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Die Sühne der verschmähten Liebe

29. September 2010 in Spirituelles, 3 Lesermeinungen
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Die Liebe des Herzens Jesu hat Wärmecharakter, soziale Wärme gegen die Kälte der Gesellschaft. Gedanken von Bischof Manfred Scheuer zum Herz-Jesu-Freitag – Einladung zur 'Aktion Ninive' von 'Kirche in Not'


Innsbruck (kath.net/KIN) Wir kennen alle Herz-Jesu Bilder mit einer Flamme im Strahlenkranz. Der emotionale Kern der Offenbarung an Margaretha Maria Alacoque ist die verschmähte Liebe, die durch Steigerung ihrer Liebe die „Kälte und Verachtung“ der anderen sühnen und dafür Genugtuung leisten will.

Es ist das Bild des brennenden Feuers, des Glutofens. „Am Anfang standen nicht die Kälte und die Finsternis; am Anfang stand das Feuer.“ (Teilhard de Chardin)

Kälte oder Feuer

Mit Blicken und mit der Gestik des Gesichtes können Kälte, Gleichgültigkeit und Verachtung signalisiert werden. Ohne Worte sagt da einer: Du bist für mich überflüssig, reiner Abfall und Müll, den zu verwerten und dann zu entsorgen gilt, du bist eine Null, ein Kostenfaktor, den wir uns in Zukunft nicht mehr leisten wollen. Blicke können kontrollieren, überwachen, fixieren und lähmen. Wenn Blicke töten könnten, heißt es nicht umsonst in der Alltagssprache.


Und Kälte? Es entwickelt sich eine Gesellschaft der Zuschauer, die sich aus der Distanz am Elend anderer begeilen, eine Gesellschaft der Passanten, die sich nicht zuständig fühlen. Wenn Mitleid und Barmherzigkeit eigentlich nicht sein sollen und dieses Urteil allmählich ins Bewusstsein aller einsickert, dann entspringen neue Kälteströme (Ernst Bloch).

Der Kult des schönen, starken, gesunden und erfolgreichen Lebens macht die Erbarmungslosigkeit zum Prinzip. Es gibt keine Sorge mehr für die, denen der Atem ausgeht; die Alten, Kranken, Behinderten werden auf Institutionen delegiert; die anderen sind verantwortlich. Wir sind in Gefahr, eine Anspruchsgesellschaft zu werden, in der sich eine wachsende Versorgungsmentalität breit macht.

Das Herz Jesu stellt uns das Feuer der göttlichen Liebe vor Augen: Gott befreit die Menschen vom egozentrischen Blick auf sich und von der Angst, sich ständig selbst behaupten zu müssen.

„Eine Gesellschaft, die denen nicht aufhilft, die aus eigener Kraft nicht durchs Leben gehen können, und eine Weltordnung, die eigensüchtig unter wenigen aufteilt, was Gott in Liebe für alle Menschen geschenkt hat, werden zerbrechen.“ (Robert Zollitsch)

Die Substanz, die es vom Herzen Jesu her wiedergewinnen zu gilt, ist es, dass die Liebe Wärmecharakter hat, aber natürlich keine physische Wärme, sondern soziale Wärme. Menschen sehen und doch übersehen, Not vorgeführt bekommen und doch ungerührt bleiben, das gehört zu den Kälteströmen der Gegenwart.

Im Blick der Anderen, gerade des armen Anderen erfahren wir den Anspruch: Du darfst mich nicht gleichgültig liegen lassen, du darfst mich nicht verachten, du musst mir helfen. Jesu Sehen führt in menschliche Nähe, in die Solidarität, in das Teilen der Zeit, das Teilen der Begabungen und auch der materiellen Güter.

Das internationale katholische Hilfswerk Kirche in Not lädt gemeinsam mit Bischof Scheuer ein, die Gebetsaktion Ninive zu unterstützen. Mit der AKTION NINIVE ruft das Hilfswerk seit dem 10. Juni alle Gläubigen ein Jahr lang zum Gebet für die Kirche auf. Das Hilfswerk reagiert damit auf den Bußaufruf von Papst Benedikt XVI. an die irischen Katholiken vom März dieses Jahres.

Informationen zur Aktion Ninive: www.aktion-ninive.at


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