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Trendwende in Irland? Beginnt eine Rückkehr zum Glauben?

12. März 2026 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Trotz einer Welle der Säkularisierung in den letzten beiden Jahrzehnten bleibt Irland eines der katholischsten Länder Europas. Bemerkenswert ist die deutliche Zunahme der Glaubenspraxis unter jungen Menschen und eine hohe Zahl an Erwachsenentaufen.


Dublin (kath.net/jg)
Irland galt lange als eines der katholischsten Länder Europas. Noch in den 1990er Jahren besuchten über 80 % der Bevölkerung regelmäßig die sonntägliche Messe. In den vergangenen zwei Jahrzehnten setzte jedoch eine rasante Säkularisierung ein: Skandale in der Kirche, gesellschaftlicher Wandel und die Liberalisierung in Fragen wie Abtreibung und Ehe führten zu sinkenden Kirchenbesucherzahlen, Priestermangel und einem wachsenden Anteil von Menschen ohne religiöse Bindung, berichtet The Catholic Herald.

Umso bemerkenswerter ist eine aktuelle Entwicklung, die in einem neuen Bericht der Irischen Bischofskonferenz dokumentiert wird. Der im März 2026 veröffentlichte Report mit dem Titel „Turning the Tide? Recent Religious Trends on the Island of Ireland“ (dt. „Wendet sich das Blatt? Neueste religiöse Trends auf der Insel Irland“), erstellt unter Mitwirkung des Religionssoziologen Stephen Bullivant und basierend auf Daten der European Social Survey, zeichnet ein differenziertes, teilweise hoffnungsvolles Bild.


Irland bleibt vergleichsweise religiös. Trotz des langfristigen Rückgangs zählt Irland weiterhin zu den katholischen Ländern Westeuropas mit dem höchsten Anteil an praktizierenden Gläubigen. Unter den getauften Katholiken liegt der Anteil der wöchentlichen Messbesucher auf Platz vier – hinter Polen, der Slowakei und Italien. Auch der Anteil der Menschen ohne jegliche religiöse Zugehörigkeit ist in Irland deutlich niedriger als in den meisten westeuropäischen Nachbarländern – nur Italien und Portugal weisen noch geringere Werte auf.

Der entscheidende Befund des Berichts betrifft die jüngste Entwicklung: Während die Daten der European Social Survey über zwei Jahrzehnte einen kontinuierlichen Rückgang des Glaubens in der Bevölkerung zeigten, meldet die Erhebungswelle 2023/2024 einen „starken Aufschwung“ bei religiöser Zugehörigkeit und religiöser Praxis. Dieser Effekt zeigt sich am stärksten bei den 16- bis 29-Jährigen – und zwar sowohl bei Katholiken als auch bei Protestanten.

Besonders eindrucksvoll: In der Republik Irland stieg der Anteil der 16- bis 29-jährigen Katholiken, die wöchentlich die Messe besuchen, von etwa 7 Prozent (2020–2022) auf 17 Prozent (2023/2024) – ein Anstieg um rund 143 %. Dieser Wert positioniert die jungen irischen Katholiken europaweit unter den aktiveren Gruppen ihrer Altersklasse.

Noch deutlicher fällt der Kontrast zu Nordirland aus. Die Region bleibt der mit Abstand religiöseste Teil des Vereinigten Königreichs und auch der gesamten Insel. Über 40 Prozent der Katholiken besuchen dort wöchentlich oder häufiger die Messe. Insgesamt bezeichnen sich 69 Prozent der Bevölkerung als katholisch oder einer anderen christlichen Konfession zugehörig – im Vergleich zu nur 37 Prozent im restlichen Vereinigten Königreich. Der Anteil der Konfessionslosen liegt bei lediglich 24 Prozent (Republik Irland: 32 Prozent).


Rekordzahlen bei Konversionen


Die Zahlen schlagen sich bereits in der Realität nieder. Die Erzdiözese Dublin, die fast eine Million Katholiken betreut, wird dieses Osterfest eine Rekordzahl von 129 Erwachsenen in die Kirche aufnehmen – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 80 des Vorjahres und den lediglich 22 im Jahr 2020 vor der Pandemie.

Ähnliche Entwicklungen werden aus anderen englischsprachigen Ländern berichtet, etwa aus Großbritannien, wo die Kirchenbesucherzahlen zwischen 2018 und 2024 von 3,7 auf 5,8 Millionen gestiegen sind und die katholische Kirche besonders profitiert.

Eamon Martin, Erzbischof von Armagh und Primas von ganz Irland, mahnt zur Vorsicht. Man solle sich nicht zu sehr darüber freuen und von einer vollständigen Umkehrung des langjährigen Abwärtstrends sprechen. Dennoch räumt er ein: „Der Bericht sieht etwas.“ Er richtet den Blick nach vorne und fragt: Wie kann die Kirche auf die wachsende Zahl junger Menschen reagieren, die mehr über Gott, die Kirche und Religion wissen wollen?

 


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