadelndem Tonfall: »Schon so lange bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen! Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und daß der Vater in mir ist? … Glaubt mir doch, daß ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist« (Joh 14,9–11).

Diese Worte gehören zu den erhabensten Worten des Johannesevangeliums. Sie enthalten eine wirkliche Offenbarung. Am Ende des Prologs seines Evangeliums sagt Johannes: »Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht« (Joh 1,18)

Jene Erklärung, die vom Evangelisten stammt, wird von Jesus selbst aufgenommen und bestätigt, jedoch mit einer neuen Nuance. Während nämlich der Johannesprolog von einem erklärenden Eingreifen Jesu durch die Worte seiner Lehre spricht, bezieht sich Jesus in seiner Antwort an Philippus auf seine eigene Person als solche und macht damit deutlich, dass es möglich ist, ihn nicht nur durch das zu verstehen, was er sagt, sondern mehr noch durch das, was er ganz einfach ist. Um es gemäß dem Paradox der Menschwerdung auszudrücken, können wir wohl sagen, daß Gott ein menschliches Antlitz angenommen hat, das Antlitz Jesu, und infolgedessen brauchen wir von nun an, wenn wir das Antlitz Gottes wirklich erkennen wollen, nichts anderes tun, als das Antlitz Jesu zu betrachten! In seinem Antlitz sehen wir wirklich, wer Gott ist und wie Gott ist!“.

Und so hinterlasse uns Philippus diese Botschaft, andere in die persönliche Begegnung mit Jesus hineinzuführen.

Bereits am 28. Juni 2006 hatte sich Benedikt XVI. bei der Generalaudienz mit der Gestalt des Apostels Jakobus des Jüngeren auseinandergesetzt., Jakobus, der „Herrenbruder“, als den ihn die Apostelgeschichte kennt, der in der frühen Kirche ein wichtige Rolle gespielt und beim Apostelkonzil in Jerusalem eingenommen haben soll.

Dort unterbreite er einen bedeutsamen Vorschlag: den Heiden, „die sich zu Gott bekehrt haben, soll nicht die schwere Last aller mosaischen Gesetzesvorschriften aufgebürdet werden; nur an einige besonders wichtige müssen sie sich halten (vgl. Apg 15, 19-20)“.

Schließlich betone der Jakobusbrief, dass der Glaube und die Werke zusammengehören und dass der Glaube ohne die Werke tot sei (vgl. Jak 2, 14-26). Dabei gehe es nicht um „Werkgerechtigkeit“ oder gar um Selbsterlösung, sondern darum, „dass der Glaube und die Gnade Gottes im Leben der Christen durch die Werke der Liebe fruchtbar und sichtbar werden“.

Benedikt XVI. bei der Generalaudienz am 28. Juni 2006 zum heiligen Apostel Jakobus dem Jüngeren:


Neben der Gestalt Jakobus’ »des Älteren«, Sohn des Zebedäus, von dem wir am vergangenen Mittwoch gesprochen haben, kommt in den Evangelien noch ein weiterer Jakobus vor, der »der Jüngere« genannt wird. Auch er scheint in den Listen der von Jesus persönlich erwählten zwölf Apostel auf und wird immer als »der Sohn des Alphäus« bezeichnet (vgl. Mt 10,3; Mk 3,18; Lk 6,15; Apg 1,13). Er wurde oft mit einem anderen Jakobus identifiziert, der »der Kleine« genannt wird (vgl. Mk 15,40) und Sohn einer Maria war (vgl. ebd.), die »Maria, Frau des Klopas« sein könnte. Sie stand laut dem Vierten Evangelium zusammen mit der Mutter Jesu unter dem Kreuz (vgl. Joh 19,25). Auch Jakobus stammte aus Nazaret und war wahrscheinlich ein Verwandter Jesu (vgl. Mt 13,55; Mk 6,3); deshalb wird er nach semitischem Brauch als dessen »Bruder« bezeichnet (vgl. Mk 6,3; Gal 1,19). Die Apostelgeschichte hebt die herausragende Rolle dieses letztgenannten Jakobus in der Kirche von Jerusalem hervor.

