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SucheSuchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln: ![]() ![]() ![]() ![]() Top-15meist-diskutiert
| ![]() Die Hohmann-Debatte geht weiter13. November 2003 in Deutschland, keine Lesermeinung Ein Kommentar von Guido Horst / DIE TAGESPOST: Deutsch-national, aber nicht katholisch Ein Kommentar von Manfred Maurer / NEUES VOLKSBLATT: Wiederholung Deutsch-national, aber nichtkatholisch - Von Guido Horst / DIE TAGESPOST Was hat die Rede Martin Hohmanns gebracht? Nichts. Wem hat sie genutzt?Niemandem. Sie war unnötig wie ein Kropf. Vor allem Katholiken suchen andereWege, einen Dialog mit den Juden über die Vergangenheit zu suchen. Wennkonservative Gruppen oder Kritiker der Kirche meinen, Hohmann habe etwasChristliches gesagt, laufen sie einem fatalen Irrtum nach. Welchen Sinn hates, eine Gedenkansprache zum Tag der deutschen Einheit mit folgendem Duktuszu halten: Zunächst bedauert der Redner, dass die Deutschen immer noch als"Tätervolk" betrachtet werden und man deswegen zum Beispiel - das wird so amRande eingestreut - die Entschädigungszahlungen an jüdische Nazi-Opfer nichtan die gesunkene Leistungsfähigkeit des deutschen Staates anpassen könneoder jüdische Zwangsarbeiter entschädige, während deutsche Zwangsarbeiterleer ausgehen. Dem folgt die "provozierende Frage", ob nicht auch die Judenein Tätervolk seien - gefolgt von beeindruckenden Zahlen über den hohenAnteil von Juden unter den Gründervätern der bolschewistischenWeltrevolution. In einem Schlussabsatz wird schließlich erklärt, dass diekommunistischen Juden wie auch die Nationalsozialisten "glühende Hasserjeglicher Religion" gewesen seien, also weder die Deutschen noch die Juden,sondern nur die Gottlosen "das Tätervolk" des vergangenen Jahrhundertswaren. Nochmals: Welchen Sinn hat es, heute solch ein Rede zu halten? Warummuss man im Jahr 2003, zum Tag der deutschen Einheit, die 1941 von JosephGoebbels propagierte These, die Juden seien der Motor der bolschewistischenWeltrevolution, breit und mit üppigem Zahlenmaterial versehen wiedergeben?Provokationen können hilfreich sein. Welche Reaktion aber wollte der Rednermit seiner Frage nach den Juden als Tätervolk provozieren? "Ein Teil der Hohmann-Debatte wendet sich nun gegen das Lager dertraditionsbewussten Katholiken" Dieser Redner, der Fuldaer CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann, hat nunein Parteiausschlussverfahren am Hals, die Union einen internen Skandal undGegner der katholischen Kirche haben das Vergnügen, Martin Hohmann mitkonservativen Christen, Antisemiten, Rechtspopulisten oder dem verstorbenenErzbischof Johannes Dyba in Verbindung bringen zu können. Oder mit derKirche insgesamt. Hohmann sei "nicht im engeren Sinne" Antisemit, meinteCDU-Generalsekretär Laurenz Meyer am Sonntag abend bei Sabine Christiansen,sondern "ein Fundamentalist in seiner kirchlichen Einstellung". Was immerdas auch ist - ein Teil der Hohmann-Debatte wendet sich nun gegen das Lagerder traditionsbewussten Katholiken. Die "Initiative Kirche von unten" beklagt, dass sich die DeutscheBischofskonferenz noch nicht zur Rede Hohmanns geäußert habe. Aber warumsollte sie das auch tun? Besser gefragt: Wann und wie wird sie das tun?Schweigt sie, registriert man das als stille Zustimmung zu den ThesenHohmanns. Dass sie aber irgendwann doch eine Klarstellung abgeben wird, isteigentlich eine Zumutung. Gerade die katholische Kirche in Deutschland musssich nicht in die Ecke jener stellen lassen, die mit Rückgriff auf denvermeintlich "jüdischen Bolschewismus" deutsche Vergangenheitsbewältigungbetreiben.Dass der Abgeordnete Hohmann am Ende seiner Gedenktagsrede Juden undDeutsche von dem Vorwurf, ein "Tätervolk" zu sein, wieder ausnimmt und nurdie Gottlosen als solche bezeichnet, tut dem Verwerflichen seiner Ansprachekeinen Abbruch. Man stelle sich vor, ein Bischof oder gar der Papst würde inder Weihnachtspredigt der Frage nachgehen, ob die Juden nicht ein Volk vonGottesmördern seien, und das mit einer Fülle von Schriftzitaten und Sätzenaus der Väterliteratur zu belegen versuchen. Er könnte zwar damit enden,dass es nur die gottlosen Juden waren, die Christus ans