16 Dezember 2019, 10:00
Die Politik des Synodalen Weges
 
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„Warum fordert man mitunter als Konsequenz aus der MHG-Studie die Zölibatsaufhebung, aber niemand fordert eine Aufhebung der Verjährungsfrist für sexuelle Gewalt und Missbrauch?“ Gastbeitrag von Thorsten Paprotny

Osnabrück (kath.net) Vor wenigen Tagen las ich ein Interview mit Bischof Dr. Franz-Josef Bode. Der Oberhirte der Diözese Osnabrück wurde gebeten, den „Synodalen Weg“ verständlich zu erklären. Ein Schlüsselbegriff scheint der Begriff „systemisch“ zu sein, in Verbindung mit den skandalösen Missbrauchsvorgängen. Von „systemisch“ bedingten Ursachen ist in diesem Zusammenhang öfter gesprochen worden. Verstanden wird unter „systemischen Fragen“ also ein ganzheitlicher Ansatz. Nicht ein einzelnes Problem oder einzelne Personen sollen in Blick genommen werden, sondern das Ganze.

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Verantwortlich werden kann aber nur ein Einzelner oder eine Vielzahl von Einzelnen. Jede Straftat wird, ob in oder außerhalb einer Institution, von einer Person begangen. Ein Straftäter könnte sagen, ihm werde ein Verbrechen zur Last gelegt. Die Tat habe er zwar begangen, aber eigentlich gar nicht gewollt. Das sei vielmehr ein systemisches Problem. Die eigentliche Schuld liege bei den Strukturen der Sünde. Doch das alles sind Nebelbildungen: Der Straftäter ist der Schuldige, und wer eine solche Straftat deckt, macht sich mitschuldig. Die Antwort auf Straftaten enthält das Strafrecht.

Bischof Bode sagt in dem Interview: „Synodaler Weg bedeutet eine gemeinsame Suchbewegung von Personen aus verschiedenen Bereichen der Kirche, eine Suchbewegung nach Antworten auf systemische Fragen, die sich aus der MHG-Studie über sexuelle Gewalt und Missbrauch ergeben haben.“

Von der Aufhebung des Zölibats wird als Konsequenz aus der MHG-Studie wird mitunter gesprochen, unverständlicherweise. Warum fordert niemand als Konsequenz aus der MHG-Studie eine Aufhebung der Verjährungsfrist für sexuelle Gewalt und Missbrauch?

Korrekturen am System Kirche werden erwünscht, eine glaubwürdige Verkündigung des Evangeliums, eine gemeinsame Sehweise für die Wirklichkeit. Gesprochen wird von einer „gemeinsamen Orientierung am Evangelium für die großen Fragen der Menschen in dieser Zeit“. Von Hoffnungen auf kleine Schritte, die eine weltkirchliche Bedeutung gewinnen können, ist die Rede. Die Themen sind so alt wie die Nachkonzilszeit.

Worauf hofft Bischof Bode? „Ich hoffe auf eine Kirche, die im echten Dialog mit den Menschen vor Ort, aber auch mit den weltkirchlich Verantwortlichen in Rom neues Vertrauen in sich selbst und bei den Menschen gewonnen hat, eine Kirche, die mutig aufbricht in die Zukunft.“

Das klingt nach lokaler Kirchenpolitik. Vom Dialog ist die Rede, mit den „Menschen vor Ort“. Aber vom Dialog mit Gott lesen wir nichts. Vom „Vertrauen in sich selbst“ ist die Rede. Aber vom Vertrauen auf Gott vernehmen wir nichts.

Der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer sagte indessen unter Bezugnahme auf Papst Franziskus in seiner Predigt in der Adventsvesper am 30. November: „Der Synodale Weg müsse ein geistlicher Prozess sein, ein gemeinsames Hören auf das Evangelium. Auf keinen Fall dürften wir den synodalen Weg mit einem politischen oder soziologischen Prozess verwechseln, und schon gar nicht dürften wir uns von einer Medienöffentlichkeit treiben lassen, die vom Wesen der Kirche zumeist gar nichts versteht.“

Dr. Thorsten Paprotny lehrte von 1998-2010 am Philosophischen Seminar und von 2010 bis 2017 am Institut für Theologie und Religionswissenschaft der Leibniz Universität Hannover. Er publizierte 2018 den Band „Theologisch denken mit Benedikt XVI.“ im Verlag Traugott Bautz und arbeitet an einer Studie zum Verhältnis von Systematischer Theologie und Exegese im Werk von Joseph Ratzinger / Benedikt XVI.

kath.net-Buchtipp
Theologisch denken mit Benedikt XVI.
Von Thorsten Paprotny
Taschenbuch, 112 Seiten
2018 Bautz
ISBN 978-3-95948-336-0
Preis 15.50 EUR

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