Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Schweiz: Bischof Bonnemain bei Beerdigung von Bischof Huonder
  2. Kardinal Müller: "Sie sind wie die SA!"
  3. Bistum Trier entlässt AFD-Landtagsabgeordneten Schaufert aus einem Kirchengremium
  4. Der Münchner Pro-Life-Marsch UND was die deutschen Medien verschweigen
  5. 'Allahu akbar' - Angriff auf orthodoxen Bischof in Australien - Polizei: Es war ein Terrorakt!
  6. Ablehnung von Fiducia supplicans: Afrikas Bischöfe haben ‚für die ganze Kirche’ gesprochen
  7. Großes Interesse an Taylor Swift-Gottesdienst in Heidelberg
  8. Eine kleine Nachbetrachtung zu einer Konferenz in Brüssel
  9. Mehrheit der Deutschen fürchtet Islamisierung Europas
  10. Höchstgericht entscheidet über Bibel-Tweet von Ex-Ministerin Räsänen
  11. Deutsche Bischofskonferenz nimmt Bericht zur reproduktiven Selbstbestimmung „mit großer Sorge“ wahr
  12. Vatikan: Religionsfreiheit durch Urteil gegen Kardinal bedroht
  13. Meloni: Leihmutterschaft ist ,unmenschliche Praxis‘
  14. ,Ich habe Pornographie gemacht – jetzt mache ich Rosenkränze!‘
  15. Das Mediennetzwerk Pontifex, gegründet 2005 als "Generation Benedikt", beendet seine Tätigkeit

Indien: „Die Pandemie lehrt uns, dass wir gemeinsam kämpfen müssen, wenn wir überleben wollen“

29. Mai 2021 in Weltkirche, 2 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Erzbischof von Bhopal sieht trotz der Krise auch ermutigende Signale


Wien-München (kath.net/KIN)

Indien wird aktuell von der Corona-Krise schwer gebeutelt. Jüngst schien die Zahl der Toten und Infizierten leicht rückläufig, allerdings bereitet eine Pilz-Erkrankung unter Covid-19-Patienten neue Sorgen.

In Indien leben rund 68 Millionen Christen. Viele von ihnen gehören zu den ärmsten Bevölkerungsschichten und werden in einigen Landesteilen diskriminiert.

Trotz der angespannten Lage sieht der Erzbischof von Bhopal in Zentralindien, Leo Cornelio, auch hoffnungsvolle Signale im Kampf gegen die Pandemie. Priester, Ordensleute und Gläubige stünden dabei an vorderster Front.

Das Interview führte Volker Niggewöhner von „Kirche in Not“ Deutschland.

 

Volker Niggewöhner: Herr Erzbischof, uns erreichen dramatische Berichte über die Covid-19-Situation in Indien. Wie ist die Lage in Ihrem Erzbistum Bhopal?

Erzbischof Leo Cornelio: Die Situation ist dramatisch. Als die erste Covid-19-Welle die Welt heimgesucht hat, hat es Europa und die USA stärker getroffen als Indien. Die Menschen und die politische Führung wurden leichtsinnig. Die zweite Welle hat uns völlig überrascht. Im Bundesstaat Madhya Pradesh sind mein Bischofssitz Bhopal und die Stadt Indore mit am stärksten betroffen. Beide Städte sind seit fast sieben Wochen im Lockdown. Alle Krankenhäuser hier sind voll. Medikamente und Sauerstoff sind schwer zu bekommen. Aktuell liegt die Zahl der Menschen, die an Covid-19 gestorben sind, über 300 000. Aber inoffiziell ist die Zahl viel höher, manche Beobachter schätzen zehnmal so hoch! Denn viele erkrankte Menschen sind zu Hause geblieben und dort gestorben. 


 

Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy hat über die dramatische Lage gesagt: „Die Reichen atmen leichter als die Armen.“ Trifft das zu?

Ich kann dieser Aussage nicht widersprechen. Die Reichen werden reicher und die Armen sind ihrem Schicksal überlassen. Aufgrund der Pandemie haben viele Menschen ihren Arbeitsplatz verloren. Ausgangssperren und andere Beschränkungen haben die Wirtschaft lahmgelegt. Es gibt kein Krankenversicherungssystem. Arme Menschen können sich die Krankenhausrechnungen einfach nicht leisten. So ersticken die Armen weiter und sterben.

