Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Fünf weibliche Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik schreiben offenen Brief an Papst Leo XIV.
  2. „Der Wahlausgang in Berlin im September 2026 gibt vielen Bevölkerungsgruppen Anlass zur Sorge“
  3. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts: „Kirche in der Krise – und wie wir sie nicht retten sollten“
  4. Irreversibel – die Diktatur des Geschehenen. Wenn die Geschichte zum ‚Lehramt‘ wird
  5. "Marsch für das Leben"-Grußwort des DBK-Vorsitzenden Wilmer verfehlt das Thema
  6. Papst Leo singt mit 80.000 Jugendlichen das „Salve Regina“ auf Latein
  7. BDKJ und eine doch getaufte Kandidatin im Bundesvorstand
  8. Salzburg: 1.000 Gläubige bei Adoratio-Kongress zu "Himmlischer Friede"
  9. US-Bischof Robert Barron: „Der Kommunismus erlebt in unserem Land gerade ein Comeback“
  10. Bei öffentlichen Anlässen: Kanadas Militärkapläne dürfen nicht über Gott sprechen
  11. Der Katholik Macron wird bei keiner der drei Papstmessen in Frankreich mitfeiern
  12. Bemerkenswerte Geste: Wenn Papst Leo nach Frankreich kommt, werden alle Kirchenglocken läuten
  13. Mutmaßlicher IS-Anhänger soll Anschlag auf eine Kirche in Bremen geplant haben - Festnahme
  14. Der evangelischen Theologischen Hochschule Basel soll die Akkreditierung entzogen werden
  15. Gender-Ideologie: Katholische Familie kämpft um ihre Tochter

'Assad wäre das kleinere Übel'

18. Jänner 2014 in Interview, 10 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Der Orientkenner Peter Scholl-Latour zur Lage in Syrien und im Nahen Osten. Ein Interview von Joachim Heinz (KNA)


Bonn (kath.net/KNA) In wenigen Tagen wollen sich in der Schweiz Spitzenpolitiker aus aller Welt treffen, um über die Zukunft in Syrien zu beraten. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) nennt der Publizist und Orientkenner Peter Scholl-Latour (89) mögliche Perspektiven für das von Kämpfen zerrissene Land und äußert sich auch zur Lage der Christen im Nahen Osten.

KNA: Herr Scholl-Latour, was erwarten Sie von der in der kommenden Woche beginnenden Syrien-Konferenz in der Schweiz?

Scholl-Latour: Ich möchte hoffen, dass sich alle beteiligten Parteien einfinden werden, was in keiner Weise garantiert ist. Radikale islamistische Organisationen werden wahrscheinlich keine große Lust verspüren, mit Vertretern der Assad-Regierung an einem Tisch zu sitzen. Russland besteht außerdem zu Recht auf der Teilnahme einer iranischen Delegation.

KNA: Vor drei Jahren weckte der sogenannte Arabische Frühling Hoffnung auf eine Demokratisierung der Region. Zeigt sich am Beispiel Syrien das Scheitern dieser Wunschvorstellung?

Scholl-Latour: Ich kann das ganze Gerede von mehr Demokratie für den arabischen Raum nicht mehr hören. In der arabischen Staatenwelt gibt es wohl nur die Wahl zwischen einem islamischen Gottesstaat oder einer Militärdiktatur. Mir ist bei solchen Debatten zu viel Heuchelei im Spiel. Einer der wichtigsten deutschen Handelspartner im Nahen Osten ist Saudi-Arabien. Unter den Gesichtspunkten von Demokratie und Menschenrechten eine überaus schändliche Politik. Aber das scheint niemanden zu kümmern.

KNA: Trotzdem - wie fügen sich für Sie die Vorgänge in Syrien in die aktuellen Umbrüche zwischen Marokko und der Türkei ein?


