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Zweigleisigkeit von Pfarrer Friedl ist nicht gut

6. Juli 2009 in Deutschland, keine Lesermeinung
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Joseph Baur, Regens des Priesterseminars der Erzdiözese München, hält wenig von den Vorschlägen von Zulehner, der ehrenamtliche Helfer zu Priester weihen möchte


München (kath.net/www.glaubenslust.de)
Das Paulusjahr ist Geschichte, nun sind die Priester in den Fokus gerückt. Welche neuen Anforderungen stellt die Zukunft an den Nachwuchs? Was hat sich in der Ausbildung geändert? Im Gespräch mit glaubenslust.de schildert Monsignore Dr. Franz Joseph Baur, Regens des Priesterseminars St. Johannes der Täufer der Erzdiözese München und Freising, die aktuelle Situation und erklärt, warum der Zölibat eine Hürde ist, auf die die Kirche nicht verzichten kann

glaubenslust.de: Das Priesterjahr hat begonnen und der Nachwuchsmangel an Priestern wird überall beklagt. Wie schlimm ist die Lage?

Monsignore Dr. Baur: Wir brauchen nicht drumherum zu reden: Wir würden uns eine bessere Situation wünschen. Aber eines möchte ich schon anmerken: Das Reservoir von jungen Männern, aus dem wir schöpfen, ist kleiner geworden. Das bedeutet, dass sich vielleicht absolut gesehen weniger Menschen für den Priesternachwuchs entscheiden, dagegen relativ gesehen die Quote fast sogar etwas besser ist...

...was aber im Bezug auf den Priestermangel wenig nützt...

Das ist richtig. Und dennoch: Wieso sollten die Priesterzahlen steigen, während zum Beispiel gleichzeitig die Zahlen der Gottesdienstbesucher sinken? Das zu glauben, wäre unrealistisch.

Sie haben gesagt, dass die Situation besser sein könnte. Was hält junge Männer davon ab, sich für den Priesterberuf zu entscheiden?

Ein wichtiger Grund ist aus meiner Sicht, dass eine solche Entscheidung nicht immer positive Anerkennung findet bei Eltern und Freunden. Man steht ziemlich alleine da. Das merke ich, wenn Spätberufene zu uns kommen. Sie heißen Spätberufene, sind es aber eigentlich nicht. Sie erzählen nämlich oft, dass sie bereits als Jugendliche den Wunsch hatten Priester zu werden. Aber man hat ihnen geraten, etwas "G'scheites" zu machen. Etwas zu tun, was gesellschaftlich entsprechend angesehen ist. Und erst wenn sie dann für sich wirklich erkannt haben, was sie wollen, und auch frei genug sind, dann treffen sie die Entscheidung für ihren Lebenstraum.


Ist der Zölibat auch so ein Hinderungsgrund?

Für manche Männer, die ich kenne und von denen ich überzeugt bin, dass sie gute Priester seien könnten, schon. Aber die haben sich das gut überlegt und deshalb respektiere ich das.

Wäre es da nicht sinnvoller, den Zölibat abzuschaffen? Immerhin sagen Sie selber, dass das gute Priester sein könnten.

Ich glaube nicht, dass die Kirche im ganzen davon profitieren würde. Der Zölibat ist eine Hürde, eine hohe Hürde. Nicht jeder muss über diese Hürde springen. Aber die, die das tun, die entwickeln auch Sprungkraft. Und das ist wertvoll.

Was genau ist daran wertvoll?

Wenn der Herr jemanden haben will als seinen Freund, als seinen Priester, dann hat der Mensch dadurch eine intensive und menschlich spürbare Beziehung. Das heißt nicht, dass man eine Partnerschaft oder Familien nicht einmal vermisst. Aber man spürt eben, dass man einen anderen großartigen Partner hat: Jesus selbst.

Dem österreichischen Pfarrer Josef Friedl hat diese Partnerschaft nicht ausgereicht. Er hat sich zu seiner Lebensgefährtin bekannt und leitet dennoch weiter eine Gemeinde. Wie bewerten Sie das?

In so einem Fall verliert der Priester an Glaubwürdigkeit. Man fragt sich, wie ehrlich er ist: zu der Frau, zu sich selbst, zu der Gemeinde und zu Gott. Diese Zweigleisigkeit ist nicht gut. Das ist ein Schaden für alle Beteiligten.

Was würden Sie also fordern?

Es gibt Krisen, in denen die Lebensentscheidung neu ansteht. Wenn ein Priester dann aus dem Amt scheidet, darf man ihn menschlich natürlich nicht fallen lassen. Eher würde ich ihn aber einladen, zu sagen: Ich treffe die Entscheidung nun noch einmal bewusst...

...für den Beruf des Priesters und den Zölibat...

...und versuche, diesen Lebensweg noch einmal mit neuer Kraft zu gehen. Jeder kann einen Fehltritt begehen und dann umkehren. Aber es muss eine klare Entscheidung getroffen werden.

Was halten Sie vor diesem Hintergrund von dem Vorschlag von Professor Paul Zulehner, ehrenamtliche Helfer zu Priester zu weihen, die dann auch verheiratet sein können?

Wenig. Laien und Ehrenamtliche sind unverzichtbar für das Leben der Kirche. Wir brauchen sie unbedingt. Aber ich glaube nicht, dass es nötig ist, sie auch zu Priestern zu weihen und somit die Zulassungsbedingungen zu ändern. Der Priesterberuf ist kein Hobby.

Aber wenn die Zahlen der Priesterkandidaten nichts anderes mehr zulassen...

Soweit sind wir lange noch nicht. Wenn ich die jungen Männer hier im Seminar erlebe, bin ich optimistisch. Wir haben eine große Bandbreite von Persönlichkeiten, die sicher gute Priester werden. Auch in der Ausbildungsstruktur sind noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Wir können z.B. weiter darin voran gehen, Kommunitäten zu bilden, die die Interessen des Einzelnen noch mehr berücksichtigen. Letztlich hat sich auch das propädeutische Jahr...

...in dem die Kandidaten ein Jahr lang in Passau eine Vorbereitung in Sprachen, Glaubensfragen oder auch der Liturgie durchlaufen...

...hervorragend bewährt. Das gibt den Kandidaten Auftrieb, Schwung und legt wirklich eine sehr gute Grundlage.

Diese Grundlage ist nötig, die Anforderungen an den Priester werden immer größer. Was bedeutet das für Sie als Ausbilder?

Ich begleite in der Ausbildung die Kandidaten viel individueller als früher. Dann müssen wir die jungen Männer auf eine pluralistische Welt vorbereiten. Wir können uns nicht mehr nur in einem bestimmten Milieu aufhalten, das wir selber alle gut kennen. Priester werden in Zukunft noch spezialisierter als heute sein. Das bedeutet vielleicht auch, dass es sinnvoll sein kann, Priester punktueller einsetzen. Aber alle Spezialisierung und Professionalisierung hat doch eine Grenze: Am Ende muss die Eucharistie, das einfache Symbol von Brot und Wein, immer der verbindende Punkt sein. Und da bin ich für die Zukunft des Priesterberufes und unserer Kirche im Ganzen sehr zuversichtlich: Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist für uns alle gestorben. Das kann niemanden kalt lassen. Diese Botschaft geht jeden an – und wir als Priester müssen das den Menschen nahe bringen.

Interview: Simon Biallowons


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