 

Wie nehmen Sie die Stimmung in der indischen Bevölkerung wahr?

Seit einigen Jahren ist unser Land zunehmend mit Spaltungstendenzen konfrontiert, die durch politische Ambitionen hervorgerufen werden. Verstöße gegen grundlegende Menschenrechte, religiöse Polarisierung und die Frage nach der Loyalität gegenüber dem Staat wurden zu Werkzeugen in den Händen der Machthaber, um die Menschen zu spalten.

Die Pandemie lehrt uns, dass wir gemeinsam kämpfen müssen, wenn wir überleben wollen. Politische Macht, wirtschaftliche Sicherheit, körperliche Gesundheit: All das geht vorbei und ist nicht dauerhaft. Was zählt, sind Nächstenliebe, Geschwisterlichkeit und Mitgefühl – Werte, wie sie die heilige Mutter Teresa von Kalkutta gelebt hat. Immer mehr Menschen in Indien erkennen diesen Aspekt.

 

Wie kann die katholische Kirche den Menschen während der Corona-Krise beistehen?

In Bezug auf die geistliche Begleitung der Gläubigen finden in den meisten Diözesen Indiens regelmäßig Online-Eucharistiefeiern statt. In der Erzdiözese Bhopal haben wir vereinbart, dass unsere Pfarrer die Gläubigen durch Online-Programme begleiten. Wir ermutigen die Pfarrer, zu jeder Familie in der Gemeinde Kontakt aufzunehmen. Sie sollen sich nach den wirtschaftlichen Bedürfnissen erkundigen und den Familien auf jede erdenkliche Weise helfen. Wir stellen zum Beispiel Lebensmittelpakete zur Verfügung. Oft geschieht das durch die „Kleinen christlichen Gemeinschaften“, eine Laienbewegung, die in Indien sehr aktiv ist.

 

Sind die Seelsorger, die den Menschen beistehen, besonders gefährdet?

In meiner Diözese sind 18 Priester an Covid-19 erkrankt, einer ist gestorben. Auch eine große Zahl von Ordensleuten hat sich infiziert, vier Ordensschwestern sind ums Leben gekommen. In ganz Indien sind bislang über 170 Priester an Covid-19 gestorben und eine große Anzahl von Ordensleuten und Gläubigen. Anfang Mai ist auch der Bischof Jhabua, Basil Bhuriya, an den Folgen einer Infektion verstorben.

 

Wird das Engagement der Kirche geschätzt in einem Land, das sich als hinduistische Nation versteht?

Die Kirche in Indien ist in jeder Krisensituation, mit der unser Land bislang konfrontiert war, von sich aus aktiv geworden. Priester, Ordensleute und andere kirchliche Mitarbeiter waren führend bei Hilfs- und Wiederaufbauarbeiten. Die kirchlichen Einrichtungen, zum Beispiel Krankenhäuser und medizinische Versorgungsstationen, sind vom Staat anerkannt. Manchmal steht die Kirche jedoch unter dem Verdacht, wir würden die Menschen durch unsere Arbeit bekehren wollen. Diese Kritiker verstehen die Haltung Christi nicht, der gesagt hat: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder und Schwestern tut, das habt ihr mir getan.“

 

Gibt es etwas, das Ihnen in der aktuellen Krise Mut macht?

Die Pandemie hat die Inder wieder mehr geeint. In Bhopal und anderswo haben sich die Menschen zusammengeschlossen, um Lebensmittel, Unterkunft, medizinische Hilfen und anderes mehr zur Verfügung zu stellen. Obwohl die katholische Kirche eine kleine Minderheit ist, waren wir von Anfang an dabei. Unsere Gemeinden haben Lebensmittelpakete, Schutzmasken und Desinfektionsmittel an bedürftige Menschen verteilt. Wir haben in unserem Pastoralzentrum der Diözese eine Quarantänestation eingerichtet, in die wir mittellose Menschen aufnehmen und pflegen. „Tu Deine Pflicht, Belohnung sei nicht Dein Anliegen“, lautet ein indisches Sprichwort. Wir sind zuversichtlich, dass am Ende des Tunnels Licht sein wird.

