Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. ZDF hasst Katholiken
  2. Vatikan-Bischof lobt John Lennons atheistisches ‚Imagine‘ als ‚schönstes Lied der Welt‘
  3. Die 'Akte Lügenfritz': Wenn Staatsgläubigkeit die Meinungsfreiheit verdrängt
  4. Erzbistum Washington entlässt Exorzisten wegen Äußerungen zu UFOs und Dämonen
  5. Deutliche Kritik an 'Amoris Laetitia' im Vorfeld des Papstbesuches
  6. Christus bleibt nicht im Tempel! Fronleichnam: Einladung für die Gegenwart
  7. "Gesegneten Frohnleichnahm" - eine CSU-Blamage zu Fronleichnam
  8. Es gibt keine zweite Chance mehr
  9. Papst Pius X.: ‚Was brauchen wir heute am meisten, um die Gesellschaft zu retten?
  10. Kardinal Woelki: In der Eucharistie schenkt sich Christus selbst
  11. Das Beichtgeheimnis: Festgeschrieben für die Ewigkeit?
  12. Technisch brillant, geistig obdachlos
  13. Großes Kardinalstreffen mit dem Papst - KI statt Liturgie
  14. Eduard Habsburg: Alte Messe ist ‚absolute Antithese zur heutigen Welt‘
  15. Papst: „Ich bin zutiefst berührt, dass Sie darüber sprechen können“

Was wusste Pius XII. wirklich?

11. Jänner 2010 in Weltkirche, 2 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Benedikt XVI. ist kein Diplomat – anders als Pius XII., der stets äußerst vorsichtig handelte. - Von Anne-Catherine Simon (Die Presse)


Wien (kath.net/DiePresse.com)
Der Papst, der zum Holocaust schwieg: Seit Jahrzehnten ist das Bild Eugenio Pacellis von diesem Vorwurf beherrscht. Da und dort lesen noch Schüler das Stück „Der Stellvertreter“, in dem Rolf Hochhuth diesen Papst fünf Jahre nach dessen Tod als Verbrecher, ja Mörder anklagte. Und in der größten Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem steht unterm Bild von Pius XII.: „Selbst als Berichte über den Mord an Juden den Vatikan erreichten, hat der Papst weder mündlich noch schriftlich dagegen protestiert (...). Selbst als Juden aus Rom nach Auschwitz deportiert wurden, hat er nicht eingegriffen.“

Anders als vor seiner Regensburger Rede hat Papst Benedikt XVI. den jetzigen „Skandal“ also sicher vorhergesehen, als er am Samstag Pius XII. den „heroischen Tugendgrad“ zuerkannte, ihn damit ein großes Stück in Richtung Seligsprechung weiterbeförderte – und Vertreter jüdischer Gemeinden in Deutschland, Frankreich und Italien empörte. 43 Jahre dauert das Verfahren um die Seligsprechung von Pius XII. nun schon, Benedikt XVI. hat es weiter verzögert. Zu wenig, sagen die Pius-Kritiker. Sie hatten gefordert, den Prozess auszusetzen, bis die Vatikanarchive aus der Hitlerzeit zur Gänze geöffnet seien – das hätte, dem Vatikan zufolge, noch fünf bis sechs Jahre gebraucht, zumal es dort Usus ist, Archive jeweils für ein gesamtes Pontifikat zu öffnen.