Beim Apostelkonzil, das dort nach dem Tod Jakobus’ des Älteren, abgehalten wurde, trat er zusammen mit den anderen dafür ein, daß die Heiden in die Kirche aufgenommen werden konnten, ohne sich vorher der Beschneidung zu unterziehen (vgl. Apg 15,13ff.). Der hl. Paulus, der ihm eine besondere Erscheinung des Auferstandenen zuschreibt (vgl. 1 Kor 15,7), nennt ihn, als er von seinem eigenen Gang nach Jerusalem berichtet, sogar vor Kephas- Petrus und bezeichnet ihn wie diesen als »Säule« der Kirche (vgl. Gal 2,9). In der Folge sahen die Judenchristen in ihm ihren Hauptbezugspunkt. Ihm wird auch der Brief zugeschrieben, der als Jakobusbrief zum Kanon der neutestamentlichen Schriften gehört. Darin bezeichnet er sich nicht als »Herrenbruder«, sondern als »Knecht Gottes und Jesu Christi, des Herrn« (Jak 1,1).

Unter den Gelehrten wird die Frage der Gleichsetzung dieser beiden Persönlichkeiten mit demselben Namen, Jakobus, Sohn des Alphäus, und Jakobus, der »Herrenbruder«, diskutiert. Die Überlieferungen der Evangelien haben uns weder über den einen noch über den anderen irgendeinen Bericht hinterlassen, der auf die Zeit des irdischen Lebens Jesu Bezug nähme. Die Apostelgeschichte hingegen zeigt uns, daß ein »Jakobus«, wie wir schon erwähnt haben, nach der Auferstehung Jesu eine sehr wichtige Rolle in der Urkirche gespielt hat (vgl. Apg 12,17; 15,13–21; 21,18).

Die bedeutendste Tat, die er vollbrachte, war seine Stellungnahme in der Frage der schwierigen Beziehung zwischen den Christen jüdischer Herkunft und jenen heidnischer Herkunft: Er hat zusammen mit Petrus dazu beigetragen, die ursprüngliche jüdische Dimension des Christentums zu überwinden – oder, besser gesagt, zu ergänzen – durch die Forderung, den bekehrten Heiden nicht die Verpflichtung aufzuerlegen, sich sämtlichen Vorschriften des mosaischen Gesetzes zu unterwerfen.

Die Apostelgeschichte hat uns die von Jakobus vorgeschlagene und von den anderen anwesenden Aposteln angenommene Kompromißlösung überliefert, wonach die Heiden, die an Jesus Christus glauben, nur angewiesen werden sollen, sich des götzendienerischen Brauchs, das Fleisch der den Göttern zum Opfer dargebrachten Tiere zu essen, und der »Unzucht« zu enthalten, ein Begriff, der wahrscheinlich auf bestimmte nicht gestattete eheliche Verbindungen anspielte. Es handelte sich praktisch nur um die Einhaltung weniger Verbote der mosaischen Gesetzgebung, die als sehr wichtig angesehen wurden.

Auf diese Weise gelangte man zu zwei bedeutsamen, einander ergänzenden Ergebnissen, die beide bis heute gültig sind: Auf der einen Seite wurde die unlösbare Beziehung anerkannt, die das Christentum an die jüdische Religion als seinen ewig lebendigen und gültigen Ursprung bindet; auf der anderen Seite wurde den Christen heidnischer Herkunft erlaubt, ihre eigene soziologische Identität beizubehalten, die sie verloren hätten, wenn sie zur Einhaltung der sogenannten mosaischen »Zeremonialvorschriften« gezwungen gewesen wären: Diese sollten nun für die bekehrten Heiden nicht mehr als verpflichtend gelten. Im wesentlichen begann damit eine Praxis gegenseitiger Wertschätzung und Achtung, die trotz bedauerlicher späterer Mißverständnisse ihrem Wesen nach darauf abzielte, das zu bewahren, was für jede der beiden Seiten charakteristisch war.

Die älteste Nachricht über den Tod dieses Jakobus liefert uns der jüdische Historiker Josephus Flavius. In seinem Werk Antiquitates Iudaicae (Jüdische Altertümer, 20,201f.), das er Ende des ersten Jahrhunderts in Rom verfaßte, berichtet er uns, daß der Tod des Jakobus beschlossen worden sei durch eine unrechtmäßige Initiative des Hohenpriesters Anan, Sohn des in den Evangelien bezeugten Hannas. Anan habe die Zeitspanne zwischen der Absetzung eines römischen Statthalters (Festus) und der Ankunft von dessen Nachfolger (Albinus) ausgenützt, um im Jahr 62 die Steinigung des Jakobus durch Dekret zu verfügen.