Scholl-Latour: Der Aufstand in Syrien ist nicht aus dem Inneren gekommen, wie das etwa in Libyen oder Ägypten zumindest teilweise der Fall war. Er wurde von außen ins Land hineingetragen. Die ganze Sache wäre in 14 Tagen zu regeln gewesen, wenn die syrische Regierung nicht überreagiert und direkt scharf geschossen hätte und wenn der Aufstand nicht von anderen Ländern massiv unterstützt worden wäre.

KNA: Diese Entwicklung lässt sich nicht mehr rückgängig machen.

Scholl-Latour: Immerhin scheinen die direkt Beteiligten, aber auch die Politiker aus anderen Ländern allmählich aufzuwachen. Syrien war der einzige säkulare Staat in der arabischen Welt, und wir haben ihn kaputt gemacht. An der Grenze zwischen Syrien und Israel hat es seit dem Jom-Kippur-Krieg von 1973 keinen Zwischenfall mehr gegeben. Wenn da aber erstmal radikale Islamisten stehen, dürfte es für Israel ungemütlich werden.

KNA: Glauben Sie, dass sich Präsident Baschar al-Assad an der Macht halten kann?

Scholl-Latour: Im Moment sieht es so aus. Er wäre auf alle Fälle das kleinere Übel.

KNA: In die Friedensverhandlungen für Syrien hat sich auch der Vatikan eingeschaltet. Was halten Sie davon?

Scholl-Latour: Es wird höchste Zeit, dass etwas unternommen wird. Der Orient und Nordafrika waren ja beinahe voll christianisiert, bevor die arabischen Eroberungen eingesetzt haben. Mitte des 19. Jahrhunderts war Anatolien noch zu einem Drittel christlich. In Ägypten, im Irak, im Libanon oder in Syrien gab es beachtliche christliche Bevölkerungsanteile. Die geraten jetzt aber massiv unter Druck und sind zum Teil bereits geflohen.

KNA: Wie sieht die Lage speziell für die Christen in Syrien aus?

Scholl-Latour: Vor einigen Wochen war ich im Libanon, an der Grenze zu Syrien. Unter Assad lebten die acht bis zehn Prozent syrischen Christen weitgehend unbehelligt. Sie hatten keine hohen Staatsämter inne, aber sie konnten ihren Geschäften nachgehen. Das ist jetzt vorbei. Im vergangenen Jahr entführten Islamisten einen syrisch-orthodoxen Metropoliten und einen griechisch-orthodoxen Erzbischof. Von beiden hat man seitdem nichts mehr gehört. Auch die Entführung von Nonnen Anfang Dezember in der Stadt Maalula ging auf das Konto der Extremisten.

KNA: Welche Signale kann Papst Franziskus Ende Mai mit seiner Reise nach Israel, Jordanien und in die Palästinensergebiete setzen?

Scholl-Latour: Der Papst sollte sich einer energischen Sprache bedienen - und sich solidarisch mit den dort lebenden Christen zeigen, aber gleichzeitig verhärtete Fronten aufbrechen. Dafür hätte ich mir allerdings gewünscht, dass er auch den Libanon in sein Besuchsprogramm aufgenommen hätte.

KNA: Warum?

Scholl-Latour: Die Christen im Libanon müssen begreifen, dass ihre verlässlicheren Verbündeten die Schiiten sind und nicht die sunnitisch dominierte Partei von Saad Hariri...

KNA: ... dem Sohn des 2005 ermordeten libanesischen Regierungschefs Rafiq al-Hariri.

Scholl-Latour: Hariris Partei wird von den Saudis ausgehalten. Die Hassprediger, die die Menschen in der Region aufstacheln, kommen aus Saudi-Arabien. Die schiitische Hisbollah ist demgegenüber weitaus zuverlässiger und durchaus tolerant gegenüber Christen.

KNA: Es gibt aber Beobachter, die die Hisbollah immer noch als verbrecherische Organisation einstufen.

