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Blasphemie, die Dornenkrone auf die Tiroler Geschichte zu übertragen

21. September 2009 in Österreich, keine Lesermeinung
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Innsbrucker Diözesanbischofs Manfred Scheuer bei Festmesse zum Tiroler Gedenkjahr: Dornenkrone ist ein Symbol für das Leiden Christi


Innsbruck (kath.net/pdi/fs)
Die Besinnung auf und die Umsetzung der Werte Glaube, Solidarität, Freiheit, Gerechtigkeit und Friede stellte Bischof Manfred Scheuer in den Mittelpunkt seiner Predigt in der Festmesse zum Auftakt des heutigen Tiroler Landesfesttages. Mit einem großen Umzug in Innsbruck erreicht das Tiroler Gedenkjahr 1809-2009 heute seinen repräsentativen Höhepunkt. Die Festmesse im Innsbrucker Dom zu St. Jakob feierten hohe Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus Österreich, aus dem Land Tirol, aus Südtirol und aus dem Trentino mit - an der Spitze Bundespräsident Heinz Fischer und die Landeshauptleute Günther Platter (Tirol), Luis Durnwalder (Südtirol) und Lorenzo Dellai (Trient).

„Friede erwächst aus einem Klima des guten Umgangs miteinander“, betonte der Bischof nachdrücklich. Er entspringe der „inneren Freiheit“ von Menschen, die Mitmenschlichkeit leben, Hab und Gut, aber auch Rechte teilen und Stolz und Egoismus meiden. Bei der „inneren Freiheit“ gehe es um selbstkritische Fragen wie: „Wer manipuliert uns? Wem gehen wir auf den Leim? Wer treibt uns vor sich her? Wer hat die Definitionsgewalt über das, was wichtig ist in unserem Land? Oder auch: Welche Zwänge und Abhängigkeiten habe wir schon verinnerlicht? An wen haben wir unsere Seele verkauft?“


Scheuer sprach sich für Persönlichkeiten mit „starkem Ich“ und für ein „starkes Wir“ in Tirol aus. „Entscheidend“ sei aber dass man für die eigene Identität nicht „Feindbilder zur Bestätigung der eigenen Überlegenheit braucht“, das Ich nicht gegen Andere absetzt, Andere nicht herabsetzt und schlecht macht.

Der „Wir-sind-wir-Mentalität“ erteilte der Bischof eine klare Absage. In der Gesellschaft seien vielmehr notwendig: Selbstkritische Beurteilung, Anerkennung und Wertschätzung der Mitmenschen, Gastfreundschaft, Hinwendung zu den Unterlegenen und Bedürftigen und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. „Dramatische Herausforderungen“ bringe gegenwärtig das „Phänomen der Migration“ mit sich. Es sei ein „soziales Phänomen epochaler Art, das auf der ganzen Welt „Millionen von Menschen“ betreffe. Es gelte, die Migration wirtschaftlich, politisch, kulturell und religiös zu bewältigen.

Auch zur „Dornenkrone mit Rosen“ nahm der Bischof Stellung. Sie wurde beim großen Festumzug am Landesfesttag mitgetragen. Im Vorfeld hatte es um sie heftige Auseinandersetzungen gegeben. Die Dornenkrone, so der Bischof, sei „klar ein Symbol für das Leiden Christi“. Es sei zu fragen, ob es nicht „Blasphemie“ sei, dieses Symbol auf die Tiroler Geschichte zu übertragen. Die Rosen deutete Scheuer als „Merkzeichen, dass der Glaube an den Gekreuzigten selig macht“. Rosen seien aber auch Symbol für „Freude an der Heimat, für den Stolz auf das Miteinander, für die Zusammengehörigkeit auf vielen Ebenen“. Und sie seien Zeichen für die Vernunft und für einen offenen, unverblendeten Blick auf Vergangenheit und Gegenwart des Landes. Diese seien gekennzeichnet von Gutem und Schönem, aber auch von Leid und Bösem.

Nachdrücklich forderte der Bischof zu einer „Lobby“ in Politik und Gesellschaft für die Kinder, die Jugendlichen und die Familien auf. Die Option für sie sei eine „Option für Lebendigkeit und Zukunft“.


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