17 Februar 2020, 11:30
„Fahrer hat Stoppschild als Bestätigung der Fahrtrichtung empfunden“
 
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Mit humorigen Worten kommentiert Gebetshausleiter Hartl die Reaktion des Pan-Amazonas-Netzwerkes Repam auf Querida Amazonia – Prantl in „Süddeutscher Zeitung“ versteht das Stoppschild allerdings richtig: Traum ist aus - Kommentar von Petra Lorleberg

Vatikan (kath.net/pl) „Der Polizei gegenüber erklärte der Autofahrer, er habe das Stoppschild als Bestätigung seiner Fahrtrichtung und Ermutigung zum ergebnisoffenen Diskurs darüber empfunden, was Geschwindigkeit heute bedeuten kann.“ Mit diesen Worten nimmt der Augsburger Theologe und Buchautor Johannes Hartl die Reaktion des Pan-Amazonas-Netzwerkes Repam auf das postsynodale Schreiben „Querida Amazonia“ aufs Korn. Hartl äußerte sich auf Twitter in Reaktion auf einen Tweet des „offiziell nicht offiziellen“ Internetauftritts der Deutschen Bischofskonferenz.

Demgegenüber hat Heribert Prantl in seinem Kommentar „Katholische Kirche? Es reicht!“ in der „Süddeutschen Zeitung“ deutlich gemacht, dass er das vatikanisch-synodale Stoppschild tatsächlich als das verstanden hat, was es ist: Ein Stoppschild. „Der Traum ist aus“, kommentiert er und hält das für „zum Verzweifeln: Papst Franziskus hatte nicht die Kraft, vielleicht auch nicht den Willen, den Zölibat zu lockern“. Nach unehrlichen Uminterpretationsversuchen (nicht nur von Repam) ist die Ehrlichkeit von Prantl fast schon angenehm. Prantl greift ehrlicherkeitshalber sogar auf, dass eine Freistellung des priesterlichen Zölibats vermutlich keine nachhaltige Lösung für den Priestermangel bringen würde. Er verweist darauf, dass immerhin „auch die evangelische Kirche, die den Zölibat nicht kennt, massive Probleme [hat], Nachwuchs zu finden“. Dadurch fällt allerdings seine Begründung für seine Forderung der Zölibatslockerung merklich dünn aus: „Die Lockerung des Zölibats [wäre] ein wichtiges Zeichen, dass die katholische Kirche die Probleme überhaupt ernst nimmt und dass sie das, was möglich ist, versucht“.

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Dann prophezeite Prantl, der 2019 den Katholischen Medienpreis verliehen bekommen hatte, dass trotz „Roma locuta, causa finita“ die Diskussion zu diesen Themenkreisen weitergehen werde. Damit dürfte er recht behalten, denn die reformorientierten Katholiken aus der deutschen Kirche verfahren nach dem Geheimmotto „Steter Tropfen höhlt den Stein“, was Prantl allerdings nicht so direkt erwähnt.

Prantl versteigt sich in seinem Kommentar in theologische Grundirrtümer: „Bisher ist nur der Mann das Ebenbild Christi“ – er meint vermutlich das sakramentale Handeln „in persona Christi“. Offenbar hat er die eigentlich breit bekannte Bibelstelle vergessen: „Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Als Mann und Frau erschuf er sie.“ (Gen 1,27) – ein Blick in seine Bibel hätte ihn diese Stelle übrigens gleich im ersten Kapitel finden lassen. Seine Beschreibung des angeblichen vatikanischen Frauenbildes passt derart wenig selbst zu konservativen Katholikinnen, dass Prantl eigentlich etwas hätte auffallen müssen. Vielleicht sollte er diese angeblich so unterdrückten Frauen, die sündig sind und kontrolliert werden müssen, mit ihrer strukturellen Minderwertigkeit besser in anderen Religionen suchen… gibt es dazu eigentlich auch kritische Kommentare von Prantl?

Humorvoll wird es bei Prantl ebenfalls, leider nur versehentlich. Heute würden ja auch „die Treuesten der Treuen“ den „Zwang zur Ehelosigkeit“ in Frage stellen, notiert er. Und dann listet er auf, wen er zu den „Treuesten der Treuen“ zählt: „Die Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz“, „die Präsidenten des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken“, „bekannte Christdemokraten“. Wer die Nachrichtenlage allerdings aufmerksam verfolgt, für den ist Prantls Bemerkung zumindest ein Insiderwitz … möglicherweise sogar bewusstes Uminterpretieren von Realitäten.

Prantls Kommentar ist ein Spitzenbeispiel dafür, was Papst Franziskus vor US-amerikanischen Bischöfen kritisiert hat: Den Reaktionen auf „Querida Amazonia“ sei zu entnehmen, dass „dass es manchen Leuten nur um den Zölibat und nicht um Amazonien“ gegangen war, so Franziskus. Enttäuscht dürfen jene Katholiken in Deutschland und darüber hinaus sein, die die Anliegen von Papst Franziskus für eigene Kirchenpolitik missbraucht haben.

Papst Franziskus scheint gerade zu lernen, dass nicht der Claqueur der echte Freund ist, sondern jener und jene, die in kritisch-konstruktiver Loyalität ihre Fragen einbringen. So dürfte auch das Lob zu verstehen sein, das Papst Franziskus an den emeritierten Präfekten der Glaubenskongregation gespendet hat. Nach Angaben der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ hat Franziskus sich in einem handschriftlichen Brief an Kardinal Gerhard Ludwig Müller für dessen Worte über das postsynodale Schreiben bedankt (siehe zu den Müller-Äußerungen u.a. das kath.net-Interview: „Hoffe, dass man jetzt in Deutschland eine religiöse Kehre vollzieht“).

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Symbolbild: Stopschild



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