Scholl-Latour: Ich habe mal den höchsten geistlichen Führer der Schiiten des Libanon, Scheich Hussein Fadlallah, mit Blick auf den Konflikt um Jerusalem gefragt: «Sie wollen doch die Heiligen Stätten wiedergewinnen.» Da hat er geantwortet: «Was heißt schon die Heiligen Stätten wiedergewinnen? Die Würde des Menschen ist 70 mal wichtiger.» Das sind sicher strenggläubige Leute, aber nicht ohne Nuancen.

KNA: In Deutschland läuft unterdessen die Debatte über eine weitere Aufnahme von Flüchtlingen aus den Krisengebieten des Nahen Ostens. Ist es nicht zynisch, dass manche Politiker bevorzugt Christen aufnehmen wollen?

Scholl-Latour: Im Gegenteil: Christen sollten den Vorrang genießen. Unter den Muslimen stößt eine solche Debatte, wie sie bei uns geführt wird, auf absolutes Unverständnis. Religion ist in ihren Augen ein enorm wichtiger Faktor. Bei ihnen besitzt die Solidarität mit den Muslimen die absolute Priorität. Und sie haben keinerlei Verständnis für die Zurückhaltung der Christen in dieser Frage.

(C) 2013 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

Foto: (c) Kirche in Not


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Syrien

  1. Syrien: katholische Melkiten sagen aus Sicherheitsgründen alle Kar- und Osterliturgien ab
  2. Besuch des syrischen Präsidenten - „Kirche in Not“ fordert Bundeskanzler Merz zum Handeln auf
  3. „Syrien darf nicht islamistisch werden“ – Missio-Nationaldirektor Wallner im Krisenland
  4. Syrien: Evangelikaler Pastor mit gesamter Familie ermordet
  5. Massaker in Syrien: Dramatischer Appell der Kirchenführer
  6. Vatikan fordert wichtige Rolle für Christen in Syrien
  7. Syriens neuer Machthaber äußert Hochachtung für Papst Franziskus
  8. Syrien: Neuer Machthaber macht Christen Zusicherungen
  9. Neuer Bischof von Aleppo ernannt - 2014 von Milizen entführt
  10. Syrien: „Eine knappe Minute war schlimmer als 12 Jahre Krieg“







Top-15

meist-gelesen

  1. Die Würde des Menschen kennt keine Grenze: In den Augen Gottes ist niemand unsichtbar
  2. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts: „Kirche in der Krise – und wie wir sie nicht retten sollten“
  3. „Die hl. Märtyrer von Międzyrzecz waren Menschen aus Fleisch und Blut, die bereit waren…“
  4. BDKJ und eine doch getaufte Kandidatin im Bundesvorstand
  5. „Der Wahlausgang in Berlin im September 2026 gibt vielen Bevölkerungsgruppen Anlass zur Sorge“
  6. Bemerkenswerte Geste: Wenn Papst Leo nach Frankreich kommt, werden alle Kirchenglocken läuten
  7. Wer ist der Mann auf dem Tuch?
  8. Mutmaßlicher IS-Anhänger soll Anschlag auf eine Kirche in Bremen geplant haben - Festnahme
  9. Programm für Lateinamerika-Reise des Papstes veröffentlicht
  10. "Marsch für das Leben"-Grußwort des DBK-Vorsitzenden Wilmer verfehlt das Thema
  11. Präsident Trump nominiert Tochter von Franklin Graham zur Sonderbotschafterin für Religionsfreiheit
  12. Irreversibel – die Diktatur des Geschehenen. Wenn die Geschichte zum ‚Lehramt‘ wird
  13. Fast der gleiche Glaube?
  14. Gender-Ideologie: Katholische Familie kämpft um ihre Tochter
  15. Slowakei: Papst Leo XIV. grüßt die Teilnehmer des Nationalen Marsches für das Leben in Bratislava

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz