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Die Luft (beim synodalen Weg) ist raus

4. Juli 2022 in Kommentar, 28 Lesermeinungen
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Denn auch das sollte man bedenken: Weltweit ist die Anzahl der Katholiken im vergangenen Jahr trotz deutscher Rekordaustrittszahlen kräftig gestiegen - Der Montagskick von Peter Winnemöller


Linz (kath.net)

Selbst Pessimisten hatten einen derartigen Anstieg der Austritte nicht erwartet. So war der Schock doch recht ordentlich. Der Vorsitzende der DBK und seine Mannen vergossen die amtlich angemessenen Krokodilstränen, was darauf schließen lässt, dass die Kirchensteuerklatsche doch noch nicht allzu hoch ausfallen dürfte. Die Zahlen, Austritte und Kirchensteueraufkommen, werden seit Jahren getrennt gemeldet, weil es ziemlich blöd aussieht, zugleich einen Rekord an Ausgetretenen und einen Rekord an Kirchensteueraufkommen melden zu müssen. Warten wir also ab, was die Finanzen sagen.

Nun sind die reinen Austrittszahlen für sich genommen wenig aussagekräftig. Statistische Erhebungen zeigen, dass nur 14 Prozent der Katholiken den Glauben der Kirche umfassend teilen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass bei einer Austrittsquote von 1,7 Prozent eine anders geartete Bindung bestehen muss. Der Glaube allein bindet die Menschen offensichtlich nicht an die Kirche, aber der Glaubensschwund führt zu immer neuen Austrittsrekorden.

Der regelmäßige sonntägliche Messbesuch schaffte schon vor Corona nicht mehr die Zehn-Prozent-Marke, inzwischen liegt er bei vier Prozent und alle Spekulationen, er würde sich nach Corona wieder erholen, gehören ins Reich der Fantasie.

Deutungshoheit und Schuldzuweisung heißen die beiden Joker kirchlicher Krisenkommunikation. Sie sind beide die größten Feinde der Wahrheit. Was ist nicht alles Schuld. Der Missbrauch, Corona, Mangel an Reformen, Frauen werden keine Priester, keine Demokratie in der Kirche und vieles andere mehr.


Die gruselige Wahrheit ist, dass die Kirche - unabhängig von einem Kirchensteuermerkmal in der Steuer ID - im Leben der Mehrheit der Menschen gar keine Rolle mehr spielt. Sieht man sich den Zustand der Kirche an, könnte man meinen, das wäre auch besser so. Selbst wenn man täglich mit der Kirche zu tun hat, wünscht man sich oft genug, mal eine Zeit lang nichts von dem Mist zu hören. Tatsächlich stößt weder innerhalb noch außerhalb der Kirche der synodale Weg auf sonderlich viel Interesse. Das jüngste päpstliche Schreiben zur Liturgie wird die winzige Filterbubble der an Liturgie interessierten Katholiken nicht durchbrechen. Ohnehin ist fraglich, ob es diesem Papst gelingen kann, Anhänger der traditionellen Liturgie der Kirche noch mehr zu verärgern als sie es ohnehin schon sind. Das sind längst ganze Heimtextillager an Tischdecken zerschnitten. Und dennoch würden die Tradis den Papst als erste verteidigen. Nebenbei bemerkt kümmern sie sich ohnehin nicht mehr sonderlich um römische Schreiben. Es kommen auch wieder andere Zeiten.

Damit sind wir einer erstaunlichen Wahrheit auf der Spur, die auch in anderen Bereichen gilt. Dem Glauben der Kirche verbundene Menschen, die die Lehre der Kirche für wahr halten und bekennen, spielen weder auf dem synodalen Weg von DBK und „ZdK“ eine Rolle noch werden sie in irgendeiner Weise im Alltag der diözesanen Reformprozesse oder der Gemeindepastoral wahrgenommen. Sie stören, sie werden ausgegrenzt, diffamiert und ignoriert. Sie sind der ärgerliche Gegenbeweis, dass die angeblich nötigen Reformen oft genug nur Unfug sind. Sie werden regelmäßig verärgert und vergällt. Doch ist der Pfarrer oder der Bischof öffentlich unter Beschuss, sind sie es, die ihn verteidigen. Das alles ist längst bekannt. Das alles spielt sich jenseits der öffentlichen Wahrnehmung ab.

Was durchstößt die Filterbubble? Ein Erzbischof, der sich in den Ruhestand davonschleichen will und der noch nicht durch die öffentliche Missbrauchsmühle gedreht wurde. Ha! Schlagzeile, der Erzbischof von Paderborn hat – möglicherweise – einen Missbrauchstäter geschützt. Langsam frage ich mich ernsthaft, wie sowas noch eine Schlagzeile sein kann. Der Erzbischof von Paderborn war Personalchef in einer Zeit in der in allen deutschen Diözesen immer noch und immer wieder Täter geschützt und Opfer diskriminiert wurden. So weit, so schlecht. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch Hans- Josef Becker Unrecht begangen hat, ist groß, sehr groß. Leider! Und dennoch: Sehr zu Recht haben wir in Deutschland ein Rechtssystem, das mutmaßlichen Straftätern immer die Unschuldsvermutung zusichert. Nur Bischöfe dürfen ohne Prozess zu öffentlichem Pranger verurteilt werden. Ankläger, Richter und Scharfrichter sitzen in wohlklimatisierten Redaktionsstuben und verfassen ihre verurteilenden Sensationsmeldungen per Copy-Paste. Stramme Leistung.

Aber auch das ist ein Symptom der Krankheit der Kirche. In der Kirche arbeiten bald vermutlich mehr Medienprofis als pastorales Personal. Da fragt man sich, warum die Kirche nicht besser dasteht. Die Medienprofis im Erzbistum Paderborn lassen ungefiltert und unkommentiert die kna- Meldung über ihren Erzbischof auf der Bistumsseite laufen. Wer solche Freunde hat, braucht wirklich keine Feinde mehr. Die Medienprofis der Kirche bilden, das wird zunehmend zu einem Problem, die Wirklichkeit der kirchlichen Gesellschaft in Deutschland ab. Wenn nur 14 Prozent der deutschen Katholiken den Glauben der Kirche voll und ganz teilen und bekennen, wie wirkt sich das wohl auf kirchliche Mitarbeiter aus? Kirchliche Medienarbeit in Deutschland ist ein Spiegel der Wirklichkeit der Kirche in Deutschland. Das künftig reformierte Arbeitsrecht wird das noch einmal verschärfen.

Die Luft ist raus. Pastoral, Verkündigung, Evangelisierung hängen gerade noch an Einzelpersonen, die sich zudem daran aufreiben, dass sie in ihrer fruchtbaren Arbeit von ihren eigenen Diözesen nicht nur nicht unterstützt, sondern oft genug heftig torpediert werden. Die Luft ist raus. Egal, was der synodale Weg von DBK und „ZdK“ bringt oder nicht bringt. Ungläubige wird er nicht überzeugen, für Gläubige spielt es keine Rolle. Die Luft ist raus. In diesem Jahr dürfen wir erwarten, dass vielleicht sogar über 400.000 Katholiken aus der Kirche austreten. Die Luft ist raus. Da das in der Geschichte der Kirche schon oft und an vielen Orten der Fall war, keine Panik. Der Heilige Geist weiß schon, welchen Weg die Kirche in unserem Land, in Europa und weltweit nehmen wird. Denn auch das sollte man bedenken: Weltweit ist die Anzahl der Katholiken im vergangenen Jahr trotz deutscher Rekordaustrittszahlen kräftig gestiegen.


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