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Irakischer Patriarch Sako tritt zurück

vor 2 Stunden in Weltkirche, 1 Lesermeinung
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Oberhaupt der Chaldäisch-katholischen Kirche ist eine wichtigsten christlichen Stimmen im Nahen Osten - Sako betont: "Niemand hat mich zum Rücktritt gezwungen" und legt ungewöhnlicherweise seine Vermögensverhältnisse offen


Vatikanstadt/Bagdad (kath.net/KAP) Der Patriarch von Bagdad, Kardinal Louis Raphaël Sako (Archivfoto), geht in den Ruhestand. Der Papst nahm den Rücktritt des 77-Jährigen am Dienstag an, wie der Vatikan mitteilte. Der Iraker leitete seit 2013 als Patriarch die Chaldäisch-katholische Kirche, eine mit Rom verbundene Ostkirche, die weit zurück in die Anfänge des Christentums reicht. Sie hat rund eine halbe Million Mitglieder. Ihr Zentrum liegt im heutigen Irak, der Sitz des "Patriarchen von Babylon" ist die Hauptstadt Bagdad.

Islamistischer Terror, eine instabile Sicherheitslage, wirtschaftliche Perspektivlosigkeit und Ressentiments in der muslimischen Mehrheitsgesellschaft machen den christlichen Gläubigen in der Region seit vielen Jahren zu schaffen. Unermüdlich setzte sich Sako gegen die Abwanderung der Christen aus ihrer Heimat und für Religionsfreiheit sowie einen freien und demokratischen Irak mit gleichen Rechten für alle Bürgerinnen und Bürger ein. An die muslimischen Partner gerichtet, forderte er eine Modernisierung des Islam.

Erst am Wochenende mahnte der Kardinal angesichts der Gewalt im Nahen Osten und der Golfregion vor einer weiteren Eskalation. "Krieg ist keine Lösung, nur Diplomatie kann zur Lösung der Probleme beitragen", mahnte er in einem Radio-Vatikan-Interview. "Niemand weiß, wohin dieser Krieg führen wird. Und wir haben 2003 dasselbe Szenario erlebt", erklärte Sako und warnte vor "Chaos, Unruhen, Racheakten, Angriffen".


Das Chaldäer-Oberhaupt blickte mit großer Anspannung auf das Schicksal der christlichen Gemeinschaften, insbesondere in der Ninive-Ebene im Norden des Irak. Mitte der 2010er Jahre waren viele Ninive-Christen wegen der Verfolgung durch die Terrormiliz IS geflohen. "Wir Christen sind sehr besorgt, denn wenn sie beginnen, die Ninive-Ebene anzugreifen, wo 50.000 Christen leben, werden diese Menschen ihre Häuser verlassen und diesmal nicht mehr zurückkehren", sagte der Patriarch zu Radio Vatikan.

Enge Beziehungen zu Österreich

Sako wirkte ab 1986 in Mossul als Gemeindepfarrer und leitete seit 1997 das Priesterseminar in Bagdad, bis er 2002 zum Erzbischof von Kirkuk gewählt wurde. Bei seiner Wahl zum Patriarchen im Jahr 2013 wählte er den Namen Louis Raphael I. 2018 erhob ihn Papst Franziskus zum Kardinal, gleich in den höchsten Rang eines Kardinalbischofs, wie es für die Patriarchen der mit Rom verbundenen Ostkirchen üblich ist. Seit 2022 ist Sako zudem Mitglied des vatikanischen Wirtschaftsrates.

Patriarch Sako hat seit vielen Jahren enge Beziehungen zu Österreich, insbesondere zum Linzer Hilfswerk "Initiative Christlicher Orient" (ICO). Er ist aber auch Träger des "Kardinal-König-Ehrenpreises". Dieser wurde Sako von der Kardinal-König-Stiftung "in Würdigung seines Einsatzes für die Bürgerrechte der Christen im Nahen Osten und für Versöhnung und Dialog" zuerkannt.

Patriarch Sako hat in einer persönlichen Stellungnahme, die auf der Website des Patriarchats veröffentlicht wurde, erklärt, dass er in voller Freiheit seinen Rücktritt bei Papst Leo XIV. eingereicht habe, "um mich in Stille dem Gebet, dem Schreiben und einfachen Diensten widmen zu können". Schon vor zwei Jahren, als er 75 wurde, habe er über reinen etwaigen Rücktritt nachgedacht und dies auch mit Papst Franziskus besprochen. Dieser habe ihn jedoch zum Bleiben ermutigt.

Eingereicht habe er den Rücktritt nun an diesem Montag, er wurde vom Papst angenommen und auf Bitten Sakos am Dienstagmittag bekannt gegeben. Und der Patriarch fügte nochmals hinzu: "Um jeglichen Missverständnissen vorzubeugen, bestätige ich, dass mich niemand dazu gezwungen hat; vielmehr habe ich aus freiem Willen um meinen Rücktritt gebeten."

Er blicke auf 13 Jahre an der Spitze der Chaldäischen Kirche zurück, in denen er sich um die Einheit der Kirche, die Rechte der Christen und aller Iraker bemüht habe - in äußerst schwierigen Zeiten. Sein besonderer Dank gelte seiner Familie und all jenen, mit denen er als Priester in Mosul, als Bischof in Kirkuk und als Patriarch in Bagdad zusammenlebte. Zudem bitte er aufrichtig alle um Verzeihung, "die ich möglicherweise beleidigt habe".

Er hoffe, dass in diesen schwierigen Zeiten die Leitung der Chaldäisch-katholischen Kirche einem Patriarchen anvertraut wird, "der über fundierte theologische Kenntnisse, Mut und Weisheit verfügt - jemandem, der an Erneuerung, Offenheit und Dialog glaubt und zudem Humor besitzt". Er werde den neuen Patriarchen respektieren und sich niemals in seine Arbeit einmischen, so Sako. Nachsatz: "Ich bin zuversichtlich, dass Gott sich um seine Kirche kümmern wird."

Etwas seltsam mutet der Abschluss der Erklärung des Patriarchen an, wo er wörtlich schreibt: "Aus meinen Gehältern während meiner 52-jährigen Priestertätigkeit besitze ich etwa 40 Millionen irakische Dinar (ca. 26.000 Euro, Anm.), 5.000 US-Dollar und 5.000 Euro, zusätzlich zu meinem Anteil am Verkauf meines Elternhauses in Mosul. Ich besitze weder ein Haus noch ein Auto, mein wahrer Reichtum aber sind mein hingebungsvoller Dienst und die 45 Bücher und zahlreichen Artikel, die ich veröffentlicht habe."

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Lesermeinungen

 SalvatoreMio vor 1 Stunden 
 

Ein treuer und tapferer Hirte!

Der Patriarch Sako war einmal bei einer Tagung von "Kirche in Not" in Köln zugegen, wo er von der Sitation seiner Heimat berichtete. Seitdem habe ich ihn ins Herz geschlossen und wünsche ihm Kraft für seinen weiteren Weg und Hoffnungszeichen für die Christen im Nahen Osten.


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