Doch Papst Benedikt XVI. ist kein Diplomat – anders als Pius XII., der stets äußerst vorsichtig handelte. Die einen geißeln ihn, die anderen loben ihn sogar dafür. Pius XII. wusste genau, argumentieren seine Verteidiger, dass er mit jeder öffentlichen Geste das Leben unzähliger Katholiken in Deutschland aufs Spiel setzte – und seine Chancen, heimlich Juden das Leben zu retten. Dass er das tat – mindestens 700.000 seien es gewesen, sagte nach dem Krieg der jüdische Gelehrte Pinchas Lapide –, steht heute außer Streit. Der Leiter der Holocaust-Gedenkstätte, Avner Shalev, sagte im Mai 2009, Yad Vashem habe neue Dokumente aus den vatikanischen Archiven erhalten, die das öffentliche Bild von Pius XII. „zutiefst verändern“ könnten. Demnach gab der Papst während des Zweiten Weltkrieges persönlich die Anweisung, in einem Kloster bei Rom verfolgte Juden zu verstecken. Aus Dankbarkeit dafür ließ sich übrigens der nach dem Krieg konvertierte römische Großrabbiner Israel Zolli auf den Vornamen Eugenio taufen.

Das Beispiel der Heiligen zeige die Würde des Menschen, die sich „in den historischen Umständen, in den persönlichen Charakteren, den freien und verantwortungsbewussten Entscheidungen und den übernatürlichen Charismen zeigen kann“, sagte der Papst, als er den „heroischen Tugendgrad“ von Pius XII. (und weiteren 20 Personen, darunter Johannes Paul II.) anerkannte. Für alle, die das „Schweigen“ von Pius XII. unverständlich und schrecklich finden, können diese Worte nur ein Affront sein. Pius XII., der Diplomat, hätte vielleicht anders gehandelt und die vollständige Öffnung der Archive abgewartet. Erst dann werden, wenn überhaupt jemals, endgültige Antworten auf die alten Fragen möglich sein: Wie viel wusste Pius XII. über den Holocaust? Was hat er getan, was hätte er tun können, und was hat er verabsäumt?


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Kirchengeschichte

  1. In Rom endete vor 150 Jahren die weltliche Macht der Päpste
  2. ORF und ZEIT verbreiten falsche Propaganda zu Pius XII.
  3. Pastor Angelicus
  4. Hat Papst Pius XII. zum Holocaust geschwiegen?
  5. Als Hitler befahl, den Papst zu entführen
  6. Maria-Namen-Fest am Siegestag der Schlacht am Kahlenberg
  7. Keineswegs wollte ich Martin kränken
  8. Peter Egger – Kirchengeschichte: Licht und Schatten
  9. Der Traum der Frau des Pilatus und das Credo der Kirche
  10. Die Römische Kurie und eine Geschichte: Donate, et dabitur vobis






Top-15

meist-gelesen

  1. SIZILIEN-Rundreise mit Kaplan Johannes Maria Schwarz - ANMELDUNG nur noch bis 22. JUNI!!!
  2. ZDF hasst Katholiken
  3. Das Beichtgeheimnis: Festgeschrieben für die Ewigkeit?
  4. "Gesegneten Frohnleichnahm" - eine CSU-Blamage zu Fronleichnam
  5. "Ich musste ihm unglücklicherweise ein paar Schläge verpassen"
  6. Schottischer Pfadfinderjunge verweigert Verbeugung vor Allah in der Moschee
  7. Östereichische Bischofskonferenz: Lackner bleibt Vorsitzender, Scheuer wieder Vize
  8. Deutliche Kritik an 'Amoris Laetitia' im Vorfeld des Papstbesuches
  9. Kardinal Woelki: In der Eucharistie schenkt sich Christus selbst
  10. Polen: Fußballer Bartosz Sobczyk gab seine Karriere auf, um Priester zu werden
  11. Vatikan-Bischof lobt John Lennons atheistisches ‚Imagine‘ als ‚schönstes Lied der Welt‘
  12. Erzbistum Washington entlässt Exorzisten wegen Äußerungen zu UFOs und Dämonen
  13. Papst kommt unpünktlich und scherzt auf Deutsch: "Ich bin Ausländer"
  14. Die 'Akte Lügenfritz': Wenn Staatsgläubigkeit die Meinungsfreiheit verdrängt
  15. Aus der Liebe geboren, zur Einheit berufen - Ein Leib, ein Geist, eine Sendung

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz