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Die innere Freiheit des Jüngers

14. Mai 2021 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: die Gewissheit: Gott bezieht auch Menschen wie Judas in sein Heilswerk ein. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Zum Abschluss seiner Katechesenreihe über die Apostel beschäftigte sich Benedikt XVI. im Jahr 2006 mit Judas Iskariot und Matthias. Matthias nahm den Platz des Judas ein, der den Herrn verraten hatte.

„Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe“.

Viele meinen, an der Seite des Gottessohns könne man nichts anderes als gut werden. Und doch „wurde Judas zum Verräter (vgl. Lk 6, 16)“. Jesus achte die innere Freiheit des Jüngers, selbst wenn dieser sich schließlich in seinen Vorurteilen und im Eigenwillen verstricke. Auch für jeden von uns bestehe die Gefahr eines verstockten Herzens. Wir könnten dem vorbeugen, indem wir stets die innere Gemeinschaft mit dem Herrn suchen und in unserem Denken und Handeln an ihm Maß nähmen. Zudem „haben wir die Gewissheit: Gott bezieht auch Menschen wie Judas in sein Heilswerk ein“. Der Verräter liefere Jesus aus, und dieser gebe sich am Kreuz aus Liebe zu den Menschen hin. Und Matthias, auch er ein Zeuge des Wirkens Jesu, trage diese frohe Botschaft der göttlichen Liebe hinaus in die Welt.

„Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Dies trage ich euch auf, dass ihr einander liebt“ (Joh 15,9-17).


Benedikt XVI., Generalaudienz am 18. Oktober 2006:

Judas Iskariot und Matthias

Liebe Brüder und Schwestern!

Wenn wir heute den Gang durch die Porträtgalerie der Apostel, die direkt von Jesus während seines Erdenlebens berufen wurden, beenden, können wir den nicht unerwähnt lassen, der in den Zwölferlisten immer als letzter genannt wird: Judas Iskariot. Mit ihm zusammen wollen wir hier denjenigen erwähnen, der dann an seiner Statt erwählt worden ist, nämlich Matthias.

Schon allein der Name Judas löst unter den Christen eine instinktive Reaktion der Ablehnung und der Verurteilung aus. Die Bedeutung des Beinamens »Iskariot« ist umstritten: Die am häufigsten akzeptierte Erklärung versteht ihn als »Mann aus Kerijot« und bezieht sich dabei auf seinen Herkunftsort, der bei Hebron liegt und in der Heiligen Schrift zweimal erwähnt wird (vgl. Jos 15,25; Am 2,2). Andere interpretieren ihn als Variante des Begriffes »sicarius«, Meuchelmörder, als spiele er auf einen Freischärler an, der mit einem Dolch – lateinisch »sica« – bewaffnet ist. Schließlich sehen einige in dem Beinamen einfach die Transkription einer hebräisch-aramäischen Wurzel mit der Bedeutung: »der, der im Begriff war, ihn auszuliefern«. Diese Bezeichnung findet sich zweimal im Vierten Evangelium, und zwar nach einem Glaubensbekenntnis des Petrus (vgl. Joh 6,71) und dann während der Salbung in Betanien (vgl. Joh 12,4). Andere Stellen zeigen, daß der Verrat im Gange war, wenn es heißt: »der, der ihn verriet«; so während des Letzten Abendmahls, nach der Ankündigung des Verrats (vgl. Mt 26,25) und dann zum Zeitpunkt der Gefangennahme Jesu (vgl. Mt 26,46.48; Joh 18,2.5).

Die Zwölferlisten hingegen erinnern an die bereits begangene Tat des Verrats: »Judas Iskariot, der ihn dann verraten hat«, sagt Markus (3,19); bei Matthäus (10,4) und Lukas (6,16) finden sich ähnliche Formulierungen. Der Verrat als solcher geschah in zwei Momenten: Zunächst in der Planung, als Judas sich mit den Feinden Jesu auf 30 Silberstücke einigte (vgl. Mt 26,14–16), und dann bei der Durchführung der Tat, als er in Getsemani den Meister küßte (vgl. Mt 26,46–50). Auf alle Fälle beharren die Evangelisten auf dem Apostelrang des Judas, der ihm in jeder Hinsicht zukam: Er wird wiederholt »einer der Zwölf« (Mt 26,14. 47; Mk 14,10. 20; Joh 6,71) genannt oder »der zu den Zwölf gehörte« (Lk 22,3). Ja, zweimal sagt Jesus »einer von euch«, als er sich an die Apostel wendet und von Judas spricht (Mt 26,21; Mk 14,18; Joh 6,70;13,21). Und Petrus wird über Judas sagen: »Er wurde zu uns gezählt und hatte Anteil am gleichen Dienst« (Apg 1,17).

Es handelt sich also um eine Gestalt, die zum Kreis derer gehörte, die Jesus sich als enge Gefährten und Mitarbeiter erwählt hatte. Das wirft bei dem Versuch, den Geschehnissen eine Erklärung zu geben, zwei Fragen auf. Die erste besteht darin, daß wir uns fragen, weshalb Jesus diesen Mann erwählt und ihm sein Vertrauen geschenkt hat. Denn obwohl Judas für die Kasse der Gruppe verantwortlich war (vgl. Joh 12,6b; 13,29a), wird er tatsächlich auch als »Dieb« bezeichnet (Joh 12,6a). Das Geheimnis der Erwählung bleibt bestehen, um so mehr, als Jesus ein sehr schweres Urteil über ihn spricht: »Weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird!« (Mt 26,24).