Kreuz geschlagenhaben, aber der Skandal wäre perfekt. Natürlich ist nichts dagegeneinzuwenden, dass sich angehende Theologen in einem Forschungsseminar mitjudenfeindlichen Thesen in der patristischen Literatur beschäftigen, um etwadie Wurzeln des christlichen Antisemitismus besser zu verstehen.Genausowenig ist es anstößig, dass Historiker die Untersuchung eines Rogallavon Bieberstein über den Mythos vom "Jüdischen Bolschewismus" durcharbeiten,um den messianischen Charakter der frühen kommunistischen Bewegung zuergründen. Wenn sich aber ein Politiker in einer Feiertagsrede weit undbreit über die Juden als "Tätervolk" auslässt, weil er Probleme mit seinemSelbstwertgefühl als Deutscher hat, dann bedient er antisemitischeVorurteile, die kein deutscher Politiker je wieder bedienen darf. Dabei diffamiert der heute gängige Antisemitismus die Juden nicht als Rasseoder Gottesmörder, wie das die Nationalsozialisten oder der christlicheAntijudaismus taten. Der gängige Antisemitismus attackiert die RegierungAriel Scharons (Jürgen W. Möllemann) oder erinnert an die jüdische Präsenzin der kommunistischen Gründergeneration (Martin Hohmann), nicht um sich mitder israelischen Palästinenserpolitik auseinanderzusetzen oder dieGeschichte des Bolschewismus aufzuarbeiten, sondern um die Erbschuldleichter tragen zu können, die der Nationalsozialismus den Deutschenaufgebürdet hat. Er habe Probleme mit dem "ständig wabernden Schuldvorwurf",zitierte ein Teilnehmer der CDU-Fraktionssitzung vom vergangenen Dienstagden gescholtenen Hohmann. Für ihn sei es eine Last, mit der These derKollektivschuld herumlaufen zu müssen, soll der Politiker dortFraktionskollegen zufolge gesagt haben. Wenn ihn das aber dazu verleitet,bei einer Feiertagsrede die Juden mit dem Begriff "Tätervolk" in Verbindungzu bringen, verfällt er genau in jene Logik, die den Antisemitismus vonheute prägt. Dass hier ein tiefsitzender Komplex die deutsche Seele quält, ist angesichtsder Grausamkeit der am jüdischen Volk von Deutschen begangenen Tatnachvollziehbar. Liegt die Lösung in dem, was der Abgeordnete Hohmann amEnde seiner unglücklichen Rede dem Publikum zurief: "Gerechtigkeit fürDeutschland, Gerechtigkeit für Deutsche... Mit Gott in eine gute Zukunftbesonders für das deutsche Vaterland!" Da Hohmann in seiner Rede zum Tag derdeutschen Einheit nun einmal so massiv das Volk der Juden behandelt hat,kann man ihm in diesem Zusammenhang von christlicher Warte aus nurantworten: Die Juden sind das auserwählte Volk Got-tes, die Deutschen sinddas nun einmal nicht! Möge den Deutschen tatsächlich noch viel Gerechtigkeitwiderfahren, aber im Verlauf der Geschichte, in ein- oder zweitausend Jahrenvielleicht, werden sie das sein, was für uns Heutige die Hethiter oder Inkassind: ein Volk in einer früheren Phase der Geschichte - mit Aufstieg,Ausdehnung und schließlichem Niedergang, der es in einem Nachfolgevolkaufgehen ließ. Das Volk der Juden aber wird es dann noch immer geben, daGott seinen mit Abraham geschlossenen Bund nicht bricht. Das relativiert somanches, was Christen in dieser Debatte bewegt und offensichtlich auch HerrnHohmann in der Seele quält. "Was sind das für ,Konservative', die Christliches für ihre Zwecke nutzbarmachen wollen?" Denn es ist zu vermuten, dass Herr Hohmann durchaus mit einem christlichenHintergrund spricht, wenn nicht sogar als bekennender Katholik. Immerhinverwies seine Homepage als Angeordneter auf einen "Arbeitskreiskonservativer Christen", bis dieser Link jetzt gelöscht wurde. Auch jenerArbeitskreis hat seinen Internet-Auftritt diese Woche geschlossen. Dafüraber wandert nun ein der "Tagespost" vorliegendes Pamphlet der "DeutschenKonservativen" durch dunkle Kanäle dieser Republik, in dem es heißt:"Christen beten zu Erzbischof Dyba: Gib Martin Hohmann Mut und Kraft". Wassind das für "Konservative", die Christliches und gar Katholisches für ihreZwecke nutzbar machen wollen und sich nun um Herrn Hohmann scharen?Katholiken und ihre Kirche wollen die Debatte nicht, die Hohmann mit seinerUnglücksrede angestoßen hat. Aber wenn die öffentliche Empörung nun auchnach der Kirche ausgreift (siehe Laurenz Meyer), dann sind ein paardeutliche Klarstellungen