Mit dem Namen dieses Jakobus ist neben dem apokryphen Protoevangelium des Jakobus, das die Heiligkeit und Jungfräulichkeit Mariens, der Mutter Jesu, hervorhebt, vor allem der Brief verbunden, der seinen Namen trägt. Im Kanon der Schriften des Neuen Testaments nimmt er unter den sogenannten Katholischen Briefen, also den Briefen, die nicht nur an eine einzelne Gemeinde – wie Rom, Ephesus usw. –, sondern an viele Gemeinden gerichtet sind, den ersten Platz ein. Es handelt sich um ein sehr bedeutendes Schreiben, das die Notwendigkeit stark betont, den eigenen Glauben nicht auf eine rein verbales oder abstraktes Bekenntnis zu reduzieren, sondern ihn konkret in guten Werken auszudrücken. Unter anderem fordert er uns zur Beständigkeit in den Prüfungen auf, die mit Freude angenommen werden sollen, und zum vertrauensvollen Gebet, um von Gott die Gabe der Weisheit zu erlangen, durch die wir schließlich begreifen, daß die wahren Werte des Lebens nicht in den vergänglichen Reichtümern, sondern vielmehr in der Fähigkeit liegen, seinen Besitz mit den Armen und Bedürftigen zu teilen (vgl. Jak 1,27).

So zeigt uns der Brief des hl. Jakobus ein sehr konkretes und praxisbezogenes Christentum. Der Glaube muß im Leben verwirklicht werden, vor allem in der Liebe zum Nächsten und besonders im Einsatz für die Armen. Vor diesem Hintergrund muß auch das berühmte Wort gelesen werden: »Denn wie der Körper ohne den Geist tot ist, so ist auch der Glaube tot ohne Werke« (Jak 2,26).

Diese Erklärung des Jakobus wurde bisweilen den Aussagen des Paulus entgegengestellt, wonach wir von Gott nicht durch unsere Werke, sondern allein durch unseren Glauben gerechtfertigt werden (vgl. Gal 2,16; Röm 3,28). Doch diese beiden Sätze, die sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Sichtweise zu widersprechen scheinen, ergänzen einander in Wirklichkeit, wenn sie richtig ausgelegt werden. Der hl. Paulus widersetzt sich dem Hochmut des Menschen, der meint, er bedürfe der uns zuvorkommenden Liebe Gottes nicht; er widersetzt sich dem Hochmut der Selbstrechtfertigung ohne die Gnade, die ein reines Geschenk und unverdient ist. Der hl. Jakobus hingegen spricht von den Werken als einer ganz normalen Frucht des Glaubens: »Jeder gute Baum bringt gute Früchte«, sagt der Herr (Mt 7,17).

Und der hl. Jakobus wiederholt und sagt es uns. Zuletzt ermahnt uns der Jakobusbrief, uns in allem, was wir tun, den Händen Gottes zu überlassen und dabei immer die Worte zu sprechen: »Wenn der Herr will« (Jak 4,15). So lehrt er uns, uns nicht anzumaßen, unser Leben unabhängig und nur auf unsere eigenen Interessen ausgerichtet zu planen, sondern dem unerforschlichen Willen Gottes Raum zu geben, der das wahrhaft Gute für uns kennt. Auf diese Weise bleibt der hl. Jakobus ein stets zeitgemäßer Lehrmeister des Lebens für jeden von uns.

***

Benedikt XVI. bei der Generalaudienz am 6. September 2006 zum heiligen Apostel Philippus:

Wir wollen fortfahren, die Persönlichkeiten der verschiedenen Apostel nachzuzeichnen, wie wir es seit einigen Wochen tun, und begegnen heute Philippus. In den Zwölferlisten steht er immer an fünfter Stelle (so in Mt 10,3; Mk 3,18; Lk 6,14; Apg 1,13), also im Grunde unter den ersten. Obwohl Philippus jüdischer Herkunft war, ist sein Name wie der des Andreas griechisch, und das ist ein kleines Zeichen kultureller Offenheit, das man nicht unterschätzen sollte. Die Nachrichten, die wir über ihn besitzen, liefert uns das Johannesevangelium. Er stammte aus demselben Heimatort wie Petrus und Andreas, nämlich aus Betsaida (vgl. Joh 1,44), einer kleinen Stadt, die zur Tetrarchie eines der Söhne Herodes des Großen gehörte, der ebenfalls Philippus hieß (vgl. Lk 3,1).

