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Keine außerirdischen Monstren der Makellosigkeit

21. Dezember 2009 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Die Kontroverse um die Frage, ob Pius XII. demnächst als Seliger und Heiliger verehrt werden darf oder nicht, ruht vor allem auf einem grundlegenden Missverständnis. Das ist die Unkenntnis vom Begriff der Heiligkeit - Von Paul Badde / Die Welt


Wien (kath.net/DieWelt)
Die Kontroverse um die Frage, ob Pius XII. demnächst als Seliger und Heiliger verehrt werden darf oder nicht, ruht vor allem auf einem grundlegenden Missverständnis. Das ist die Unkenntnis vom Begriff der Heiligkeit in der katholischen Kirche. „Heilige sind Menschen, von denen wir nach Prüfung aller Indizien sicher sagen können, dass sie die ewige Seligkeit erreicht haben“, belehrte der inzwischen verstorbene Prälat Richard Matthes aus Rom deshalb schon im Jahr 2001 in Jerusalem die Kritiker am Heiligsprechungsprozess des Pacelli-Papstes. „Das macht sie so interessant für uns. Es waren Menschen. Sie gehören zu uns. Es waren keine außerirdischen Monstren der Makellosigkeit.“


Heilige seien also normal Sterbliche mit normalen Defekten, die allerdings über jedes Fehlen und jeden menschlichen Irrtum hinaus immer neu und heroisch versucht hätten, den Willen Gottes zu tun und die Wege der Erde mit dem Licht des Glaubens und der Liebe zu erhellen - in einem Prozess der ständigen Umkehr. Es gebe deshalb sehr wichtige Heilige, von denen sich nicht einmal sagen lässt, dass sie ihren Lebtag lang nur und nichts als das Gute vor Augen hatten.

Als klassisches Modell aller Heiligen darf darum auch nicht etwa der heilige Franziskus von Assisi oder die selige Teresa von Kalkutta gelten, oder andere große Wohltäter der Menschheit, sondern der heilige Dismas. Das ist nach einer antiken Tradition der reuige Verbrecher, der mit Jesus gekreuzigt wurden und ihn vor seinem Tod – durchaus im Bewusstsein seiner persönlichen Schuld - anflehte: „Denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ – „Amen, ich sage dir“, hat ihm Jesus darauf beschieden, „heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“

Das aber ist die für alle Zeiten klassische Definition, was Heiligkeit in der katholischen Kirche bedeutet. Es ist genau dies: „mit Gott im Paradies sein.“ Heiligkeit lässt sich deshalb auch nicht dekretieren, sondern nur feststellen. Dafür hat die katholische Kirche ein bewährtes und höchst aufwändiges Untersuchungsverfahren entwickelt. In jedem Heiligsprechungsprozess steht die letzte Bestätigung deshalb auch nicht dem Papst zu. Gültiges und letztes Siegel kann immer nur ein Wunder sein, das sich in diesem Prozess auf die Fürsprache des Kandidaten ereignet hat – und das jedem menschlichen Wollen und Wirken vollständig entzieht.





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