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Ukraine: „Hunger und Durst nach spirituellen Werten“

20. Juni 2021 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Oberhaupt der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche zeigt sich optimistisch beim gemeinsamen Oster-Termin


Wien-München (kath.net/KIN)

Seit zehn Jahren leitet Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk die Ukrainische griechisch-katholische Kirche. Sie ist die größte der mit Rom unierten Ostkirchen. Auch drei Jahrzehnte nach dem Ende des Kommunismus ist die Ukraine zerrissen zwischen Ost und West – politisch, gesellschaftlich, geistlich. Bei einem Besuch im deutschen Büro des weltweiten katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ (ACN) sprach Schewtschuk über die Rolle der Religionen in der Ukraine, die Folgen der Corona-Krise, seine zehnjährige Amtszeit – und einen gemeinsamen Oster-Termin in Ost- und Westkirche.

Das Interview führte Florian Ripka, der Geschäftsführer von „Kirche in Not“ Deutschland.

 

Florian Ripka: Vor dreißig Jahren brach die kommunistische Herrschaft in Osteuropa zusammen. Die griechisch-katholische Kirche in der Ukraine hatte unter der Diktatur viel zu leiden, sie war eine Märtyrerkirche. Inwieweit beeinflusst Sie diese Erfahrung bis heute?

Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk: Unsere Kirche hat eine starke moralische Autorität in der Ukraine, weil wir keine Kollaboration mit dem kommunistischen Regime eingegangen sind. Eine zweite Frucht des Martyriums besteht im ökumenischen Dialog. Die Ukraine ist sowohl eine multiethnische wie multireligiöse Gesellschaft. In der Vergangenheit hatten wir manchmal schwierige Beziehungen zu unseren orthodoxen Mitchristen. Aber jetzt versuchen wir, viel in den ökumenischen Dialog zu investieren und den Teil unserer Identität stark zu machen, der uns eint. Wir fördern den Dialog in der Ukraine. Die griechisch-katholische Kirche ist heute auch führend in der Förderung der christlichen Soziallehre. Wir sind überzeugt, dass der Wandel in der Ukraine nur gelingen kann, wenn wir die Grundwerte der Soziallehre stark machen: Menschenwürde, Solidarität, Subsidiarität, das Gemeinwohl.


 

Papst Franziskus betont immer wieder, dass die Religionen und Konfessionen eine entscheidende Rolle spielen in Krisensituationen, wenn politisch, wirtschaftlich oder gesellschaftlich nichts mehr vorankommt. Sehen Sie das auch in der Ukraine?

Auch in der heutigen Ukraine gibt es politische Gruppen, die die Kirche für politische Vorhaben zu instrumentalisieren versuchen. Denn die Kirche hat einen hohen Grad an Glaubwürdigkeit, wie ihn kein Politiker hat. Wenn Religion für politische Vorhaben instrumentalisiert wird, kann sie als Werkzeug der Aggression verwendet werden. Und das war in der Geschichte der Ukraine auch der Fall. Heute aber sind wir uns einig in dem Engagement, jede Form von Wut und Gewalt zu überwinden. Besonders beten wir in dieser Zeit großer Furcht in der Ukraine um Frieden.

 

Noch ein Stichwort zur Ökumene: Die Bemühungen um einen gemeinsamen Oster-Termin für Ost- und Westkirche haben in jüngerer Zeit wieder Aufschwung bekommen. Was denken Sie darüber?

Meine spontane Reaktion war: Endlich! Es gibt auch in der griechisch-katholischen Kirchen Gemeinden, die dem Gregorianischen Kalender folgen, die meisten folgen dem Julianischen. Viele Menschen fragen: Wann werden wir gemeinsam Ostern und Weihnachten feiern können? Wir sind uns bewusst, dass wir ein solches Problem nicht allein lösen können. Deshalb fördern wir den Dialog zwischen Ost und West. Denn das wichtigste Fest unseres Glaubens gemeinsam feiern zu können, ist auch ein Zeichen der Einheit. Ich bin optimistisch.

 

Sprechen wir über die jungen Menschen in der Ukraine. Nach dem Ende des Kommunismus kam der Einfluss des Westens. Auch dieser hatte nicht immer gute Auswirkungen. Sehen Sie die Notwendigkeit einer Neuevangelisierung in der Ukraine?

Die Säkularisierung erreicht die Ukraine ebenso wie andere Teile der Welt. Aber selbst in einer säkularen Gesellschaft gibt es großen Hunger und Durst nach spirituellen Werten. Ich treffe fast täglich junge Menschen, die nach hohen Idealen suchen, nach Antworten auf ihre Fragen angesichts der dramatischen Situation in der Ukraine: Ist Gott mit uns, oder sind wir vergessen? Gibt es Werte, für die ich mein Leben einsetzen und auf die ich bauen kann? Diese Fragen kann kein Mensch beantworten, kein Präsident und kein Politiker. Wir können die Antwort nur vom Wort Gottes her erhalten. Es gibt daher in der Ukraine noch ein sehr großes religiöses Interesse. Gerade unter den Bedingungen der Covid-19-Pandemie haben Online-Angebote wie geistliche Gespräche, Bibelstunden und anderes mehr viele junge Menschen zusammengebracht.

 

Sie haben Covid-19 angesprochen. Nicht nur die militärischen Konflikte bedrohen die Ukraine, sondern auch die Pandemie. Wie ist die Lage im Land, und was tut die Kirche, um den Menschen zu helfen?

Unser Gesundheitssystem ist nicht in der Lage, auf eine derart dramatische Situation eine adäquate Antwort zu geben. Deshalb brauchen nicht nur die infizierten Menschen geistliche Begleitung, sondern auch die Ärzte und Pflegekräfte. Deshalb haben wir in den vergangenen Monaten die Klinikseelsorge und die Seelsorge im Gesundheitswesen verstärkt. Covid-19 wird nicht so einfach verschwinden. Wir müssen mit einer solchen Gefahr leben und lernen, kirchliche Dienste auch unter solchen Umständen zu organisieren. Die Welt wird sich verändern. Wir Christen müssen darin eine neue Kultur des Lebens fördern.

 

Herr Großerzbischof, seit zehn Jahren sind Sie jetzt das Oberhaupt der griechisch-katholischen Kirche. Was waren in diesen Jahren Ihre wichtigsten Erfahrungen?

Am Tag meiner Amtseinführung habe ich den Gläubigen versprochen, sie zu besuchen – überall auf der Welt, wo immer sie leben. Das mache ich seit zehn Jahren. Ich habe dabei erlebt, dass wir eine Weltkirche sind. In der Ukraine haben wir rund fünf Millionen griechisch-katholische Gläubige. Aber als größte katholische Ostkirche haben wir eine große weltweite Gemeinschaft in verschiedenen Teilen der Welt. Wir beobachten, wie groß das Interesse ist an unserer östlichen Tradition, an unserer Spiritualität, an unserer Liturgie. Wir haben während der Pandemie eine Art Online-Religionsunterricht eingerichtet. Da waren Kinder aus Mexiko, Kasachstan, Kanada, den USA, aus Spanien und Portugal und verschiedenen Teilen der Ukraine zusammen. Es ist schön zu erfahren, dass unsere Kirche weltweit und weltoffen ist.

 

Foto: Großerzbischof Schewtschuk beim Osterfest 2021. © Kirche in Not


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