Das vierte Evangelium berichtet, daß Philippus nach seiner Berufung durch Jesus Natanaël trifft und zu ihm sagt: »Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus aus Nazaret, den Sohn Josefs« (Joh 1,45). Auf die eher skeptische Antwort Natanaëls hin (»Aus Nazaret? Kann von dort etwas Gutes kommen?«) gibt Philippus nicht auf und entgegnet entschieden: »Komm und sieh!« (Joh 1,46). In dieser trockenen, aber klaren Antwort zeigt Philippus die Eigenschaften des wahren Zeugen: Er begnügt sich nicht damit, die Botschaft wie eine Theorie zu verkünden, sondern wendet sich direkt an seinen Gesprächspartner und schlägt ihm vor, das, was ihm verkündet wurde, persönlich zu erfahren. Dieselben Verben verwendet auch Jesus selbst, als zwei Jünger Johannes des Täufers sich ihm nähern, um ihn zu fragen, wo er wohne: »Kommt und seht« (vgl. Joh 1,38–39).

Wir dürfen annehmen, daß Philippus mit jenen beiden Verben, die auf ein persönliches Einbezogensein hindeuten, sich auch an uns wendet. Auch zu uns sagt er, was er zu Natanaël gesagt hat: »Komm und sieh«. Der Apostel verpflichtet uns, Jesus aus der Nähe kennenzulernen. In der Tat braucht die Freundschaft, das wahre Kennenlernen des anderen, die Nähe, ja teilweise lebt sie sogar von ihr. Im übrigen darf man nicht vergessen, daß – nach den Worten des Markus – Jesus die Zwölf hauptsächlich mit der Absicht auswählte, sie »bei sich haben« zu wollen (Mk 3,14), daß sie also sein Leben mit ihm teilen und direkt von ihm nicht nur seine Verhaltensweise lernen sollten, sondern vor allem, wer er wirklich ist. Denn nur so, durch die Teilnahme an seinem Leben, konnten sie ihn kennenlernen und dann verkünden. Später wird man im Brief des Paulus an die Epheser lesen, daß es darauf ankommt, »Christus zu lernen« (vgl. Eph 4,20), also nicht nur und nicht in erster Linie seine Lehre, seine Worte zu hören, sondern vielmehr ihn persönlich, also sein Menschsein und seine Göttlichkeit, sein Geheimnis und seine Schönheit kennenzulernen. Denn er ist nicht nur ein Lehrmeister, sondern ein Freund, ja ein Bruder. Wie könnten wir ihn wirklich kennenlernen, wenn wir fern von ihm blieben? Die enge Beziehung, die Verbundenheit, die Vertrautheit lassen uns die wahre Identität Jesu Christi entdecken. Und eben daran erinnert uns der Apostel Philippus. So lädt er uns ein, zu »kommen« und zu »sehen«, das heißt, Tag für Tag mit Jesus in eine Verbindung des Zuhörens, des Antwortgebens und der Lebensgemeinschaft einzutreten.

