Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Konflikt um Alte Messe betrifft Auffassung über Kirche und ihre Rolle in der Welt
  2. Allein den Betern kann es noch gelingen - Schicken Sie uns Ihr Anliegen!
  3. „Der protestantische Niedergang in Deutschland stellt die Logik des Synodalen Weges in Frage“
  4. „Illegal und provokant: Frauenpredigt mit dem Ziel der Priesterinnenweihe“
  5. Papst über katholische Schulen: Es geht nicht um Missionierung
  6. Schweizer Staatskirchenportal verbreitet Propaganda für das Töten ungeborener Kinder
  7. Brasilianischer Kardinal Tempesta exkommuniziert Diözesanpriester Holtz unter „Schisma“-Vorwurf
  8. "Liebe Herren-Kund*innen!" - Gender-Gaga bei H&M 
  9. „Pandemie der Ungeimpften“? – Vorwurf: Politische Maßnahmen ignorierten wissenschaftliche Studien
  10. Kohlgraf: Papst Franziskus ist über Synodalen Weg „gut informiert“, aber beurteilt ihn „kritisch“
  11. Weihnachtsspende für kath.net - Wir brauchen JETZT Ihre DRINGENDE Hilfe!
  12. „Teufel ade, wir brauchen den guten Arzt nicht mehr, wir haben die Medizin“
  13. "Wie der Heilige Nikolaus mit einer schallenden Watschn die Kirche rettete"
  14. Katholisch im absurden Theater
  15. 'Jesus, Josef und Maria - Ich kenne nur eine 'Royal family'

"Vielleicht wird Lula da Silva ausländische Missionare ausweisen"

14. November 2022 in Interview, 2 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


kath.net-Interview mit P. Walter Trautenberger, der seit 25 Jahren in Brasilien als Priester tätig ist, über möglicherweise "manipulierte Wahlen" in Brasilien und warum es trotzdem Hoffnung für das Land gibt - Von Roland Noé


Linz (kath.net/rn)
P. Walter Trautenberger stammt aus der Diözese Linz und ist seit 25 Jahren in Brasilien Diözesanpriester. Er kennt das Land aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung sehr gut. P. Walter, der visuell durchaus Ähnlichkeiten mit Bud Spencer hat, leitet eine große Pfarrei, in der es am Sonntag sechs Heilige Messen gibt. In seiner katholischen Schule ist er noch für 460 Schüler mitverantwortlich. Als Priester wurde er schon zweimal überfallen und ausgeraubt, den neuen Präsidenten hält er für den korruptesten Politiker des Landes.

Ein kath.net Interview über das größte katholische Land der Welt, die jüngsten Wahlen und warum es für Brasilien trotzdem viel Hoffnung gibt.

kath.net: Du bist seit 25 Jahren Diözesanpriester in Brasilien in der Diözese Anapolis. Wie ist die Lage dort? Gibt es  Hoffnung für das Land?

P. Walter Trautenberger: Es gibt zwei Aspekte. Der Klerus selbst ist zum Teil von der umstrittenen Befreiungstheologie angehaucht, einige sind leider in homosexuellen Netzwerken aktiv. Das hängt alles aber auch davon ab, wo sie studiert haben.

Die Erneuerung ist aber im ganzen Land auch wirklich sehr stark. So sind einige sehr gute Priester auf YouTube und erreichen dort sehr viele Gläubige. Einer davon ist Padre Paulo Ricardo, der auf YouTube 1,5 Millionen Menschen erreicht. Frei Gilson, ein Karmeliterpater mit 3,4 Millionen Abonnenten auf YouTube z.b. mobilisiert im Advent hunderttausende Menschen, die im Advent um 4.00 Uhr in der Nachts aufstehen, um gemeinsam den ganzen Rosenkranz via Internet zu beten. Das wird auf YouTube und Facebook übertragen. In unserer Diözese gibt es auch das Jericho-Gebet, bei dem sich jede Pfarre beteiligt.

Von der Basis her gibt es viele heiligmäßige Familien, die sich der Muttergottes weihen und das Skapulier tragen. Das sind wirklich viele, die auch versuchen, sich an der Lehre der katholischen Kirche orientieren, mehr als vielleicht manchen Priestern lieb ist.

