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| ![]() 'Eine mutige und überraschende Entscheidung'20. Dezember 2009 in Chronik, 8 Lesermeinungen Begeisterung und Kritik zu Tugendgrad für Pius XII. - Von Johannes Schidelko (KNA) Vatikanstadt (KNA) Applaus, Kritik, vor allem aber Überraschung hat die Entscheidung von Papst Benedikt XVI. ausgelöst, seinem Vorgänger Johannes Paul II. (1978-2005) gemeinsam mit Pius XII. (1939-1958) den «heroischen Tugendgrad» zu verleihen, eine Voraussetzung für die Seligsprechung. «Ein glückliches Zusammentreffen», betont Erzbischof Angelo Amato von der Heiligsprechungskongregation, eine «mutige Entscheidung», meint die Zeitung «Il Giornale», «zwei Giganten des Glaubens», triumphiert das katholische Blatt «Avvenire». Unterdessen wurden aus der jüdischen Gemeinde Roms Verwunderung und Vorbehalte gegen die päpstliche Entscheidung vom Samstag laut. Die Ehrung für den Pacelli-Papst zeige «keine große Sensibilität», erst recht nicht drei Wochen vor dem römischen Synagogenbesuch des Papstes, betonte Rabbiner David Rosen, ein im Vatikan geschätzter Dialogpartner. Die jüdische Gemeinde Italiens äußerte Kritik an der historischen Einschätzung des Dekrets und fragt, warum man nicht die Öffnung aller Vatikanarchive abgewartet habe. Und für den Ex-Gemeindechef Amos Luzzatto reißt die Entscheidung - falls sich die «Zweifel über das Schweigen von Pius XII. zur Schoah nicht zerstreuen lassen» - schwer heilbare Wunden auf, mit Folgen für den jüdisch-christlichen Dialog. Es sei eine völlig unerwartete und eine mutige Entscheidung des Papstes gegen die vielen Legenden, die sich um Pius XII. ranken, meint «Il Giornale». In der Tat vermutete man bislang, Benedikt XVI. werde das vor zweieinhalb Jahren von der Kongregation einmütig verabschiedete Tugenddekret weiter ruhen lassen. Als er das Dossier im Frühjahr 2007 erhielt, ordnete er überraschend eine weitere Untersuchung an. Er wollte die Folgen für die Beziehungen zum Jetzt hat Benedikt XVI. doch eine Entscheidung gefällt. Der Papst, der das Seligsprechungsverfahren für den französischen Ordensgründer Leo Gustave Dehon auf Eis legte, weil der sich judenkritisch geäußert haben soll, erklärte nach gründlicher Überlegung Pius XII. für tugendhaft. Freilich ist das Tugenddekret noch keine Seligsprechung und erst recht keine Heiligsprechung. Das Votum für Pius XII. kam zum jetzigen Zeitpunkt überraschend. Allerdings war bereits früher spekuliert worden, der Vatikan könnte öffentliche Vorbehalte gegen den Pacelli-Papst abmildern, indem er seinen Prozess mit dem von Johannes Paul II. verband. So hatte auch dieser im Jahr 2000 den Konzilspapst und Publikumsliebling Johannes XXIII. (1958-1963) gemeinsam mit dem nicht ganz unumstrittenen Pius IX. (1846-1871) zur Ehre der Altäre erhoben. Zudem würde eine gemeinsame Seligsprechung so unterschiedlicher Päpste die Weite der katholischen Welt und die Kontinuität ihrer Tradition unterstreichen. Diese hatte auch Paul VI. (1963-1978) im Blick, als er den Seligsprechungsprozess für den «progressiven» Johannes XXIII. gemeinsam mit dem des «konservativen» Pius XII. eröffnete. Beide Verfahren sind unterdessen unterschiedliche Wege gegangen. Der Prozess für Johannes XXIII. verlief relativ zügig. 37 Jahre nach seinem Tod wurde er im Jahr 2000 offiziell seliggesprochen und überholte damit seinen Vorgänger. Für den hat Benedikt XVI. nun 51 Jahre nach dessen Tod den heroischen Tugendgrad anerkannt. Bis zu einer Seligsprechung ist der Weg jedoch noch weit; denn gefragt ist noch der Nachweis eines Wunders, womit die Behörde jetzt beginnt. Für Johannes Paul II. scheint das Heilungswunder dagegen so gut wie bestätigt: Die unerklärliche und plötzliche Genesung der - wie der Wojtyla-Papst an Parkinson erkrankten - französischen Ordensfrau Marie Simon Pierre. Die Seligsprechung für den polnischen Papst scheint für Mitte Oktober 2010 geplant - rund um den Tag der Papstwahl vom 16. Oktober 1978. Somit dürften sich die zeitweise zusammengeführten Verfahren für ihn und den Pacelli-Papst wieder (C) 2009 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten. kathTube: Vortrag von Michael Hesemann über Pius XII. Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() LesermeinungenUm selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen. Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. | ![]() Mehr zuJudentum
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