Vor dem Ereignis der Brotvermehrung richtete Jesus dann eine bestimmte und ziemlich überraschende Frage an ihn: Wo es möglich wäre, Brot zu kaufen, um all die Menschen, die ihm folgten, zu sättigen (vgl. Joh 6,5). Da antwortete Philippus mit großem Realismus: »Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll« (Joh 6,7). Hier sieht man die Konkretheit und den Realismus des Apostels, der zu beurteilen vermag, was eine Situation wirklich mit sich bringt. Wie es dann weitergegangen ist, wissen wir. Wir wissen, daß Jesus die Brote nahm, das Dankgebet sprach und sie austeilte. So geschah die Brotvermehrung. Interessant ist aber, daß Jesus sich gerade an Philippus wandte, um einen ersten Hinweis darauf zu erhalten, wie man das Problem lösen sollte: ein offenkundiges Zeichen dafür, daß Philippus zum engeren Kreis gehörte, der Jesus umgab. Zu einem anderen, für die spätere Geschichte sehr wichtigen Zeitpunkt, kurz vor dem Leiden Jesu, traten einige Griechen, die sich zum Paschafest im Jerusalem aufhielten, »an Philippus heran … und sagten zu ihm: Herr, wir möchten Jesus sehen. Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus« (Joh 12,20–22). Wieder haben wir einen Hinweis auf sein besonderes Ansehen innerhalb des Apostelkollegiums. Vor allem tritt er in diesem Fall als Vermittler zwischen der Anfrage einiger Griechen – wahrscheinlich sprach er Griechisch und konnte als Übersetzer fungieren – und Jesus auf; auch wenn er sich mit Andreas, dem anderen Apostel mit einem griechischen Namen, zusammenschließt, ist dennoch er es, an den jene Fremden sich wenden. Das lehrt uns, daß auch wir immer bereit sein müssen, einerseits Fragen und Bitten, von welcher Seite sie auch kommen mögen, anzunehmen und sie andererseits an den Herrn zu richten, den einzigen, der sie ganz erfüllen kann. Es ist nämlich wichtig zu wissen, daß nicht wir die eigentlichen Adressaten der Bitten derer sind, die an uns herantreten, sondern der Herr: Zu ihm müssen wir jeden hinführen, der sich in Not befindet; jeder von uns muß ein Weg sein, der zu ihm führt!

Dann gibt es noch eine andere ganz besondere Gelegenheit, bei der Philippus in den Vordergrund tritt. Während des Letzten Abendmahls, nachdem Jesus gesagt hatte, daß ihn zu erkennen bedeutet, auch den Vater zu erkennen (vgl. Joh 14,7), fragte ihn Philippus beinahe naiv: »Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns« (Joh 14,8). Jesus antwortete ihm mit liebevoll tadelndem Tonfall: »Schon so lange bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen! Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, daß ich im Vater bin und daß der Vater in mir ist? … Glaubt mir doch, daß ich im Vater bin und daß der Vater in mir ist« (Joh 14,9–11). Diese Worte gehören zu den erhabensten Worten des Johannesevangeliums. Sie enthalten eine wirkliche Offenbarung. Am Ende des Prologs seines Evangeliums sagt Johannes: »Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht« (Joh 1,18). Jene Erklärung, die vom Evangelisten stammt, wird von Jesus selbst aufgenommen und bestätigt, jedoch mit einer neuen Nuance. Während nämlich der Johannesprolog von einem erklärenden Eingreifen Jesu durch die Worte seiner Lehre spricht, bezieht sich Jesus in seiner Antwort an Philippus auf seine eigene Person als solche und macht damit deutlich, daß es möglich ist, ihn nicht nur durch das zu verstehen, was er sagt, sondern mehr noch durch das, was er ganz einfach ist. Um es gemäß dem Paradox der Menschwerdung auszudrücken, können wir wohl sagen, daß Gott ein menschliches Antlitz angenommen hat, das Antlitz Jesu, und infolgedessen brauchen wir von nun an, wenn wir das Antlitz Gottes wirklich erkennen wollen, nichts anderes tun, als das Antlitz Jesu zu betrachten! In seinem Antlitz sehen wir wirklich, wer Gott ist und wie Gott ist!

Der Evangelist sagt uns nicht, ob Philippus die Worte Jesu vollkommen verstanden hat. Sicher ist, daß er sein ganzes Leben ihm hingegeben hat. Nach einigen späteren Berichten (den Philippus- Akten und anderen) soll unser Apostel zuerst Griechenland und dann Phrygien evangelisiert und dort, in Hierapolis, den Tod durch Hinrichtung erlitten haben, wobei die Hinrichtung auf unterschiedliche Weise entweder als Kreuzigung oder als Steinigung beschrieben wird. Wir wollen unsere Betrachtung schließen, indem wir das Ziel, auf das unser Leben ausgerichtet sein soll, in Erinnerung rufen: Jesus so zu begegnen, wie ihm Philippus begegnet ist, indem wir versuchen, in ihm Gott selbst, den himmlischen Vater, zu sehen. Wäre dieses Bemühen nicht vorhanden, so würden wir wie in einem Spiegel immer nur auf uns selbst zurückgeworfen und wären immer einsamer! Philippus hingegen lehrt uns, uns von Jesus ergreifen zu lassen, bei ihm zu sein und auch andere zur Teilhabe an dieser unverzichtbaren Gemeinschaft einzuladen – und im Sehen, im Finden Gottes das wahre Leben zu finden.


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