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Corona in Indien: 12-jährige Wanderarbeiterin stirbt nach 100 km Fußmarsch

17. Mai 2020 in Weltkirche, 4 Lesermeinungen
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Aufgrund des Corona-Lockdowns machten sich in den vergangenen Wochen Millionen indische WanderarbeiterInnen auf den Weg in ihre Heimatdörfer.


Wien (kath.net/Jugend eine Welt/pm)

Aufgrund des Corona-Lockdowns machten sich in den vergangenen Wochen Millionen indische Wanderarbeiter auf den Weg in ihre Heimatdörfer. Eine von ihnen war die 12-jährige Chili-Pflückerin Jamlo Makdam aus dem Dorf Aaded im Bundesstaat Chhattisgarh. Doch sie sollte nie zuhause ankommen: Nach einem 100 Kilometer Fußmarsch in sengender Hitze bei über 35 Grad brach das Mädchen tot zusammen. Jugend Eine Welt-Geschäftsführer Reinhard Heiserer, dem indische Projektpartner von Jamlos tragischem Schicksal berichteten, zeigte sich tief erschüttert: „Der Tod dieses jungen Mädchens führt nicht nur vor Augen, wie groß das Problem der Kinderarbeit in Indien nach wie vor ist und wie sehr arme Menschen an den Auswirkungen der Corona-Lockdowns leiden. Er stellt auch ein zutiefst unmenschliches Gesellschaftsystem an den Pranger, das der Ausbeutung armer Menschen Vorschub leistet und sie in einer Krisensituation wie der aktuellen Pandemie völlig allein lässt. Gerade deshalb ist unsere Don Bosco-Nothilfe so wichtig, die den Ärmsten der Armen während der Corona-Krise lebensrettend zur Seite steht.“

 

Kinderarbeit weit verbreitet

Laut Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO gibt es in Indien immer noch rund 10 Millionen KinderarbeiterInnen im Alter von 5 -14 Jahren. Jamlo war eine von ihnen. Ihre armen Eltern gaben sie Berichten zufolge der „Arbeitsvermittlerin“ Sunita Madkami mit, die im Februar mit einem Bauern im benachbarten Bundesstaat Telangana vereinbart hatte, für ihn HelferInnen für die Chili-Ernte aus dem Dorf Aaded zu organisieren. Außer Jamlo waren noch weitere vier der elf ArbeiterInnen, die von der Menschenhändlerin Sunita auf die 150km weit entfernten Chili-Felder gebracht wurden, minderjährig. Aufgrund der Corona-Krise verloren sie alle im April ihre Arbeit und machten sich am 15. April auf den Weg zurück nachhause. Nach drei Tagen bzw. einem Fußmarsch von 100 Kilometern bei Durchschnittstemperaturen über 35 Grad brach Jamlo in der Nähe des Dorfes Bhandarpal am 18. April zusammen und starb. Medizinische Atteste stellten als Todesursache einen „unausgewogenen Elektrolythaushalt“ fest. Sie hatte offenbar nicht genügend gegessen. Der Corona-Test verlief negativ.



An was ist Jamlo gestorben?


„Einfach gesagt: an unserem System“, erklären langjährige indische Projektpartner von Jugend Eine Welt den tragischen Tod des jungen Mädchens. „Einem System, das Kinderarbeit zulässt. Das Tagelöhner bei Arbeitslosigkeit oder im Krankheitsfall keinerlei Unterstützung gibt. Einem System, in dem MigrantInnen, die außerhalb ihres eigenen Bundesstaates arbeiten, ohne Rechte sind. Und weil es diese riesigen und manchmal tödlichen Lücken im System gibt, durch das Jamlo und so viele andere fallen, die in einer ähnlichen Situation sind wie sie, versuchen Zigtausende Migranten nun, in ihre Heimatdörfer zurückzukehren, koste es was es wolle. Denn dort finden sie zumindest so etwas wie ein wenig emotionale Stabilität, wenn schon keine finanzielle Hilfe.“

Don Bosco steht Tausenden zur Seite


Jugend Eine Welt arbeitet in Indien eng mit dem „Don Bosco Network“ zusammen und unterstützt dessen Corona-Nothilfeaktion, die an 254 Standorten insbesondere allerärmsten Menschen zur Seite steht, darunter WanderarbeiterInnen und MigrantInnen, SlumbewohnerInnen, Obdachlosen, Straßenkindern, Transgender-Personen sowie Angehörigen indigener Volksgruppen in entlegenen Regionen. Bis 26. April wurden 260.000 Liter Trinkwasser und 81.969 Hilfspakete verteilt, die 328.059 Menschen mit dringend benötigter Nahrung versorgten. Zudem wurden 9.683 Sanitärpakete und 236.515 Gesichtsmasken verteilt bzw. im Rahmen des Netzwerkes hergestellt. „Unsere Projektpartner und -partnerinnen tun alles, was in ihren Kräften steht, um zu helfen. Sie vollbringen wahre Wunder der Solidarität und Mitmenschlichkeit“, so Reinhard Heiserer. „Aber die Dimension der Not, von der in Indien derzeit Millionen Menschen betroffen sind, ist unvorstellbar. Der Tod von Jamlo Madkam ist für uns und unsere Projektpartner ein weiterer Aufruf, nichts unversucht zu lassen, um noch mehr Hilfe in Bewegung zu bringen, damit solche Tragödien verhindert werden können. Ein großes Dankeschön an alle, die unsere Arbeit bereits unterstützt haben! Und eine große Bitte an jene, die vielleicht noch den ein oder anderen Euro erübrigen können: Lassen wir gemeinsam die Allerärmsten nicht im Stich.“
 

Foto:  Indisches Mädchen rastet sich aus © pixabay


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