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Hinrichtung nach 'Stimmungsbild'

19. Februar 2022 in Kommentar, 62 Lesermeinungen
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Bringen „Reformkatholiken“ und lokale Medien den Kölner Erzbischof zu Fall? Gastkommentar von Klaus Kelle.


Köln (kath.net/https://www.the-germanz.de/)

Der «Kölner Stadt-Anzeiger», der immer ganz vorn dabei ist, wenn es in der Domstadt gegen die Erzbischöfe geht, wenn sie das noch alles glauben, was sie von der Kanzel predigen, hat heute gemeldet, dass sich das engste Beratergremium von Kardinal Rainer Maria Woelki nahezu einstimmig dagegen ausgesprochen habe, dass er wieder an die Spitze des größten deutschen Erzbistums zurückkehrt. Zum Erzbischöflichen Rat gehören unter anderem der derzeitige Verwalter des Erzbistums, Rolf Steinhäuser, die Weihbischöfe Ansgar Puff und Dominikus Schwaderlapp und Generalvikar Markus Hofmann.

Woelki befindet sich derzeit noch in einer fünfmonatigen Auszeit, er will seine Amtsgeschäfte aber am 2. März wieder aufnehmen. Aus Kirchenkreisen hieß es zu dem Bericht des «Kölner Stadt-Anzeiger», es habe im Erzbischöflichen Rat zwar keine Abstimmung über Woelkis Rückkehr stattgefunden. Es sei aber darüber gesprochen worden, und dabei sei das Stimmungsbild überwiegend skeptisch gewesen. Was genau genommen ein beträchtlicher Unterschied ist.

Wir können natürlich auch nur spekulieren, was hinter diesem Stimmungsbild tatsächlich steht. Gut möglich, dass eine Mehrheit des Rates gar nichts gegen die Person des Kölner Erzbischofs an sich haben, sondern einfach konstatieren müssen, wie schlecht die aufgeheizte Stimmung in der Stadt und in den Kirchengremien gegenüber Woelki inzwischen ist. Aber darf das tatsächlich ein entscheidender Grund sein, den rom- und glaubenstreuen Kardinal abzuschieben? Bis endlich ein Liberaler auf dem Bischofsstuhl Platz nimmt, der homosexuelle Paare vermählen will? Das gäbe dann sicher ordentlich Beifall vom «Kölner Stadt-Anzeiger» und dem pinkfarbenen Juste Milieu in Kölle, wo bekanntermaßen gerade Karneval ist.


Woelkis Kommunikationsdirektor Christoph Hardt deutete das heute an, als er sagte, „der Erzbischöfliche Rat habe in einer konstruktiven Atmosphäre an Szenarien für die Zeit nach dem 2. März gearbeitet“. Dabei sei auch Sorge um die Zukunft der Kirche von Köln geäußert worden. Auch sei Skepsis laut geworden, dass eine Zukunft mit Kardinal Woelki an der Spitze gedeihlich gelingen könne. Und damit kommen wir zum Kern. Wagt der Kardinal tatsächlich, einfach zurückzukehren und seine Arbeit aufzunehmen, dann – kein Zweifel – werden sogenannte „Laiengremien“, die linke und kirchenfeindliche Monopolpresse in der Stadt, die Kirche von ganz unten und wie die alle heißen, alles tun, um dem angeschlagenen Woelki den Rest zu geben. Ich meine, das Trommelfeuer der Kritik gegen Woelki hält nun schon lange an, befeuert von immer den gleichen selbsternannten „Reformtheologen“ und immer von den gleichen Zeitungen und dem öffentlich-rechtlichen WDR.

Hat Karinal Woelki alles richtig gemacht? Ganz sicher nicht, der Streit um das Gutachten zum sexuellen Missbrauch, das dann nicht veröffentlicht wurde, war strategisch keine Meisterleistung, wenn man Transparenz beweisen will. Und seine Art des Auftritts? Viele mögen es, andere mögen es nicht. So what? Und die peinliche PR-Nummer mit einem hölzernen Flüchtlingsboot als Altar bei der Heiligen Messe – diese Anbiederung an den politischen Zeitgeist hätte er sich wirklich sparen können. Doch darum geht es alles nicht – die gleichen Leute, die seinen Vorgänger Joachim Kardinal Meisner gejagt haben, weil er fest zur katholischen Lehre gestanden hat und homosexuelle Paare nicht segnen wollte, weil er überzeugt war, das aus der Haltung seiner Kirche heraus nicht tun zu können, wollen nun Woelki endgültig zur Strecke bringen.

Doch der einzige entscheidende Punkt wird dabei außer Acht gelassen: Hat sich der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki bei der Aufklärung von Fällen des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht, hat er Fehler gemacht? Um das herauszufinden entsandte Papst Franziskus aus Rom eigens zwei Apostolische Visitatoren an den Rhein, um diese Frage zu beantworten. Dabei kam heraus: Ein Fehlverhalten Woelkis in der Sache – nicht in der Öffentlichkeitsarbeit – war nicht festzustellen, obwohl – so der Papst – er «große Fehler» gemacht habe. Seitdem ist Woelki in einer fünfmonatigen Auszeit, die er unter anderem in den Niederlanden verbrachte. Am Aschermittwoch will er jetzt zurückkehren und gleich eine festliche Messe im Kölner Dom zelebrieren.

Kommt nun also nach dem Freispruch trotzdem die öffentliche Hinrichtung? Wer die deutsche Katholische Kirche von Innen kennt, der ahnt, wie das ausgehen wird.

Die Stadt- und Kreisdechanten im Bistum haben inzwischen einen „Warnbrief“ an den Vatikan unterschrieben. Im Diözesanpastoralrat hat es vor einigen Wochen eine geheime Abstimmung über Woelki gegeben. Dabei sollen sich 70 bis 80 Prozent gegen eine Rückkehr Woelkis ausgesprochen haben.

Wie soll der Erzbischof da noch zu halten sein? Und wenn gar nichts mehr hilft, dann kommt halt der «Kölner Stadt-Anzeiger» und erledigt den Rest.


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