Noch mehr verdichtet sich das Geheimnis seines ewigen Schicksals durch das Wissen, daß Judas seine Tat reute. »Er brachte den Hohenpriestern und den Ältesten die dreißig Silberstücke zurück und sagte: Ich habe gesündigt, ich habe euch einen unschuldigen Menschen ausgeliefert « (Mt 27,3–4). Obwohl er dann wegging, um sich zu erhängen (vgl. Mt 27,5), steht es uns nicht zu, seine Tat ermessen zu wollen und uns damit an die Stelle des unendlich barmherzigen und gerechten Gottes zu setzen.

Eine zweite Frage betrifft den Grund für das Verhalten des Judas: Warum verriet er Jesus? Die Frage ist Gegenstand verschiedener Hypothesen. Einige ziehen den Faktor seiner Geldgier heran. Andere befürworten eine Erklärung auf messianischer Ebene: Judas sei enttäuscht gewesen, als er gesehen habe, daß die politisch-militärische Befreiung seines Landes nicht zu den Plänen Jesu gehörte. In Wirklichkeit aber unterstreichen die Texte der Evangelien einen anderen Aspekt. Johannes sagt ausdrücklich: »Der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern« (Joh 13,2). Ähnlich schreibt Lukas: »Der Satan aber ergriff Besitz von Judas, genannt Iskariot, der zu den Zwölf gehörte« (Lk 22,3).

Auf diese Weise geht man über die historischen Motivationen hinaus und erklärt das Geschehen auf der Grundlage der persönlichen Verantwortung des Judas, der einer Versuchung des Bösen auf erbärmliche Weise nachgab. Der Verrat des Judas bleibt auf jeden Fall ein Geheimnis. Jesus hat ihn als Freund behandelt (vgl. Mt 26,50); bei seinen Aufforderungen, ihm auf dem Weg der Seligpreisungen zu folgen, übte er jedoch niemals Zwang auf den menschlichen Willen aus, noch bewahrte er ihn vor den Versuchungen Satans und respektierte damit die menschliche Freiheit.

Die Möglichkeiten der Verirrung des menschlichen Herzens sind in der Tat zahlreich. Der einzige Weg, ihnen vorzubeugen, besteht darin, nicht nur eine rein individualistische, autonome Sicht der Dinge zu pflegen, sondern sich im Gegenteil immer wieder aufs neue auf die Seite Jesu zu stellen und seine Sichtweise anzunehmen. Wir müssen Tag für Tag versuchen, in vollkommener Gemeinschaft mit ihm zu stehen. Erinnern wir uns daran, daß auch Petrus sich Jesus und dem, was ihn in Jerusalem erwartete, widersetzen wollte, wofür er aber eine strenge Zurechtweisung erhielt: »Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen« (Mk 8,32–33)! Nach seinem Fall bereute Petrus und fand Vergebung und Gnade. Auch Judas bereute, aber seine Reue artete in Verzweiflung aus und führte so zur Selbstzerstörung.

Das ist für uns eine Aufforderung, immer vor Augen zu haben, was der hl. Benedikt am Schluß des grundlegenden IV. Kapitels seiner Regel sagt: »Und an der Barmherzigkeit Gottes niemals verzweifeln«. Wirklich, Gott »ist größer als unser Herz«, wie der hl. Johannes sagt (1 Joh 3,20). Halten wir uns daher zwei Dinge vor Augen. Erstens: Jesus achtet unsere Freiheit. Zweitens: Jesus wartet auf unsere Bereitschaft zur Reue und zur Umkehr; er ist reich an Barmherzigkeit und Vergebung. Wenn wir im übrigen an die negative Rolle denken, die Judas gespielt hat, müssen wir sie der höheren Führung der Ereignisse durch Gott unterordnen. Sein Verrat führte zum Tod Jesu, der die schreckliche Hinrichtung in einen Akt heilbringender Liebe und in die Hingabe seiner selbst an den Vater umwandelte (vgl. Gal 2,20; Eph 5,2.25). Das Verb »verraten« ist die Übersetzung eines griechischen Wortes, das »hingeben« bedeutet. Manchmal ist sein Subjekt sogar Gott selbst: Er war es, der aus Liebe Jesus für uns alle »hingab« (vgl. Röm 8,32). In seinem geheimnisvollen Heilsplan nimmt Gott die unentschuldbare Tat des Judas als Gelegenheit zur vollkommenen Hingabe des Sohnes für die Erlösung der Welt an.

Zum Schluß wollen wir uns auch an denjenigen erinnern, der nach Ostern anstelle des Verräters gewählt wurde. In der Kirche von Jerusalem wurden zwei Männer von der Gemeinde vorgeschlagen, und dann wurde die Wahl durch das Los entschieden: »Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias« (Apg 1,23). Dieser letztere war der Auserwählte, und er »wurde den elf Aposteln zugerechnet« (Apg 1,26). Von ihm wissen wir nichts anderes, als daß auch er Zeuge des ganzen Lebens Jesu auf Erden war (vgl. Apg 1,21–22) und ihm bis ins Letzte treu blieb. Zur Größe seiner Treue kam dann der Ruf Gottes hinzu, den Platz des Judas einzunehmen, gleichsam um seinen Verrat auszugleichen. Daraus gewinnen wir eine letzte Lehre: Auch wenn in der Kirche unwürdige Christen und Verräter nicht fehlen, ist jeder von uns aufgerufen, ein Gegengewicht zu dem von ihnen begangenen Übel zu schaffen, durch unser klares Zeugnis für Jesus Christus, unseren Herrn und Erlöser.

 


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