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'Ein schöner Sonntag für mich'

18. März 2012 in Deutschland, 16 Lesermeinungen
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Gauck ist als Bundespräsident für Überraschungen gut - Von Christoph Scholz und Volker Resing (KNA)


Berlin (kath.net/KNA)
Joachim Gauck überrascht. Nicht staatstragend fängt der neue Bundespräsident seine erste Rede an, sondern persönlich. Es sei ein schöner Sonntag heute, sagte er nach seiner Wahl im Reichstagsgebäude. «Und es ist auch ein schöner Sonntag für mich.» Der neue präsidiale Ton ist eine Mischung aus großem Pathos und einfachen, freundlichen Worten. Er werde sich «mit ganzem» Herzen einbringen, aber gewiss nicht alle Erwartungen erfüllen, erklärte er.

Erwartungsgemäß war Gauck von der Parteienkoalition aus CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen gewählt worden. Es war sein zweiter Anlauf, nachdem er bei seiner ersten Kandidatur 2010 gescheitert war. Lediglich die Linken stimmten für ihre Kandidatin Beate Klarsfeld. In seiner Ansprache vermied er Zuspitzungen in eine Richtung, selbst seine Freiheits-Rhetorik fiel zurückgenommener aus als bisher. «Ich werde mich auf neue Themen und Personen einstellen», versprach er und begegnete damit Einwürfen im Vorfeld, er sei thematisch zu eng aufgestellt.

Der ehemalige evangelisch-lutherische Pastor sieht sich selbst als «linken, liberalen Konservativen». Diese Indifferenz macht dem brillanten Redner nichts aus. Er hat bisher von seiner Freiheit auch praktischen Gebrauch gemacht. Nicht nur als ehemaliger Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde hat er sich eingemischt in die öffentlichen Debatten. Am Sonntag erklärte er, seine Amtszeit vor allem der Stärkung der Demokratie zu widmen. Er wolle eine «Annäherung der Regierenden an die Bevölkerung», so Gauck. Er sei ein Bürger, der Verantwortung übernehme. Es sei eine Verpflichtung, die «aus dem Glück der Freiheit» erwachse.


Der aus Rostock stammende Kapitänssohn musste schon früh Verantwortung übernehmen. 1951 verschleppen die Sowjets seinen Vater für fünf Jahre nach Sibirien. Der elfjährige Joachim ist bis zur Rückkehr Vaterersatz für drei jüngere Geschwister. Nach dem Abitur wird ihm ein Germanistikstudium verwehrt. Als einzige Geisteswissenschaft steht ihm die Theologie offen. Zunächst in Lüssow, danach seit 1971 im Rostocker Plattenbau-Stadtteil Evershagen zieht er sich rund 20 Jahre lang allsonntäglich den Talar zur Predigt über.

Die Kirche bietet Freiraum. Seit den 70er Jahren ist Gauck im Visier der Stasi. Einen Konfrontationskurs meidet er, doch auch mit dem Leitbild einer «Kirche im Sozialismus» kann er wenig anfangen. 1989 schließt er sich der Protestbewegung in Mecklenburg an. In Rostock leitet er Gottesdienste, denen Großdemonstrationen folgen, und wird regionaler Sprecher der Bürgerbewegung «Neues Forum».

1990 vertritt er das «Forum» als Abgeordneter der ersten frei gewählten Volkskammer. Aus der Leitung des «Sonderausschusses zur Kontrolle der Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit» wird eine Langzeitaufgabe: Er wird Sonderbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. Und mit der «Gauck-Behörde» wird sein Name Synonym für eine der Aufklärung und nicht der Rache verpflichtete Aufarbeitung des DDR-Unrechts. Trotz allem Freiheitspathos hält Gauck am «Unterschied zwischen Politik und romantischer Sehnsucht oder prophetischer Verheißung» fest. Dies macht er etwa gegenüber dem politisch linken Protestantismus oder Margot Kässmanns Diktum «Nichts ist gut in Afghanistan» deutlich.

Mit seinem Verständnis von Freiheit als Eigenverantwortung empfiehlt er sich Liberalen, mit seinem Toleranz-Begriff Konservativen: «Wir sollten nicht der irrigen Meinung sein, dass wir der Toleranz etwas Böses antun, wenn wir noch einmal unsere christlich-jüdische Dogmatik anschauen, fragen, welche Werte für unsere Gesellschaft heilsam und wichtig sind, und sie neu zu schätzen lernen».

Gauck pendelt zwischen Grundsätzlichem und Persönlichem. Die konkrete Haltung zu vielem bleibt bisher bisweilen offen, von der Bioethik bis zur Außenpolitik. Gauck lebt seit 1991 von seiner Ehefrau und Mutter der vier gemeinsamen Kinder getrennt. Öffentlich tritt er mit seiner neuen Partnerin, der Journalistin Daniela Schadt, auf. Die sonore Stimme erinnert noch an den Pfarrer in ihm, ebenso die pädagogische Leidenschaft. Als Staatsoberhaupt fängt er erst an.

kathTube: Die Wahl von Gauck als Video



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