Wichtig ist auch der Fernsehsender Canção Nova, der von den Erneuerungsgruppen betrieben wird. Die kann man landesweit empfangen und sind überall in Brasilien und geben den Gläubigen auch Kraft und Sicherheit. Daher kann man durchaus hoffnungsvoll in die Zukunft Brasilien schauen.

kath.net: Heißes Thema „Wahl in Brasilien“ – Wie ist Deine Meinung dazu?

P. Walter Trautenberger: Es waren meiner Meinung nach keine freien Wahlen, es gab von Anfang an Manipulationen. Es gab keine physischen Stimmzettel, alles war elektronisch und kann daher im Nachhinein auch kaum überprüft werden. Diese Wahlkabinen sind kleine Computer und können dadurch leichter über Software und über den Datentransport gefälscht werden. Gerade wurden in Argentinien die Wahlen von Brasilien untersucht, dies wird jetzt dem brasilianischen Heer übergeben. Es gab z. B. Urnen, in den sogar 100 % für den linken Lula da Silva an Stimmen aufscheinen. Das war schon mehr als auffällig. Ein Schritt dieser Wahlfälschung geschah bereits vor über 1 Jahr. Damals wurde ein Versuch unternommen, dass man bei der Wahl so eine Art Bestätigung bekommt, aus der dann klar hervorgeht, wie man gewählt hat. Dies wurde damals mit fadenscheinigen Gründen zurückgewiesen. Lula da Silva war ja bereits in Brasilien viele Jahre an der Macht, sein Name steht für Korruption, unter seiner Herrschaft wurde z.b. der Oberste Gerichtshof von Brasilien mit linken Richtern besetzt. Diese haben diese Wahlreform im Vorfeld verhindert! Es war vor der Einführung der elektronischen Wahlabstimmung gesetzlich festgelegt worden, dass eine Art „Bestätigung“ bei der Wahl durchgeführt werden musste. Wie schon gesagt, haben Lula da Silvas Höchstrichter dies verhindert. Es besteht schon die Gefahr, dass Brasilien in die Richtung der kommunistischen Diktaturen wie Kuba, Venezuela oder Nicaragua geht. Zumindest ist es in den Köpfen derer, die jetzt an die Macht kommen.

kath.net: Gibt’s in Brasilien genügend Medien, die dies auch kritisch begleiten?

P. Walter Trauenberger: Es gibt bei uns verschiedene Privatmedien, keine staatlichen Medien. Radios gibt es unübersehbare viele. In der Fernsehlandschaft gibt es einige größere, darunter auch kirchliche. Alle müssen aber ihre Lizenz erneuern und sind dadurch auch abhängig von der Regierung. Einige größere Medien haben sich auch kaufen lassen, ein Sender hat sich z.B. von China aufkaufen lassen, andere wurden mit Geldern bestochen und haben durchaus Wahlhilfe für Lula da Silva betrieben.

Die meisten wirklich Unabhängigen agieren vor allem übers Internet, über YouTube oder auch regionale Fernsehsender. Aus Angst vor Repressalien danach haben sich aber doch viele herausgehalten.

kath.net: Ein wichtiger Punkt aus kirchlicher Sicht ist die Frage der Abtreibung. Wie ist hier die Situation jetzt?

P. Walter Trautenberger: Die jetzige Regierung unter Bolsonaro war immer klar gegen jede Form der Abtreibung, auch  die Gender- und LGBT-Ideologie wurde klar abgelehnt. Lula da Silvas kommunistische Arbeiterpartei hat hingegen klar das Töten ungeborener Kinder im Programm.

kath.net: In der „Welt“ war vor einigen Tagen ein spannender Artikel, in dem klar aufgezeigt wurde, dass unter Bolsonaro die Wirtschaft sich wirklich gut entwickelt hat. Wie schauts hier aus?