 

Foto: Verteilung von Lebensmitteln im Bistum Hazaribag. © Kirche in Not


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 Fischlein 1. Juni 2021 
 

@Octavianus

Wenn jemand von der „sogenannten Pandemie“ schreibt, dann liegt dem ein Vergleich zugrunde.
Relativ bis vor kurzem war die Pandemie ein Begriff für massenhaftes Sterben wegen einer Krankheit. Die Bevölkerung wurde dezimiert, manche Gebiete sind menschenleer geworden, weil viele verstarben, andere geflohen sind (und den Erreger weiter gebracht). Deshalb haben wir z.B. in Rumänien Ortschaften mit vielen Menschen, die deutsch sprechen. Ihre Vorfahren sind dorthin gekommen, weil dort viel Land brach lag.
Jetzt wird die Pandemie erklärt, wenn die Infektionen die ganze Welt erreicht. Das bedeutet aber - Gott sei dank - nicht, dass wir Massensterben haben. 2020 sind sogar weniger Menschen in D verstorben als im Vorjahr.


0
 
 Octavianus 29. Mai 2021 
 

Während Erzbischof Cornelio dramatische und erschütternde Dinge berichtet, wird zur gleichen Zeit der Herr Schwibach nicht müde, von der „sogenannten Pandemie“ zu schreiben. Zwei Personen versuchen eine Botschaft zu vermitteln. Wer ist der „Gute“, wer der „Böse“?


0
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Coronavirus

  1. Bundesstaat Texas verklagt Pfizer wegen falscher Angaben über Covid-Impfung
  2. Britischer Minister: Schließung der Kirchen während Covid-Pandemie war ‚skandalös’
  3. Psychotherapeut: Corona-Folgen belasten Jugendliche weiterhin
  4. Christliche Unternehmerin: Bidens Covid-Politik war ‚katastrophal’
  5. USA: Gottesdienstbesucher erreicht außergerichtlichen Vergleich nach Verhaftung wegen Maskenpflicht
  6. Spender nicht gegen Covid geimpft: US-Krankenhaus verweigert Nierentransplantation bei Neunjährigem
  7. Nach Schließung von Kirchen während Covid-Pandemie: Gouverneur muss Klägern Anwaltskosten ersetzen

Indien

  1. Mögliches eucharistisches Wunder in Indien
  2. Indien: Junge Ordensfrau nach Konversionsvorwürfen in Haft
  3. Indien: Kritik an Behörden wegen anhaltender Gewalt gegen Christen
  4. Indische Regierung hebt Spendenverbot für Mutter-Teresa-Schwestern auf
  5. Mehrere christenfeindliche Übergriffe an Weihnachten
  6. Corona-Hilferuf aus Indien: „Das ganze System bricht erbärmlich zusammen“
  7. Geschlechtsspezifische Abtreibung in Indien: Jedes Jahr werden mehr Jungen als Mädchen geboren







Top-15

meist-gelesen

  1. 'Allahu akbar' - Angriff auf orthodoxen Bischof in Australien - Polizei: Es war ein Terrorakt!
  2. Kardinal Müller: "Sie sind wie die SA!"
  3. Eine kleine Nachbetrachtung zu einer Konferenz in Brüssel
  4. Schweiz: Bischof Bonnemain bei Beerdigung von Bischof Huonder
  5. Der Münchner Pro-Life-Marsch UND was die deutschen Medien verschweigen
  6. Der Teufel sitzt im Detail
  7. ,Ich habe Pornographie gemacht – jetzt mache ich Rosenkränze!‘
  8. Ablehnung von Fiducia supplicans: Afrikas Bischöfe haben ‚für die ganze Kirche’ gesprochen
  9. Das Mediennetzwerk Pontifex, gegründet 2005 als "Generation Benedikt", beendet seine Tätigkeit
  10. "Ich verzeihe dir, du bist mein Sohn. Ich liebe dich und werde immer für dich beten"
  11. Frankreich: „Inzwischen bedeutet Katholizismus, seinen Glauben erklären zu können“
  12. Der Mann mit Ticketnummer 2387393
  13. Großes Interesse an Taylor Swift-Gottesdienst in Heidelberg
  14. Taylor sei mit Euch
  15. Krakau: Einleitung des Seligsprechungsprozesses der mit 25-Jahren ermordeten Helena Kmieć

© 2024 kath.net | Impressum | Datenschutz