angebracht: Wer wo und wann auch immer durch die Taufe Glied der Kirche wird, erhältdamit eine neue Identität. Er wird Christ. Ob er dabei deutscher,koreanischer oder peruanischer Staatsangehörigkeit ist, kann für ihn - unddas ist vor allem eine katholische Erfahrung - völlig zweitrangig bleiben.Vor allem nach den schlimmen Erfahrungen in der abendländischen Geschichtemuss der Christ gerade heute die Juden als "ältere Brüder im Glauben"ehren - und sie nicht mit der Frage nach dem "Tätervolk" überziehen. So genannte "wertkonservative Christen" in Deutschland machen es genauandersherum: Sie sehen in ihrem Deutschsein ihre eigentliche Identität undhalten den deutschen Pass für ihren eigentlichen Taufschein. DasChristentum, das wie das Judentum ein Volk in der Nachfolge Gottes ist,reduzieren die Konservativen auf "Werte", die helfen sollen, das Staatswesenzusammenzuhalten und die Staatsbürger zur Tugendhaftigkeit zu motivieren.Nun kommt das Wort "deutsch" in der Heiligen Schrift nicht vor, undDeutscher zu sein, zählt vor Gott überhaupt nichts. Mit dem Jude-Seinverhält es sich vollkommen anders, denn in Jesus Christus wurde Gott durchdie Jüdin Maria selber ein Jude. Auch der Begriff "Werte" ist kein christlicher: Kein Märtyrer hätte füreinen "Wert" sein Leben hingegeben, und es sind keine "Werte", deretwegenein Mensch sich entschließt, sich zu Gott zu bekehren. Indem nun die"wertkonservativen Christen" immer nur als Deutsche den Judengegenübertreten, vergeben sie die Chance, in den eigentlichen Dialogeinzutreten, der zwischen Juden und Christen geführt werden muss. Dies istein religiöser Dialog, der das gemeinsame Erbe wie das Trennende in denBlick nimmt, in dem aber jedenfalls das Wort vom "Tätervolk" nicht dasGeringste zu suchen hat. Deutsche können den Staat Israel kritisieren, wennes zum Beispiel um die Palästinenser oder die Siedlungspolitik geht. Aber inGedenkreden die Frage nach dem Tätervolk der Juden zu stellen, weil man sichheute als Deutscher schlecht behandelt fühlt, kann nur zur jenerantisemitischen Schieflage führen, die Christen meiden müssen wie die Pest. Darum ist die Debatte, die Martin Hohmann ausgelöst hat, weit entfernt vondem, worüber sich Christen und erst recht Katholiken mit Judenauseinanderzusetzen haben. Und gleichzeitig wäre es unlauter, wennnotorische Kritiker der Kirche die Hohmann-Rede glaubenstreuen Katholiken indie Schuhe schieben wollen, nur weil einige verwirrte wertkonservativeChristengrüppchen nicht unterscheiden können, was das Wesensmerkmal "Christ"und was ein Deutscher ist. Die Ansprache Hohmanns war unnötig wie ein Kropf.Katholiken jedenfalls brauchen und wollen so eine Ansprache nicht.
Wiederholung - Ein Kommentar von Manfred Maurer / NEUES VOLKSBLATT Gestern vor 15 Jahren ist der deutsche Bundestagspräsident PhilippJenninger zurückgetreten. Der CDU-Politiker hatte in einer Rede zum 50.Jahrestag der Reichspogromnacht den Aufstieg der Nazis zu erklären versuchtund die Menschen verachtende Ideologie mit Originalzitaten illustriert.Diese standen im geschriebenen Redetext unter Anführungszeichen, in der Rededrückte Jenninger seine Distanz zu braunen Worthülsen mit Bemerkungen wie"so hieß es damals" aus. - Es nützte nichts. Israelische und amerikanischeZeitungen unterstellten ihm eine Verherrlichung des NS-Regimes, obwohlJennninger nichts ferner lag als das. Die Rede, die antisemitischeStereotypen aufzeigen sollte, wurde selbst als antisemitisch qualifiziert.Auch die Entschuldigung für etwas, wofür keine Entschuldigung fällig war,half Jenninger nicht. Er musste zurücktreten, weil sich seine Partei außerStande sah, dem Druck zu widerstehen. - Martin Hohmann ergeht es ähnlich. Erargumentierte, Juden dürften ungeachtet der Beteiligung von Juden anVerbrechen während der Oktoberrevolution ebensowenig wie die Deutschen"Tätervolk" genannt werden. Seither steht er als Judenhasser da. Und dieGeschichte wiederholt sich ... - - Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() LesermeinungenUm selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen. Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. | ![]() Mehr zuAufreger
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