P. Walter Trautenberger: Das stimmt, das haben die Leute gemerkt. Bei uns gibt es seit zwei Monaten keine Inflation sondern sogar eine Deflation. Bolsonaro hatte in den Ministerien wirklich Leute vom Fach geholt und eben nicht Parteischacher durchgeführt. Die haben gut gearbeitet.

kath.net: Auch die Kriminalitätsrate soll unter Bolsonaro deutlich zurückgegangen sein?

P. Walter Trauenberger: Ja, ungefähr um ein Drittel. Das weiß ich auch aus eigener Erfahrung. Ich bin in Brasilien auch zweimal überfallen worden, mir wurde dabei auch mit der Pistole gedroht. Das ist auch aus dem Grund zurückgegangen, weil die Menschen das Recht haben, zu Hause Waffen zu besitzen. Die Polizei bekam auch mehr Freiheiten, um reagieren zu können. In absoluten Zahlen gab es in Brasilien vor einigen Jahren noch 60.000 Morde, diese sind jetzt immerhin auf 40.000 Morde pro Jahr zurückgegangen. Die meisten Morde passieren davon aber nach wie vor in der Drogenszene.

kath.net: Brasilien ist ja von der Einwohnerzahl ja nach wie vor das katholischste Land der Welt. Thema „Glaube und Religionsfreiheiten“ – Was ist hier von Lula da Silva zu erwarten?

P. Walter Trautenberger: Es gibt noch viele Freiheiten. Derzeit muss man noch nichts befürchten. Brasilien hat nur eine extreme Bürokratie. An und für sich gibt es derzeit keine Schwierigkeiten. Man kann katholische Schulen und kirchliche Radiosender betreiben. Unter Lula da Silva könnte sich hier durchaus etwas ändern. So besteht Gefahr, dass der "Kirchenbeitrag" besteuert werden könnten.

kath.net: In Brasilien gibt es einen „Kirchenbeitrag“?

P. Walter Trautenberger: Ja, aber es ist freiwillig. 1 x im Monat wird in den Kirchen dafür gesammelt. Hier soll aber jeder das geben, was er kann. Die Pfarren geben ihren Zehent von den Spenden dann an den Bischof weiter. Damit wird auch unser Seminar erhalten.

kath.net: Gibt es unter Lula da Silva noch weitere Gefahren für die Kirchen?

P. Walter Trautenberger: Ja, es besteht die Gefahr, dass man die Kirchen auch zur Trauung von Homosexuellen zwingen könnte. Das hat der neue Präsident auch schon selbst gesagt, dass es in diese Richtung gehen könnte. Auch könnte es Druck auf die katholischen Schulen geben, um auf diese Einfluss zu nehmen. Auch auf die vielen Militärschulen, die in Brasilien sehr boomen, könnte es ähnlichen Druck geben.

kath.net: Abschließend nochmals die Frage zum Glauben in Brasilien? Wie wird Brasilien in 10,20 oder auch 30 Jahren aussehen?

P. Walter Trautenberger: Ich glaube, dass es vom Verhältnis her ungefähr so wie in Deutschland bleiben wird. Dh. es wird einerseits eine große Anzahl von Menschen weiterhin katholisch sein, die anderen werden eher Pfingst- und Freikirchen anhängen. Diese Blöcke werden ungefähr gleich stark bleiben. Die Religiosität und der Glaube ist aber in Brasilien stark im Volk vorhanden und das wird auch so bleiben.

Es gibt auch bei vielen Fragen eine gute Zusammenarbeit zwischen Katholiken und den Freikirchen. Die haben auch das christliche Menschenbild, mit denen bei moralischen Werten gut zusammenarbeiten kann. Bolsonaro selber ist Katholik, seine Frau ist eine Evangelikale. Auch in der Pandemie-Zeit hatten sich beide übrigens für die Freiheiten der Kirche eingesetzt, damit diese offen bleiben konnten. Doch auch hier hatte sich der Oberste Gerichtshof, der eben von Lula da Silvas Freunden besetzt ist, dagegen ausgesprochen und interveniert.

kath.net: Wie lange wirst Du noch in Brasilien als Priester tätig sein?

