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Irritierend für einen Theologen aus der innerkirchlichen Provinz

2. Dezember 2010 in Chronik, 15 Lesermeinungen
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Peter Seewald als „Panzerjournalist“ oder kämpferischen Antimodernisten darzustellen, ist völlig absurd. - Ein Kommentar von Christian Spaemann zur untergriffigen Attacke von Paul Zulehner


Rom (kath.net) Ich habe Peter Seewald persönlich kennen gelernt und weiß um seinen Lebenslauf. Peter Seewald ein fundamentalistisches Niveau vorzuwerfen, ihn gar als „Panzerjournalist“ oder kämpferischen Antimodernisten darzustellen, ist völlig absurd. Der ehemalige Marxist und Journalist bei Stern, Spiegel und der Süddeutschen Zeitung hat es nicht nötig gehabt, als Katholik die Moderne in sich aufzunehmen, sondern er ist ein Moderner, der den Glauben in sich aufgenommen hat. Als solcher weiß er, wenn er über die Moderne spricht, wovon er spricht.


Peter Seewald ist einer der interessantesten gläubigen Journalisten im deutschen Sprachraum, dessen Urteil Gewicht hat. Im Interview mit Papst Benedikt hat er einerseits entsprechend seiner Profession Fragen in verschiedene Richtungen bewusst zugespitzt, andererseits die Probleme unserer Zeit und der Kirche im Klartext angesprochen. Dass dies für manch einen der innerkirchlichen Provinz verhafteten Theologen irritierend ist, mag verständlich sein. Nicht verständlich ist es, deshalb einen Mann wie Peter Seewald durch Zuweisung an ein innerkirchliches Lager disqualifizieren zu wollen.

Die völlig unerschrockene Art von Peter Seewald bei gleichzeitiger spiritueller Tiefe erinnert mich ein wenig an den konvertierten Journalisten Fritz Gerlich, der als ehemaliger Chefredakteur der Münchner Neuesten Nachrichten, der Vorgängerzeitung der Süddeutschen Zeitung, begann Klartext zu reden, wofür er damals innerkirchlicher Kritik ausgesetzt war. Schließlich wurde er von den Nazis über ein Jahr lang gefoltert und ermordet.

Leider ist die Umgangsweise mit Peter Seewald kein Einzelfall. Es ist tatsächlich grotesk, wenn wir die wenigen profilierten Konvertiten, die wir gegenwärtig im deutschsprachigen Raum haben, auch noch marginalisieren.




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