Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. So nicht, Mr. Präsident!
  2. Vorstoß im Bundestag: AfD fordert Ende der Staatsleistungen für Kirchen
  3. Wenn der Funktionär den Bischof ersetzt
  4. Wer dir beim letzten Atemzug beisteht
  5. "Man hätte also Hitler gewähren lassen sollen?" - Trump-Leo-Streit eskaliert
  6. BILD spricht von Kurswechsel in Berlin: Papst Leo XIV. schickt „Dompteur“ für deutsche Bischöfe
  7. US-Vizepräsident JD Vance legt Papst Leo XIV. nahe, sich aus der US-Politik herauszuhalten
  8. Kard. Müller: „Niemand hat das Recht den Papst zu kritisieren, wenn er treu seinem Auftrag folgt“
  9. Jeder zweite Deutsche wünscht sich ein Leben nach dem Tod
  10. Schwedischer Kirchenhistoriker: Viele junge Menschen wollen katholisch werden, besonders Männer
  11. Italien: Seligsprechungsverfahren für Teenager eröffnet
  12. Vatikan stoppt Seligsprechungsverfahren für argentinischen Bischof Jorge Novak
  13. Burke: Ein anhaltender Clash zwischen Papst Leo und Trump? „Das ist übertrieben“
  14. Phil Lawler: Die Kontroverse zwischen Trump und Papst Leo ging von Washington aus
  15. Setzt euer Vertrauen nicht in Prinzen!

DBK-Flyer 'Geschlechtersensibel' - Gender für Amateure

26. Oktober 2015 in Kommentar, 7 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Genderforscherinnen dürften schon auf Seite 2 des DBK-Flyers in Ohnmacht fallen, weil sich der Flyer in bipolarer Heteronormativität ergeht. Ein Unding für eine Theorie, die wenigstens 60 Geschlechter kennt. kath.net-Kommentar von Peter Winnemöller


Bonn (kath.net) Nun hat Gendermainstreaming seinen Weg auch in die katholische Kirche in Deutschland gefunden. Nachdem in Rom eine deutliche Mehrzahl der Synodenväter klar und unmissverständlich dazu geäußert hat, dass Gendermainstreaming mit dem katholischen Glauben unvereinbar ist, gibt es in Deutschland nun einen offiziellen Flyer zu Gendermainstreaming. Der Titel lautet: „Geschlechtersensibel: Gender katholisch gelesen“ Veröffentlicht wurde dieser Flyer anlässlich des Symposions „Geschlechtersensibel: Theologische Perspektiven im pastoralen Handeln“ in Oberzell bei Würzburg, das vor wenigen Tagen stattfand. Der Flyer kann hier aufgerufen werden.

Der Flyer erhebt den Anspruch, die Debatte um Gendermainstreaming zu versachlichen. Ferner sollen die Begriffe Sex und Gender erklärt werden, es soll geklärt werden, worauf es bei Gendermainstreaming ankommt und was das alles mit dem christlichen Menschenbild zu tun hat. Es ist für sich genommen schon ein steiler Anspruch, dies in einem Flyer bewältigen zu wollen. Unmöglich wäre es vermutlich nicht, denn was es zu Gendermainstreaming aus katholischer Sicht zu sagen gibt, könnte man tatsächlich in wenigen Zeilen zusammenfassen.

Um es gleich vorweg zu sagen: Der Flyer wird seinem Anspruch nicht gerecht. Es findet keine Versachlichung statt. Es wird versucht den Kunstbegriff „Gender“ noch irgendwie zu retten, dabei wird allerdings die Brisanz vollends ausgeklammert, wenn typisches Verhalten oder typische Kleidung von Männern und Frauen abgehoben wird. Genderforscherinnen dürften mehrheitlich schon auf Seite 2 in Ohnmacht gefallen sein, weil sich der Flyer der DBK in bipolarer Heteronormativität ergeht. Ein Unding für eine Theorie, die wenigstens 60 Geschlechter kennt. Was der Flyer allerdings diskret ausblendet.


Auch der Zusammenhang von Sex und Gender und angebliche katholische Deutung werden weder den Thesen von Gendermainstreaming noch einer christlichen Anthropologie gerecht. Mann und Frau sind von Gott nach seinem Ebenbild geschaffen. Für dekonstruktivistische Modelle, die die Schöpfung in beliebiger, frei wählbarer Geschlechterwahl – zur Not auch je nach Tagesform – verändern, ist da kein Platz. Auch diesen Aspekt versucht der Flyer, ohne ihn kritisch zu würdigen, einfach zu umschiffen. Erst auf der vierten Seite wird klar, warum: Gendermainstreaming wird dort als eine „politische Strategie, die zu mehr Chancengerechtigkeit zwischen Frauen und Männern beitragen will“, bezeichnet. Und das ist nun wirklich ein Anfängerfehler!

„Es geht ihr [der Gendertheorie Anm. PW] nicht um Kultivierung, sondern um die Dekonstruktion der Sexualität.“ (Spieker, Manfred. Gendermainstreaming in Deutschland. Konsequenzen für Staat, Gesellschaft und Kirchen. Paderborn 2015) So wird ein Schuh daraus. Der Rest des Flyers ist damit im Grunde hinfällig, da schon bei der Definition grundsätzliche Fehler gemacht werden. Mithin können die Schlussfolgerungen nur falsch sein.

Ein Blick in die Literaturempfehlungen zeigt dann auch, dass weder authentische Stimmen von Genderforscherinnen oder Vordenkerinnen der Genderszene vorkommen, noch etwa Bücher oder Artikel von Kritikern des Gendermainstreamings aufgeführt werden. Dabei gibt es eine ganze Reihe katholischer Autoren, die sich sehr intensiv und durchaus seriös und sachlich mit der Gendertheorie beschäftigt haben.

