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Pius XII. war ein Schutzengel

9. Juli 2010 in Aktuelles, 6 Lesermeinungen
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Papst Pius XII. hat sich persönlich um die Rettung der Juden bemüht und geholfen, jüdische Kulturgüter zu bewahren. Der deutsche Historiker Michael Hesemann hat dazu einen aufschlussreichen Brief entdeckt.


Vatikanstadt (Kath.net/RV)
Papst Pius XII. hat sich nicht nur persönlich um die Rettung der Juden gekümmert, er hat sich auch um die Bewahrung jüdischer Kulturgüter verdient gemacht. Das hat der Deutsche Historiker Michael Hesemann herausgefunden, berichtet Radio Vatican. Im Vatikanischen Geheimarchiv hat er dazu einen aufschlussreichen Brief des damaligen Kardinals Eugenio Pacelli, später Pius XII., gefunden. Der Brief trägt das Datum vom 9. Januar 1939.

Hesemann: „Der Brief ist ein Schreiben von Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli an 64 katholische Erzbischöfe in aller Welt, in dem er sie aufgrund der neuen antisemitischen Gesetzgebungen in Deutschland – der Nürnberger Rassengesetze – und der Pogromnacht am 9. November bittet, sich darauf einzustellen und dafür zu sorgen, dass Visa beschafft werden für mindestens 200.000 Flüchtlinge aus Deutschland. Es ging um wegen ihrer Rasse verfolgte Menschen aus Deutschland.“ Kardinal Pacelli habe also bewusst Juden retten wollen.

„In dem Brief verwendet er für die Fluchtwilligen den Begriff „nicht-arische Katholiken“. Der weitere Kontext des Briefes verdeutlicht aber, dass damit eben nicht nur Konvertiten, die nach den Nürnberger Rassengesetzen als Juden galten, sondern auch Glaubensjuden gemeint waren. Im weiteren Verlauf des Briefes steht, dass die Erzbischöfe für die Gründung von Komitees sorgen sollten. Diese Komitees sollten eine vernünftige Aufnahme und Versorgung der Flüchtlinge sichern und vor allem sollten Gebetsstätten für sie errichtet werden. Auch sollten diese Flüchtlinge die Möglichkeit haben, frei ihre Religion, ihre Sitten und Gebräuche auszuüben“, sagt der deutsche Historiker. Wären nur Katholiken gemeint gewesen, so hätte dies kein Sinn geben, stellt Hesemann klar. Deshalb sei hinter dem Begriff „nicht-arische Katholiken“ mehr zu verstehen. Pacelli habe damals aus diplomatischen Gründen auf diese Weise schreiben müssen.


„Ich war über den Brief – und damit über die Anfrage Pacellis – bereits früher informiert gewesen. Ich hatte diese Anfrage bereits in meinem Buch „Der Papst, der Hitler trotzte“ erwähnt. Ich bin dann aber Schritt für Schritt die gesamte verfügbare Aktenlage durchgegangen. Das sind Akten aus der Zeit, als Eugenio Pacelli noch Kardinalstaatssekretär war, da die Akten zu seinem Pontifikat noch nicht verfügbar sind“, sagt Hesemann, Deutschland-Vertreter der „Pave the way“-Stiftung, die sich auch um die Aufarbeitung der Biographie Pacellis kümmert.

„Der Brief war nicht allein in der Akte. Ihm voraus gingen weitere Texte, in denen Pacelli um die Aufnahme von jüdischen Wissenschaftlern bat. Es gab sehr viele Akademiker unter den Flüchtlingen. Dann folgte am 9. Januar 1939 ein Brief, man sollte doch eben Komitees bilden und bei den Regierungen eruieren, wie viele Visa für Flüchtlinge ausgestellt werden könnten“, sagt der deutsche Historiker. Bereits die Briefe Pacellis vor seinem Pontifikatsantritt bewiesen, wie stark er sich für die Juden in Deutschland einsetzte.

„Auf jeden Fall wird man noch mehr finden. Wir haben ja noch alle Antworten von den verschiedenen Erzbischöfen und Nuntien in aller Welt, die Erkenntnisse bringen werden. Wir wissen bereits, dass beispielsweise Brasilien 3.000 Visa zur Verfügung stellte. Die Dominikanische Republik, General Trujillo, hat alle halbe Jahre 800 Visa zur Verfügung gestellt. Wir wissen von Augenzeugen, dass alle sechs Monate auf Kosten des Vatikans von Lissabon her ein Schiff angemietet wurde, mit dem die Flüchtlinge in die Dominikanische Republik gebracht wurden und von dort konnten sie dann weiter reisen“, sagt Hesemann. „Lasst keinen Zweifel aufkommen über die Absichten des Heiligen Stuhls“, heißt es in dem Pacelli-Brief vom Januar 1939.

Der deutsche Historiker weist auf das gewaltige Ausmaß der päpstlichen Hilfsaktionen hin: „Im Endeffekt war das, was damals anlief, die größte humanitäre Aktion in der Geschichte und die größte Rettungsaktion für eine verfolgte Minderheit überhaupt. Die ging natürlich auch weiter.“

Der Historiker Michael Hesemann ist der Meinung, dass die Geschichtsaufarbeitung um Pius XII. noch für einige Überraschungen sorgen wird: „Wenn nun in etwa vier Jahren die Akten für das Pontifikat von Pius XII., das im März 1939 begann, freigegeben werden, dann werden wir noch viele neue Funde in diese Richtung machen. Diese werden belegen, wie viel Pius XII. für die verfolgten Juden tat, warum er die Hitler-Regierung nicht öffentlich anprangerte. Das tat er nämlich nicht, weil eben damit seine Bemühungen gefährdet worden wären. Ein öffentlicher Angriff gegen Hitler hätte überhaupt nichts gebracht. Im Gegenteil, das hätte all diese Bemühungen nur unmöglich gemacht. Das hätte Hitler nie im Leben von seinem mörderischen Wahn abgehalten. Von daher werden wir noch viele Überraschungen finden, die schließlich dazu beitragen werden, dass Pius XII. als das wieder rehabilitiert wird, was er war: als Schutzengel der Verfolgten, der alles in Bewegung gesetzt hat, um so viele Menschen wie möglich vor dem Schrecken des Hitler-Regimes zu retten.“


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