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'Es sind Fehler gemacht worden'

17. März 2009 in Österreich, keine Lesermeinung
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Im Kampf für die Kirchensteuer setzt die Österreichische Bischofskonferenz offenbar auf Autorität und Sympathiewerte des Wiener Pastoraltheologen Paul Zulehner - Von Stephan Baier / Die Tagespost


Wien (kath.net/DT) Im Kampf für die Kirchensteuer setzt die Österreichische Bischofskonferenz offenbar auf Autorität und Sympathiewerte des Wiener Pastoraltheologen Paul Zulehner. Eine 24-seitige Broschüre, herausgegeben vom Generalsekretariat der Österreichischen Bischofskonferenz und öffentlich präsentiert von Kardinal Christoph Schönborn, schmückt ein ganzseitiges Vorwort des früheren Dekans der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät.

Professor Zulehner, der angesichts der Ernennung von Gerhard Wagner zum Weihbischof in Linz der Kirche noch Selbstzerstörung, „Schrumpfghettoisierung“ und Autoritätsverlust vorwarf, preist hier die „sozialen und kulturellen Beiträge der Kirchen“, die „volkswirtschaftlich gesehen einen hohen individuellen und kollektiven Nutzen“ stiften.

Die so eingeleitete Broschüre „Leistungen der Kirche in Worten und Zahlen“ soll laut Pressemitteilung der Bischofskonferenz belegen, „dass die katholische Kirche die Zivilgesellschaft in Österreich mitträgt und prägt“: „In allen Lebensbereichen ist die katholische Kirche präsent: Kindergärten, Schulen und Hochschulen, Erwachsenenbildung, Telefonseelsorge, Familienberatungsstellen, Seniorenheime, Behindertenhäuser – all das und noch viel mehr wird durch den Kirchenbeitrag ermöglicht und unterstützt.“


In seiner Erzdiözese Wien wandte sich Kardinal Schönborn jüngst mit einem eigenen Schreiben an die Kirchenbeitragszahler: „Die vatikanischen Entscheidungen der vergangenen Wochen haben bei vielen Menschen Unverständnis, manchmal auch Zorn hervorgerufen. Ich verstehe, was sie bewegt. Wir müssen ehrlich zugeben: Es sind Fehler gemacht worden.“ Schönborn ermutigt die Kirchenbeitragszahler in diesem Schreiben zur Treue „in guten wie in schlechten Zeiten“.

Unterdessen hat der Verein „Kirchentreu – Gebetsinitiative für die Diözese Linz“ angekündigt, seinen Aufruf zum Kirchensteuer-Boykott auf andere Diözesen auszuweiten. In einer Stellungnahme des Vereins, dessen Mitglieder den Kirchenbeitrag nicht an die Diözese entrichten, sondern auf ein Treuhandkonto einzahlen, heißt es: „Wir können es nicht mit unserem Gewissen vereinbaren, mit unserem Kirchenbeitrag Personen zu unterstützen, die nachweislich gegen die römisch-katholische Kirche agieren.“

Angesichts der durch die Ernennung und den Rückzug Wagners ausgelösten Debatten um Bischofsernennungen hat sich der frühere Sekretär der Österreichischen Bischofskonferenz, Michael Wilhelm, in einem Gastkommentar in der Wiener Tageszeitung „Die Presse“ zu Wort gemeldet. Wilhelm, der von 1994 bis 1998 Sekretär der Bischofskonferenz war, kritisierte darin das Hirtenwort der österreichischen Diözesanbischöfe vom 16. Februar und forderte für Bischofsbestellungen „ein transparentes Verfahren mit echter Partizipation der Ortskirche“. Wilhelm weiter: „In Wahrheit öffnet die derzeitige Praxis Tür und Tor für Intriganten und Hintertreppenkarrieren.“

Die in der Vorwoche in Innsbruck tagende Bischofskonferenz befasste sich aber nicht nur mit innerkirchlichen Fragen („Die Tagespost“ berichtete am Samstag), sondern auch mit politischen. „Angesichts der großen Herausforderungen ist die Steuerreform ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, erklärte Kardinal Schönborn gegenüber der kirchlichen Agentur „Kathpress“. Besonders die steuerliche Unterstützung für Familien mit Kindern sei mit Blick auf die Zukunft der Gesellschaft, insbesondere deren demographische Entwicklung, „höchst notwendig und gerecht“, lobte der Vorsitzende der Bischofskonferenz die österreichische Bundesregierung.

Kritischer sieht der Direktor des kirchlichen „Instituts für Ehe und Familie“, Günter Danhel, die beschlossene Steuerreform. Gegenüber der „Tagespost“ fordert Danhel, der auch Koordinator des Österreichischen Familiennetzwerks ist, der Staat müsse auch die Leistungen der Familien in Erziehung, Betreuung und Pflege steuerlich anerkennen. Die Eigenbetreuung der Kinder müsse steuerlich zumindest gleich behandelt werden wie die außerhäusliche Kinderbetreuung. Das jüngste kirchliche Lob sei deshalb „von vielen Familien mit Enttäuschung aufgenommen worden, weil sie bisher in der katholischen Kirche einen starken Unterstützer der primären Elternrechte in der Kindererziehung hatten“.

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Foto: (c) SIR


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