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Füreinander Licht sein

28. November 2021 in Österreich, keine Lesermeinung
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Das Hirtenwort von Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl zum Advent und zum Beginn des neuen Kirchenjahres im Wortlaut.


Graz (kath.net/ dgs)

Schwestern und Brüder!

Wir beginnen den Advent. Das Fest der Menschwerdung Gottes steht bevor; Licht kommt ins Dunkel. Der Advent ist die Zeit, die von Sehnsucht nach Geborgenheit, nach Liebe, nach einem Licht der Hoffnung geprägt ist. Die aktuellen großen Herausforderungen verstärken diese Sehnsucht. Sie sind groß und nichts Geringeres als unser Miteinander steht auf dem Spiel. Gott mutet uns diese Gegenwart zu. In sie gelingendes und friedvolles Miteinander einzubringen, ist unsere Berufung und unser Auftrag. Wir sehen und spüren dies täglich - in Gesellschaft und Kirche.

Die Pandemie hat uns auch heuer fest im Griff. Die Auseinandersetzung damit und die Folgen - volle Intensivstationen, Impfdebatten, Zweifel, Lockdowns - treiben leider viele, auch Familien, auseinander. Doch nur dann, wenn wir gemeinsam im Blick auf Christus voranschreiten, werden wir die entstandenen Risse heilen - auch wenn wir da und dort unterschiedliche Auffassungen haben. Einseitige Parteinahme bringt uns nämlich nicht zu-, sondern auseinander. Haben wir Vertrauen! Leben wir Gebet und Dankbarkeit für die Leistungen, die viele erbringen, um die Folgen der Krankheit, an der Millionen von Menschen weltweit leiden oder gar gestorben sind, zu heilen. Uns allen ist das gemeinsame Haus, das unsere Erde ist, anvertraut. Wir wollen dieses Haus auch kommenden Generationen lebenswert übergeben.


Der Wert des Lebens ist derzeit auch in anderer Perspektive in Frage gestellt. Mit den aktuellen Gesetzentwürfen rund um die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes zum assistierten Suizid steuern wir auf eine Zeit - weiterer? - gefährlicher Entsolidarisierung in der Gesellschaft zu, ist doch Suizid dann nicht mehr menschliche Tragödie, sondern Mittel zum Zweck, um anderen nicht zur Last zu fallen. Beten wir für ein erfülltes Leben für alle und ein Sterben in Würde, damit wir das Miteinander stärken!

Die demographische Entwicklung, die zusehends losere Kirchenbindung wie auch der fehlende Nachwuchs in kirchlichen Berufen haben starke Auswirkungen darauf, wie wir Kirche (er)leben. Mit dem Zukunftsbild der Diözese Graz-Seckau und mit der Einführung der Seelsorgeräume sind wir mit dem Rüstzeug ausgestattet, um diesen Entwicklungen zu begegnen. Ich kann und möchte dazu einladen, sich diesen Herausforderungen zu stellen. Das wird da und dort bedeuten, auf Gewohntes zu verzichten. Kirche hat sich im Laufe der Geschichte immer wieder andere Formen gegeben. Auch jetzt wird so manches anders. Gleichzeitig können wir auf diese Weise Neues entdeckten und schätzen. Gehen wir in den Pfarren und Seelsorgeräumen die Veränderungen gemeinsam im Vertrauen auf Gottes Nähe und dabei aufeinander zu und miteinander weiter.

Ein wesentliches Moment auf diesem Weg ist das aufmerksame Wahrnehmen, das ehrliche und wertfreie Zuhören. Im synodalen Prozess der Weltkirche sind wir eingeladen, dieses Zuhören noch vorbehaltsloser zu machen als bisher. Das bewusste wertschätzende Hören ist wichtig - gerade in Zeiten, in denen zahlreiche Risse im Kleinen und Großen wahrzunehmen sind. Wenn wir Jesus folgen, wenn wir mit Respekt und auf Augenhöhe miteinander umgehen und hören, was Gottes Geist uns sagt, dann gleiten wir nicht in einzelne Irrwege ab. Nutzen wir das beginnende Kirchenjahr, um unsere Lebenshaltung zu hinterfragen. Hören wir einander zu und gehen wir aufeinander zu!

Als Getaufte und Gefirmte dürfen wir alle beim Aufbau der Kirche und des Lebens vor Ort einen Beitrag leisten. Die Möglichkeiten dazu sind vielfältig. Würden wir all das nicht haben, was in Gruppen und Gremien unserer Pfarren und Seelsorgeräume zusammengeschaut und geleistet wird, fehlte uns ein beträchtlicher Teil lebendiger Kirche. Leisten wir alle unseren Beitrag in der uns möglichen Art. Pfarrgemeinderat oder Wirtschaftsrat sind hierfür Beispiele - sie werden im kommenden Frühjahr neu gewählt. Mit dem Einbringen der eigenen Fähigkeiten und Begabungen zum Leben des Ganzen wird Kirche gebaut.

Ich möchte Sie ermutigen, sich für die Gemeinschaft, für das Miteinander und letztlich für IHN einzusetzen. „Ihr seid das Licht der Welt (Mt 5,14)“, sagt Jesus zu seinen Jüngern und spricht damit uns alle an, die nach SEINEM Vorbild leben. Sind wir Licht für unsere Familien, für unsere Freundinnen und Freunde, für unsere Nachbarn, für unsere Kolleginnen und Kollegen und sogar für jene, mit denen wir uns schwertun. Sind wir dieses Licht füreinander und für die Welt. Gerade jetzt.

Ich wünsche Ihnen und den Ihren von Herzen den Segen Gottes, Ihr

Wilhelm Krautwaschl, Diözesanbischof


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