P. Walter Trautenberger: Das entscheidet alles die Vorsehung Gottes. Vielleicht wird es auch dazu kommen, dass ausländische Missionare bei Lula da Silva ausgewiesen werden. Wir werden sehen.

kath.net: Danke für das Interview!

kath.net-Videotipp: Eucharist. Jugendkongress, ua. mit P. Walter - Kleiner Video-Einblicke https://rumble.com/v1s440s-brasilien-junge-katholiken.html

Foto: (c) kath.net

 

 


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 Chris2 8. November 2022 
 

Sehr erhellend.

Also ist jetzt offenbar ganz Amerika links bis linksradikal regiert. Mich würde interessieren, wer diese Wahlcomputer beschlossen hatte. War das noch da Silva oder bereits Bolsonaro? Denn sie öffnen ja Manipulationen Tür und Backdoor und verunmöglichen jegliche Wahlbeobachtung vor Ort (habe selbst 2x bei Auszählungen zugesehen und war über das Chaos entsetzt. Es gab nicht einmal improvisierte Kärtchen, wo welche Stimmzettel hingehören. Ein paar Blatt Papier und ein Edding - und alles wäre klar gewesen). Gottes Schutz und Segen den Brasilianern. Mögen wir Christen und alle Menschen guten Willens in den weltweit heraufziehenden Stürmen zusammenhalten...


1
 
 Adamo 8. November 2022 
 

Herzlichen Dank lieber Roland Noé

für das aufklärende Interview mit dem kompetenten P.Walter Trautenberger.

Wir konnten bisher die Präsidentschaftkandidaten Bolsonaro und Lula da Silva wegen der riesigen Lügenpropagande nicht genau einordnen.

Jetzt wissen wir Bescheid, leider erst nach der Präsidentschaftswahl.


3
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Brasilien

  1. Brasilien: Wo der Hunger zum Himmel schreit
  2. Brasilien: Corona vergrößert Not und Hunger
  3. Brasilien: Die Obersten Richter votieren mehrheitlich für Lebensschutz
  4. Brasilien: 140.000 bei evangelikaler Großveranstaltung in drei Stadien
  5. Neues Abstinenzprogramm für Brasiliens Jugendliche
  6. Brasilien: Regierung will Volksschüler vor Gender-Ideologie schützen
  7. Brasilien: Bürgermeister lässt Travestieshow verbieten
  8. Brasilien: Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens
  9. Brasilien eliminiert Gender- und Homo-Ideologie aus den Lehrplänen
  10. "Gott steht über allem"







Top-15

meist-gelesen

  1. Allein den Betern kann es noch gelingen - Schicken Sie uns Ihr Anliegen!
  2. Eine einmalige kath.net-Reise ans Ende der Welt - NORDKAP + LOFOTEN
  3. „Der protestantische Niedergang in Deutschland stellt die Logik des Synodalen Weges in Frage“
  4. 'Jesus, Josef und Maria - Ich kenne nur eine 'Royal family'
  5. Das Platzen der großen Lebenslüge der 'deutschen Kirchen'
  6. Brasilianischer Kardinal Tempesta exkommuniziert Diözesanpriester Holtz unter „Schisma“-Vorwurf
  7. Konflikt um Alte Messe betrifft Auffassung über Kirche und ihre Rolle in der Welt
  8. Weihnachtsspende für kath.net - Wir brauchen JETZT Ihre DRINGENDE Hilfe!
  9. Katholisch im absurden Theater
  10. US-Bischof: „Diese deutschen Bischöfe sollten den Mut haben, eine weitere Sekte zu gründen“
  11. „Illegal und provokant: Frauenpredigt mit dem Ziel der Priesterinnenweihe“
  12. Kohlgraf: Papst Franziskus ist über Synodalen Weg „gut informiert“, aber beurteilt ihn „kritisch“
  13. "Wie der Heilige Nikolaus mit einer schallenden Watschn die Kirche rettete"
  14. „Teufel ade, wir brauchen den guten Arzt nicht mehr, wir haben die Medizin“
  15. Wallfahrtsort Maria Birkenstein – Wie geht es weiter?

© 2022 kath.net | Impressum | Datenschutz