Der Grundsatzfehler des Genderflyers der DBK ist wohl darin zu suchen, dass versucht werden soll, die Gendertheorie doch noch irgendwie zu taufen. Eine im Grundsatz ehrenwertes Anliegen, das jedoch allein schon wegen der eklatanten Widersprüche zur Schöpfungstheologie und zur christlichen Anthropologie zum Scheitern verurteilt sein muss.

Die Päpste Benedikt XVI. und Franziskus haben sich sehr klar und eindeutig zu dieser Frage geäußert. Erst kürzlich hatte sich Bischof Algermissen in einer Predigt zu Gendermainstreaming geäußert. Weder von einem der Päpste noch von einem Bischof finden sich Zitate in dem Flyer. Es wundert nicht, denn alle genannten hatten sich komplett ablehnend zur Gendertheorie geäußert. Das passt nicht ins System, also wird es ignoriert. Zur Versachlichung trägt es allerdings eindeutig nicht bei, wenn man unliebsame Positionen ausblendet. Unwissenschaftlich ist es allemal.

Der Flyer an sich ist hier wenig hilfreich, wenn darum geht, Männern und Frauen, insbesondere in ihrer Rolle als Eltern, Hilfen an die Hand zu geben, wie sie denn mit schon jetzt spürbaren Folgen von Gendermainstreaming umgehen sollen. Wo sie Hilfe bekommen, wenn ihre Schul- und Kindergartenkinder mit einer „Sexualpädagogik der Vielfalt“ in Berührung kommen. Auch diese Folge von Gendermainstreaming blendet der Flyer vollends aus. Gleichfalls ignoriert wird die Konsequenz für uns alle, die sich aus LSBTTI- Aktionsplänen der Länder ergeben. Es geht bei Gendermainstreaming um vollständige Dekonstruktion von Geschlecht, Geschlechterrollen und menschlicher Sexualität.

Die Behauptung Gendermainstreaming sei nichts weiter als eine politische Strategie zur Gleichstellung von Mann und Frau ist nicht weniger als eine gefährliche Verharmlosung einer Ideologie, die ohne gesellschaftliche Diskussion und ohne jegliche demokratische Legitimierung ihren Weg in alle gesellschaftlichen Bereiche und politischen Ebenen gefunden hat. Das ist – man kommt nicht umhin es immer wieder zu betonen – ein Ausdruck von totalitärem Herrschaftshandeln, der dem Gendermainstreaming anhaftet. Auch diese Warnung sucht man im Flyer der DBK vergeblich. Der Anspruch der Versachlichung der Debatte wird leider völlig verfehlt und kommt unterm Strich nur als butterweiche Verharmlosung daher.

Am 23.10.2015 unterzog Bischof Voderholzer den DBK-Genderflyer einer Grundsatzkritik.

- Am 24.10.2015 sagte Kardinal Cordes zu kath.net über den DBK-Flyer: 'Mir bleibt es nur zu protestieren!'

- kath.net wird weiter berichten -

Zur Dokumentation: Der Gender-Flyer der Deutschen Bischofskonferenz


Foto Peter Winnemöller (c) kath.net/Michael Hesemann


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Deutsche Bischofskon

  1. Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ wird neuer Bischof von Münster
  2. Deutsche Bischofskonferenz beschließt: Man will in Rom um Erlaubnis für Laienpredigt bitten
  3. Burger: „Kurzum, wie hältst Du es mit Religion und Kirche? Wie geht das mit dem Glauben?“
  4. Woelki: „Herr, offenbare du deinen Willen für deine Kirche, das ist der Kernsatz aller Synodalität“
  5. „Garant der Einheit in der Liebe ist der Hirte der Universalkirche, derzeit der Hl. Vater Leo XIV.“
  6. Zwei (renommierte und namentlich bekannte) Missbrauchsopfer „blitzen mit ihren Protesten ab“
  7. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  8. Debatte um Leitung der Deutschen Bischofskonferenz - Lehramtstreue Bischöfe als „Königsmörder“?
  9. Unter den kroatischen Katholiken wächst Grundsatzkritik
  10. Auch Bischof em. Hanke/Eichstätt erhebt Einwände gegen DBK-Papier zur sexuellen Vielfalt







Top-15

meist-gelesen

  1. Wer dir beim letzten Atemzug beisteht
  2. So nicht, Mr. Präsident!
  3. Kard. Müller: „Niemand hat das Recht den Papst zu kritisieren, wenn er treu seinem Auftrag folgt“
  4. BILD spricht von Kurswechsel in Berlin: Papst Leo XIV. schickt „Dompteur“ für deutsche Bischöfe
  5. "Man hätte also Hitler gewähren lassen sollen?" - Trump-Leo-Streit eskaliert
  6. Wenn der Funktionär den Bischof ersetzt
  7. US-Vizepräsident JD Vance legt Papst Leo XIV. nahe, sich aus der US-Politik herauszuhalten
  8. Bischof: „Bin durch diese Äußerungen von Staatsanwälten und Richtern verletzt. Das ist Hassrede“
  9. Sängerin Nina Hagen bereut ihre Abtreibungen
  10. Vatikan stoppt Seligsprechungsverfahren für argentinischen Bischof Jorge Novak
  11. Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen christlichen YouTuber
  12. Vorstoß im Bundestag: AfD fordert Ende der Staatsleistungen für Kirchen
  13. Italien: Seligsprechungsverfahren für Teenager eröffnet
  14. Phil Lawler: Die Kontroverse zwischen Trump und Papst Leo ging von Washington aus
  15. Burke: Ein anhaltender Clash zwischen Papst Leo und Trump? „Das ist übertrieben“

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz